Reisser ist eine schwäbische Erfolgsgeschichte

Lesedauer: 6 Min

VERINGENSTADT - Der Gründer der Firma Reisser Maschinenbau in Veringenstadt ist vor kurzem achtzig Jahre alt geworden. Sein Lebenslauf ist ein Musterfall dafür, wie der Drang nach Selbständigkeit, gepaart mit Fleiß und Sparsamkeit, fast unaufhaltsam zum wirtschaftlichen Erfolg führt.

Innerhalb von fünf Jahrzehnten entwickelte sich das Unternehmen aus kleinsten Anfängen zu beachtlicher Größe, nun in der zweiten Generation. Begonnen hatte es in den 50er-Jahren in der ehemaligen Sägemühle an der Lauchert (Lohmühle), wo es dem wachsenden Betrieb bald zu eng wurde. Zunächst behalf man sich mit einem Anbau, dann kam in den Sechzigern der Umzug in den Neubau beim Burgblick, mit teils neuen Maschinen. Anfang der 90er-Jahre folgte die große Fabrikhalle in der Breitnau, mit modernisiertem Maschinenpark, jetzt bereits unter der Regie des Sohnes, Diplom-Ingenieur Jürgen Reisser.

Firmengründer Moritz Reisser, geboren in Gammertingen als Sohn des Sonnenwirts, blickt auf ein sehr bewegtes und teilweise abenteuerliches Leben zurück. In den Kriegsjahren 1941 bis 1944 machte er eine verkürzte Lehre als Werkzeugmacher, und zwar bei der Firma Elektra in Tailfingen, die elektrische Schaltapparate herstellte.

Gleich nach seiner mit "gut" bestandenen Gesellenprüfung im Jahr 1944 musste er, wie damals üblich, zum Reichsarbeitsdienst (RAD), in seinem Fall auf einen Militär-Flugplatz bei Wiesbaden. Danach wurde er im Spätsommer 1944 zur Wehrmacht eingezogen, zunächst nach Holland. Doch bald ging es nach Polen, von dort an die Front in Ostpreußen, wo er den Krieg als wahre Hölle erlebte.

Im Februar 1945 erlitt er durch einen Granatsplitter eine Unterschenkel-Verwundung, für sein Empfinden ein Glück, das ihm die russische Gefangenschaft oder gar den Heldentod ersparte. Trotz der chaotischen Zustände durch den überstürzten Rückzug der Wehrmacht aus Ostpreußen landete er schließlich auf Umwegen im Reservelazarett in der Heimat, in Gammertingen. Doch Gammertingen wurde gleich darauf von den Franzosen besetzt, und Moritz wanderte als Soldat noch im April 1945 in französische Gefangenschaft. Aber wieder hatte er Glück, denn er kam ins Elsass in die Landwirtschaft, wo es ihm verhältnismäßig gut ging.

Nach über einem Jahr flüchtete er dennoch zusammen mit einem Kameraden. Sie durchschwammen dabei den Rhein und schlugen sich bis Rust durch. Nach diesem Abenteuer mussten sie allerdings untertauchen, denn sie besaßen keine Papiere. Moritz überlebte durch Arbeit bei Bauern in Tettnang und Eigeltingen, bis er endlich eine Kennkarte in Gammertingen erhielt.

Der jüngste "Kapo"

Nun drängte es ihn mit Macht zurück in seinen Beruf als Werkzeugmacher. Elektra hatte keine Aufträge, auch sonst gab es nach der Währungsreform wenig Arbeit. Durch Beziehungen seines Vaters konnte Moritz 1950 im Hüttenwerk Laucherthal in der Dreherei anfangen und brachte es schnell zum Vorarbeiter, mit 23 Jahren war er der jüngste "Kapo" dort. Trotzdem kündigte er 1952, da sich ihm durch glückliche Umstände eine aussichtsreiche Gelegenheit in Veringenstadt bot, weiter zu kommen.

Im September 1952 trat er in die Firma Fink Maschinenbau gleich als Geschäftsführer ein und löste einen vertrottelten Ingenieur ab, der mit zwölf Arbeitern und neuen Maschinen vor allem Ausschuss und Verluste produzierte. In kurzer Zeit sanierte Moritz den Betrieb am Lauchertbogen und fing 1953 mit zwei Arbeitern von vorne an. Einer der ersten Kunden waren die Hüttenwerke Laucherthal. Bereits 1955 firmierte Moritz als Inhaber von Fink-Maschinenbau und beschäftigte wieder zwölf Mitarbeiter. Im Neubau beim Burgblick 1967, nun als Firma Moritz Reisser Maschinenbau ausgewiesen, wurden Maschinenteile, Elektroden und Vorrichtungen hergestellt, ab 1980 auch mit zwei CNC-Maschinen. Zwischendurch hatte Moritz geheiratet, ein Wohnhaus gebaut und war Vater von zwei Söhnen geworden.

Der Expansionskurs der Firma setzte sich bis heute fort. Mit zehn CNC-Maschinen und bis zu 60 Beschäftigten werden vor allem Maschinenteile und Baugruppen zur Holzverarbeitung sowie für den Hydrauliksektor produziert. Gearbeitet wird in drei Schichten rund um die Uhr. Werk 1 in der Breitnau erweiterte sich inzwischen auf das Gelände von Saible-Bau nebenan, wo Reisser das Büro, eine Montagehalle und Lagerplatz pachtete. Dort wird nicht nur der ganze Warenein- und Ausgang abgewickelt, sondern in der Halle werden auch komplette Maschinenaggregate montiert. Aus Platznot wurde an diese Halle bereits wieder ein großes Zelt angefügt.

Kommentare werden geladen