Freundeskreis möchte eine Lösung mit Deuchert

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ROT - Das Museum Villa Rot muss einen Sparkurs fahren, wenn es nicht gelingt, zusätzliches Geld aufzutreiben. Das hat der Vorstand der Hoenes-Stiftung bei der Mitgliederversammlung des Freundeskreises bekräftigt. Auf dringenden Wunsch des Freundeskreises soll ausgelotet werden, ob eine weitere Zusammenarbeit mit dem Museumsleiter Dr. Norbert Deuchert trotzdem möglich ist.

Von unserem Redakteur Roland Ray

Wegen "drastisch geschrumpfter" Erträge aus dem Stiftungsvermögen könne man sich den bisherigen finanziellen Aufwand für Programm und Personal künftig nicht mehr leisten, hatte das Vorstandsmitglied Adolf Fuchsschwanz schon vor Wochen erklärt. Die erste Sparmaßnahme traf just den Mann, der die Konzeption der Villa Rot entwickelte und das Haus zu internationalem Renommee führte: Norbert Deuchert. Sein Ende 2007 auslaufender Vertrag wurde nicht mehr verlängert.

Mitglieder des Freundeskreises sehen aufgrund dieser Entwicklung den Fortbestand der 1992 eröffneten Villa Rot in der jetzigen Form gefährdet. Vom Stiftungsvorstand forderte der Freundeskreis am Mittwoch genaue Informationen zur Lage des Museums ein. "Man kann erst eine Therapie machen, wenn man eine anständige Diagnose hat", verdeutlichte der stell-ver-treten-de Vereinsvorsitzende Dr. Fritz-Josef Willmes.

Vermögen beträgt 6 Millionen

Vorstandsmitglied Josef Pfaff bezifferte das Vermögen der privaten Hoenes-Stiftung auf etwa 6 Millionen Euro. Davon seien vier Millionen rentierlich; Kapitalanlagen und Mieteinkünfte werfen bei vier Prozent Zinsen jährlich 160 000 Euro ab. Tatsächlich, so Pfaff, hat das Museum zuletzt aber jährliche Kosten von rund 220 000 Euro verursacht. Heuer brauche man allein für das Personal 155 000 Euro. Auf der Gehaltsliste steht auch Deucherts Assistentin, die Volkskundlerin Gertrude Amann-Edelkott; sie soll nach Deucherts Ausscheiden zunächst den Museumsbetrieb in reduziertem Umfang aufrecht erhalten.

"Wenn sich die finanzielle Situation nicht ändert, müssen wir die Notbremse ziehen", sagte Pfaff. Es sehe "bitterböse" aus. Die 26 stiftungseigenen Wohnungen in München müssten dringend modernisiert werden; geschätzter Aufwand: bis zu 300 000 Euro. Das Stiftungsvermögen werde jedoch in keinem Fall geschmälert, betonte Pfaff - "wir sind absolut verpflichtet, es zu erhalten". Bemühungen, die Finanzierung des Museums dauerhaft zu verbessern, seien gescheitert; weder der Staat noch private Sponsoren gewährten üblicherweise Zuschüsse für den laufenden Betrieb einer solchen Einrichtung.

Das jetzige Konzept der Villa Rot sieht Pfaff indes "nicht von vornherein gefährdet, wenn das Niveau ein Stück heruntergefahren wird". Es gebe durchaus Lösungen, die zwischen dem Leitmotiv "Begegnung der Kulturen" und dem von manchen befürchteten "Heimatmuseum" liegen.

Vielleicht hätte der Vorstand früher die Notbrem-se ziehen müssen, sinnierte Pfaff; man habe es nicht getan, "weil uns die Konzeption gefiel". "Genau betrachtet" sei Deuchert - "er hat ganz hervorragende Arbeit geleistet" - jedoch "ein Stück weit zu teuer für uns" gewesen.

Mit einer zusätzlichen Summe von 80 000 Euro jährlich oder einer Zustiftung von 2 Millionen Euro wäre das heutige Niveau der Villa Rot zu halten, rechnete Pfaff vor. Weitergehen werde es in jedem Fall, "sei es mit Frau Amann-Edelkott, sei es über Werkverträge". "Stehen sie in dieser schweren Zeit zu uns", appellierte Pfaff an den Freundeskreis, "es kommen auch wieder bessere Zeiten."

