Tomitaro Nachi 82-jährig gestorben

Lesedauer: 4 Min

Tomitaro Nachi ist tot: Der lichtkinetische Künstler von Weltruf ist am Samstag einen Monat vor seinem 83. Geburtstag nach kurzer schwerer Krankheit in Ulm gestorben.

Für den am 7. Mai 1924 im japanischen Yokohama geborenen Biennale-Künstler und Wahl-Ulmer ist die optische Sensation bewegten Lichts, wie sie sich etwa in Reflexen auf Wellen äußerte, zum lebensbestimmenden Thema geworden. Als Flugzeugkonstrukteur und Testpilot erhielt er nach dem Zweiten Weltkrieg einen Ruf an die japanische Elite-Universität in Tokio, wo er in den Fachbereichen Architektur, Bildhauerei und Industrial Design gelehrt hat.

1961 kam das Multitalent nach Ulm an die Donau, um als freier Mitarbeiter an der legendären Hochschule für Gestaltung (HfG Ulm), wohin sein früher verstorbener Bruder Tsugio bereits vier Jahre vorher gekommen war, Entwicklungsaufgaben zu übernehmen.

Spektakuläre Objekte

Spektakulär, weil unübersehbar, sind Tomitaro Nachis Objekte, deren größtes bekanntlich als Motiv auf einer Briefmarke abgebildet vor dem Olympiazentrum in Kiel steht: Leichtigkeit, Eleganz und Dynamik charakterisiert Nachis skulpturales Werk. Die Ulmer dürfen seine bunten, tropfenförmigen Flügel bewundern, die der Wind vor dem Westbad hin und her schaukeln lässt. Über dem Grundsteinschacht der Universität auf dem Oberen Eselsberg dreht sich seit 1976 eine in 31 kreisförmigen, übereinander geschichteten Ringe aufgefächerte Aluminiumscheibe.

Im Genre "Kunst am Bau" hat Tomitaro Nachi in der Region mehr als ein Dutzend Werke platziert, darunter auch im Kreiskrankenhaus Neu-Ulm (das mit den senkrechten Spiralen) oder an der Donaubrücke nach Oberelchingen. Unvergessen sind nicht zuletzt seine Beiträge bei der Kasseler "documenta 6" im Jahr 1977 oder bei der "Biennale Venezia" der Jahre 1970 und 72.

Bescheidener Mensch

Nachi, der seinen Freunden als bescheidener Mensch fern aller Posen in Erinnerung bleiben wird, hat sich nicht nur in seinen bewegten Objekten, sondern auch in seinen Zeichnungen und Kleinmodellen als filigraner Künstler erwiesen. Seine Kreativität bezeugten große Einzelausstellungen in der Kunsthalle Basel (1969), im Stedeliijk Museum Amsterdam (1974), in Hamburgs Kunsthalle (1974) oder im Ulmer Museum (1983). Bereits 1976 hat Tomitaro Nachi sein zentrales künstlerisches Thema "Unendlich" in einer Vortragsreihe der Hamburger Kunsthalle aufgegriffen.

Sein gleichnamiges, sechs Meter hohes Rotations-Objekt vor dem Oberfahlheimer Landkreismuseum, wo eine Retrospektive zum 80. Geburtstag angestrebt, aber nicht möglich geworden ist, erzeugte gestern in der Frühlingssonne fantastische Lichtreflexionen. "Ein typisches, lichtkinetisches Objekt, optisch-physikalisch", hatte Tomitaro Nachi im November 2003, einen Tag vor der Enthüllung, seine Freude über das gelungene Kunstwerk bekundet.

Kommentare werden geladen