Ein Standort verändert sein Gesicht

Lesedauer: 5 Min

BAIENFURT (Anton Wassermann) - Mit einem großen Tag der offenen Tür möchte die Werksleitung der Papierfabrik Baienfurt der Bevölkerung am Sonntag, 1. Juli, der Öffentlichkeit zeigen, welche grundlegenden Veränderungen in den zurück liegenden fünf Jahren stattgefunden haben, um den Bestand des Werks langfristig zu sichern.

„Früher wurde immer wieder von einer drohenden Werkschließung gesprochen. Das ist inzwischen kein Thema mehr. Jetzt geht es darum, Umsatz und Ertrag zu steigern; denn für unsere hochwertigen Produkte, die wir im Umkreis von 1500 Kilometern vermarkten, haben wir im Zentrum Westeuropas einen idealen Standort.“ Dr. Franz-Dieter Cramer, seit 1995 Werksdirektor bei StoraEnso in Baienfurt, stellte gestern bei einer Pressekonferenz das Konzept vor, das vor allem die logistischen Betriebsabläufe gegenüber dem alten Zustand wesentlich verbessert und dem Werk zusätzliche Entwicklungsfläche gesichert hat.

Dazu war es nötig, die Bergatreuter Straße nördlich von Baienfurt neu an die B 30 anzuschließen, um eine neue Werkszufahrt zu schaffen. Die rund 200 Lastwagen, die jeden Werktag in die Fabrik rollen, fahren nicht mehr durch die Ortsmitte. Da auch der überörtliche Verkehr über die neue Straße geleitet wird, ist der früher berüchtigte „Baienfurter Stachus“ zu einem verkehrsberuhigten Bereich geworden. Der nächste Schritt wird sein, dass ein Teil der früheren Bergatreuter Straße, über den noch Schleichwegfahrer in östlicher Richtung aus dem Ort herauskommen, in das Werksgelände integriert wird. Der jetzige Maisacker neben dem in den vergangenen Jahren angelegten neuen Lkw-Parkplatz wird dann ebenfalls zum Fabrikgelände gehören. Es ist bereits vom Unternehmen gekauft worden.

Rund zehn Millionen Mark wurden in die neue Werkszufahrt und neue Straßen auf dem Betriebsgelände investiert. Das alte Nadelöhr an der Landesstraße, durch das sich früher alle Holzlaster zwängen mussten, konnte geschlossen werden. Die unfallträchtigen Staus gehören der Vergangenheit an.

Noch nicht ganz abgeschlossen sind die Abbrucharbeiten der früheren Zellstoff-Fabrik. Die Zellstoff-Herstellung konnte in Baienfurt 1999 eingestellt werden, weil StoraEnso seit der Übernahme eines finnischen Zellstoff-Produzenten im eigenen Konzern diese Sparte abdeckt und dieses Produkt nicht mehr von außen zukaufen müsste. Damit ist in Baienfurt nicht nur eine üble Geruchsbelästigung verschwunden, sondern auch ein immenses Abwasser-Problem. „Wir haben uns entschlossen, die alte Produktionsstätte nicht nur oberflächlich zu beseitigen, sondern auch eine grundlegende Bodensanierung vorzunehmen. Alle Altlasten, die sich im Erdreich angesammelt hatten, werden beseitigt. Darum dauern die Abbrucharbeiten beziehungsweise die Beseitugung des Bauschutts immer noch an“, erklärte Werksdirektor Cramer gestern bei einem Rundgang. Millionenbeträge wurden ferner in ein neues Regenrückhalte-System investiert. Es sorgt dafür, dass bei starken Regengüssen das Oberflächenwasser nicht sofort in die Wolfegger Ach geleitet, sondern in einem Becken aufgefangen wird und sich dort seine Schmutzfracht setzen kann.

„Mit all diesen Maßnahmen konnten wir eine lange Liste an gravierenden Umweltproblemen abhaken“, sagte Dr. Cramer. Zugleich sei es gelungen, die Betriebsabläufe zu optimieren und die Kosten zu senken. Dazu erklärte Dr. Cramer: „Nur über Produktionssteigerungen und Expansion können wir unsere Erträge sichern; denn die Preise für unsere Produkte sind seit 1980 im Prinzip gleich geblieben; aber die Kosten steigen Jahr für Jahr.“ Derzeit sind im Werk Baienfurt rund 450 Menschen beschäftigt. Im Umkreis von 150 Kilometer hängen nach Cramers Schätzung weitere 1000 Arbeitsplätze unmittelbar an diesem Werk, sei es bei Palettenherstellern, im Transportgewerbe, im Entsorgungsgewerbe oder bei Dienstleistern wie Reinigungsbetrieben.

Kommentare werden geladen