"Sauschwänzlebahn" ist jetzt Denkmal

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Das Regierungspräsidium Freiburg hat jetzt die Wutachtalbahn, im Volksmund "Sauschwänzlebahn" genannt, unter besonderen Denkmalschutz gestellt. Das wird durch Eintragung in das amtliche Denkmalbuch unterstrichen.

Die Ende des 19. Jahrhunderts für militärische Zwecke gebaute Wutachtalbahn ist die einzige Bahnstrecke ihrer Art in Deutschland, die seit dieser Zeit nahezu unverändert erhalten geblieben ist. Äußerst selten sind die vielen originalen Brückenbauwerke und die Tunnels. Einzigartig in seiner Art in Deutschland ist der Kehrtunnel an der Stockhalde. Dabei überwindet die Bahn im Berg einen Höhenunterschied von etwa 15 Meter durch Trassenführung als Schleife auf unterschiedlicher Ebene. Die besondere Form hat zur Bezeichnung "Sauschwänzle" geführt.

Die Erhaltung der Wutachtalbahn liegt wegen ihres hohen dokumentarischen Seltenheitswertes als technisches Kulturdenkmal ersten Ranges daher im besonderen öffentlichen Interesse, zumal sie ein hervorragendes Zeugnis großherzoglich-badischer Ingenieurbaukunst Ende des 19. Jahrhunderts ist.

Die Bahnstrecke hat eine interessante Geschichte. Die Militärstrategen des Deutschen Reiches forderten vor dem Hintergrund des 1870/71 geführten Krieges gegen Frankreich eine Bahn zum Transport von Armeegütern vom Donauraum ins Elsass. Die Strecke sollte das Schweizer Territorium umgehen, damit die Schweiz im Kriegsfall die Durchfahrt deutscher Militärfahrzeuge auf der Hochrheinstrecke nicht sperren konnte.

So kam es zur Planung der Wutachtalbahn, die schließlich 1887 bis 1890 unter der Leitung des großherzoglich-badischen Baudirektors von Würthenau erbaut wurde. Dazu holte man zahlreiche Mineure, also erprobte Facharbeiter des Tunnelbaus, aus Österreich und Tausende Arbeiter aus Italien.

Die Militärs redeten bei der technischen Planung weitgehend mit. Alle acht Kilometer forderten sie Ausweichgleise und Laderampen für Militärfahrzeuge. Durch die militärischen Vorgaben wurden die Brücken auf die schweren Belastungen durch die bis zu 140 Tonnen wiegende zu transportierende Artillerie ausgelegt. Die Brücken konnten deshalb auch später höhere Achslasten und Lokomotivgewichte unverändert tragen.

Neben der besonderen Ingenieurleistung der fünf großen Brücken mit 834 Meter Gesamtlänge enthält die "Kanonenbahn" auf einer Strecke von etwa 26 Kilometer weitere 40 Brücken, Unter- und Überführungen sowie 70 gewölbte und offene Durchlässe. Auch die sechs Tunnelanlagen mit einer Gesamtlänge von 4560 Meter, von denen drei als Sporntunnel ausgelegt sind, stellen eine besondere Ingenieurleistung dar.

1923 erlebte die Wutachtalbahn ihre Blütezeit. Der gesamte Eisenbahnverkehr der Oberrhein-Linie musste damals wegen der Besetzung Offenburgs durch die Franzosen über den Schwarzwald geführt werden. 1955 wurde die Bahnstrecke stillgelegt, wenige Jahre später aber von der Nato 1962 bis 1965 aus strategischen Gründen renoviert, schließlich 1976 endgültig stillgelegt.

Die Deutsche Bundesbahn stellte 1977 der Stadt Blumberg die Strecke zur Verfügung. Seither wird sie als Museumsbahn betrieben. Weil der Unterhalt der Bahnlinie einerseits sehr aufwendig ist, gibt das Land regelmäßig Zuschüsse aus der Denkmal- und Tourismusförderung, bisher sind es über drei Millionen Euro.

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