An Vorschlägen war kein Mangel. Eine "Task Force" aus Freundeskreis-Mitgliedern und Vorstand reg-te Matthias Bärmann an. Für ein wirksames Krisenmanagement brauche es Transparenz bei den Finanzen und der Stiftungssatzung und eine Weiterbeschäftigung Deucherts für einen Übergangszeitraum, in dem sich ein Nachfolger einarbeiten könne - "ein gleitender Übergang ist sachlich unerlässlich".

"Ohne Geld kommt nicht mal ein Nachfolger in dieser Qualität, ge-schwei--ge zur Einarbeitung", versetzte Pfaff und ließ mit gesenkter Stimme durchblicken, dass in der Satzung noch ein anderer Stiftungszweck genannt sei, dessen Verfolg dem Museum abträglich sein könnte: mildtätige Hilfe für bedürftige Menschen aus Burgrieden. Diesen Zweck habe man im Einvernehmen mit dem Regierungspräsidium zurückgestellt, sagte Pfaff auf Nachfrage der SZ. Die Bestellung eines Treuhänders, von Bärmann zur Sprache gebracht, lehnte Pfaff ab: "Wir allein sind hier zuständig."

Gefallen fanden Pfaff und Adolf Fuchsschwanz an den Ideen von Dr. Stefanie Dathe. Die Kuratorin der Städtischen Galerie Ravensburg regte an, die bisherige Arbeit der Villa Rot von Fachleuten analysieren zu lassen - "wo hat man zu viel Geld ausgegeben, was kann man entwickeln, ohne das Stiftungserbe aufzugeben?" -, Kooperationen zu suchen, das Haus für ein jüngeres Publikum interessant zu machen und es dergestalt auf andere Füße zu stellen.

Die Hoenes-Stiftung sei ausgeblutet", befand Rolf Müller - "ich habe vollstes Verständnis, dass der Vorstand auf die Bremse tritt". Er empfahl eine Spendenaktion, man habe bisher auf diesem Gebiet zu wenig gemacht.

"Den Hintern hochkriegen"

Der Freundeskreis müsse "den Hintern hochkriegen", etwa bei der Mitgliederwerbung, forderte Prof. Albert Cüppers, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Villa Rot. Es sei eine "Illusion zu glauben, man könnte mit Werkverträgen ein Haus dieser Qualität führen".

Die Frage des gleitenden Übergangs in eine Zeit nach Deuchert sei eine Frage der Modalitäten, meinte Cüppers. Die Kommunikation müsse man dazu allerdings verbessern und den Dissens zwischen Museumsleiter und Vorstand ausräumen.

Dass sich ein Graben auftut, machten Deucherts Äußerungen deutlich. Er habe Möglichkeiten für das Haus aufgezeigt, die ignoriert worden seien. So habe der Vorstand eine private Sammlung asiatischer Kunst verschmäht, die man im Zuge einer Schenkung hätte bekommen können, und die für die Zustiftung der Tibet-Sammlung Dr. Senner verlangten Garantien nicht geben wollen, weshalb sie heute nur als Dauerleihgabe in der Villa Rot sei. Außerdem, so der Museumsleiter, habe er den Boden für künftige Ausstellungen bereitet - etwa "Schätze des Islam" aus den Golfstaaten -, die jetzt "einfach in den Schlot geschrieben" würden. Was aktuell für die Zukunft der Villa Rot angedacht sei, "würde alles bis in die Basis hinein zerstören" und gleiche einer Verschleuderung von Hoenes-Mitteln. "Ich bezweifle Ihr wirkliches Mittragen der Intention dieses Hauses", hielt Deuchert den Vorstandsmitgliedern Pfaff und Fuchsschwanz vor. Pfaff konterte, Deuchert habe die Sammlungen an seine weitere Beschäftigung geknüpft - "da konnten wir nicht mit".

Am Ende formulierte der Freundeskreis auf Cüppers' Vorschlag die Bitte an den Vorstand und an Deuchert, nochmals Gespräche aufzunehmen und mögliche Wege einer weiteren Beschäftigung des Museumsleiters - "in welcher Form auch immer" - zu erörtern. Gerade in "Zeiten der Bedrängnis" müsse Deuchert als Konstante im Boot bleiben, appellierte ein Mitglied des Freundeskreises.

Wie Josef Pfaff gestern mitteilte, ist der 25. April als Termin anvisiert. An dem Gespräch teilnehmen sollen auch Albert Cüppers, der Freundeskreis-Vorsitzende Willmes und die Kunsthistorikerin Dathe.Kommentar

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