Deuchert muss gehen, ein Sparkurs droht

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BURGRIEDEN-ROT - Das Museum Vil-la Rot steht vor einer ungewissen Zukunft. Wegen gesunkener Erträge aus dem Vermögen der Hoenes-Stiftung sieht sich der Vorstand zu einem strikten Sparkurs gezwungen, der Vertrag mit Museumsleiter Dr. Norbert Deuchert wurde nicht mehr verlängert. Freun-de des Hauses verfolgen die Entwicklung mit großer Sor-ge.

Von unserem Redakteur Roland Ray

"Die Lage ist bitter ernst", warnt Gert- Michael Gmelin auf einer eigens ein--- ge-richteten Website "www.rettet-villa-rot.de". Der Arzt aus Nattheim, Mitglied im Freundeskreis Museum Villa Rot, sieht den Fortbestand der 1992 eröffneten Einrichtung, die sich mit Ausstellungen, Vorträgen und Konzerten der Begegnung der Kulturen und dem Brückenschlag vor allem nach Fernost widmet, "in ihrer jetzigen Form akut gefährdet". Seit Wochen trommelt Gmelin deshalb für eine außerordentliche Mitgliederversammlung des Freun--des-krei-ses - man müsse schleunigst nach Wegen suchen, die inhaltliche Kontinuität und das Niveau der Villa Rot zu bewahren.

Die Existenz des Hauses sei nicht bedroht, sagt Adolf Fuchsschwanz vom Vorstand der Hoenes-Stiftung, die das international renommierte Museum trägt. Jedoch könne man sich den bis-herigen finanziellen Aufwand für Programm und Personal künftig nicht mehr leisten. Die Netto-Erträge aus dem Stif-tungsver-mögen seien "drastisch geschrumpft". Sanierungsarbeiten schmälerten die Mieteinkünfte, die mit den 26 stiftungseigenen Wohnungen in München erzielt werden, und die Kapitalanlagen werfen weniger Zinsen ab als früher.

Rund 175 000 Euro an Erträgen habe man jährlich in die Villa Rot gesteckt, sagt Fuchsschwanz. Trotzdem laviere man bei den Kosten schon seit längerem in einem kritischen Bereich und habe die Schmerzgrenze - etwa bei den "sündhaft teuren" Ausstellungen Georg Baselitz (2005) und Wolfgang Laib (2004) - mehrfach überschritten. "Wir haben es zugelassen und zähneknirschend auch Mehrkosten getragen, so lange es irgendwie zu verkraften war." Nun aber sei das Ende der Fahnenstange erreicht, vor allem seit 2005 habe sich die Situation verschlechtert: "Um wie bisher weiterzumachen, fehlen uns 60 000 bis 80 000 Euro im Etat." Das Stiftungsvermögen darf nach dem Gesetz nicht angegriffen werden. Deshalb, so Fuchsschwanz, müsse die Villa Rot jetzt zwingend zurückstecken.

Deuchert trifft Sparmaßnahme

Die erste Sparmaßnahme ist bereits verfügt. Sie trifft ausgerechnet den Mann, der die Konzeption der Villa Rot entwickelte und das Haus, wie Fuchsschwanz unumwunden einräumt, "zu einer absoluten Top-Adresse gemacht hat": Norbert Deuchert. Seinen Ende 2007 auslaufenden Vertrag hat der Vorstand der Hoenes-Stiftung, dem außer Fuchsschwanz Burg-riedens Bürgermeister Josef Pfaff und Kurt Traub aus Ehingen angehören, nicht mehr verlängert. Der Museums-leiter erreicht zwar die Altersgrenze, doch hätte das sein Ausscheiden nicht unbedingt erfordert, und Deuchert verhehlt auch nicht, dass er gern noch bleiben würde, vor allem um zweier hochkarätiger Ausstellungsprojekte willen. In Zusammenarbeit mit dem Museum für indische Kunst in Berlin wollte er demnächst "Kunst der Seidenstraße" in der Villa Rot präsentieren und nächstes Jahr aus den Golf-Emiraten "Schätze des Islam" nach Oberschwaben holen. Gerade die Islam-Ausstellung wäre vor dem Hintergrund kultureller und religiöser Spannungen hochaktuell, begeistert sich Professor Albert Cüppers vom Wissenschaftlichen Beirat des Museums Villa Rot. Sie würde zudem, wie zu hören ist, von den Leihgebern finanziell unterstützt. Beide Projekte seien freilich an Deucherts Person gebunden, wie Cüppers betont: "Die Verbindungen, die es dafür braucht, sind nicht beliebig auf andere übertragbar."

Doch Adolf Fuchsschwanz winkt ab: "Das verkraften wir nicht." Es sei auch zu teuer, Deuchert weiterzubeschäftigen, "die Entscheidung ist gefallen". Wegen seiner Urlaubsansprüche wäre der Kunsthistoriker wohl ab Mitte des Jahres weg. "Wir werden die Stelle ausschreiben", sagt Fuchsschwanz, "aber nicht sofort." Die finanzielle Er-holung stehe im Vordergrund. Zunächst soll Deucherts Assistentin, die Volkskundlerin Gertrude Amann-Edelkott, mit einer Halbtagsstelle den Museumsbetrieb in reduziertem Umfang aufrecht erhalten. Für eine spätere Nach-folge-regelung zieht der Stiftungs-vorstand eine "modifizierte Darstellung des Aufgabenkreises" und themen-bezogene Werkverträge in Betracht.

Laut Fuchsschwanz ist weder an eine zeitweise Schließung der Villa Rot noch an einen "gravierenden Richtungswechsel" gedacht: "Wir sind bemüht, die Konzeption weiterzuführen, nur eben ein paar Nummern kleiner." Für das musikalische Begleitprogramm schwebt ihm eine Kooperation mit der Akademie Ochsenhausen vor; dabei böte sich jungen Künstlern eine Chance.

"Man fährt schnell an die Wand"

Langjährige Wegbegleiter des Museums fürchten um die Kontinuität und Qualität; sollten sie dem Rotstift zum Opfer fallen, könne das fatale Folgen haben. "Man fährt so eine Einrichtung ganz schnell an die Wand und das Publikum bleibt weg", sagt Professor Cüppers. Er hat sich zusammen mit Norbert Deuchert Hilfe suchend an das Stuttgarter Wissenschaftsministerium gewandt. "Man darf die Stiftung jetzt nicht im Regen stehen lassen", fordert Cüppers. Das Ministerium wolle bei der Suche nach Sponsoren behilflich sein. "Wir greifen diesen Ball gerne auf", sagt Adolf Fuchsschwanz, mit kaum verhohlener Skepsis, dass sich Geldgeber finden, die der Villa Rot ein Weiterarbeiten auf dem jetzigen Niveau ermöglichen.

Der Stiftungsvorstand müsse unbedingt die Zahlen offen legen, fordert Gert-Michael Gmelin, der unabhängig vom Vorstand des Freundeskreises die Initiative ergriffen hat. Gelegenheit zur Transparenz ist bei der ordentlichen Mitgliederversammlung des Freundeskreises am 28. März. "Da werden wir den Vorstand löchern, wie es weitergehen kann", sagt der stellvertretende Vereinsvorsitzende Dr. Fritz-Josef Willmes.

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