Auch virtuell lässt sich's gut orgeln ...

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ENNETACH - Der Orgelbau hat in Ennetach schon lange Tradition. Zurzeit wird dort ein neues Kapitel der Orgelbaugeschichte mitgeschrieben: Harald Rapp, Jahrgang 1952, Orgelbauer in bereits dritter Generation, baut die Spieltische für die Virtuelle Pfeifenorgel.

Nach der Ausbildung zum Werkzeugmacher absolvierte Rapp eine Lehre zum Orgelbauer in Berlin und vertiefte seine Kenntnisse während eines dreijährigen Aufenthalts in Louisville (USA). In Ludwigsburg besuchte er die Meisterschule und übernahm danach die Meisterstelle seines Vaters bei der Firma Orgelbau Späth. 1985 wechselte er in die Selbstständigkeit. Seither baute er zahlreiche Groß- und Kleinorgeln, die im In- und Ausland stehen.

Auf der Musikmesse in Frankfurt machte Harald Rapp die Bekanntschaft von Professor Helmut Maier, der hauptamtlich als Professor für Informatik und Medientechnik an der Hochschule Reutlingen tätig ist. Der Diplomingenieur suchte jemanden für sein neuentwickeltes Projekt eines Übungsinstrumentes, auf dem bedeutende historische Orgeln gespielt werden können. In dieser Zusammenarbeit wurde von Rapp ein hochwertiger Orgelspieltisch entwickelt, der den hohen Ansprüchen des traditionellen Orgelbaus gerecht wird.

Maier und Rapp gründeten zu diesem Zweck die neue Marke R&M. Der Untertitel "The Virtual Pipe Organ" trifft das Projekt aus Soft- und Hardware auf den Punkt. Durch die Kombination der herausragenden Klangdokumente von Professor Maiers "OrganARTMedia" mit dem Spielgefühl eines Pfeifenorgelspieltisches ermöglicht dieses Instrument Musikstudenten, Berufsorganisten, Orgelforschern und Liebhabern wertvolle historische Instrumente in ihrer originalen Raumumgebung virtuell zu spielen. Dazu wird jede einzelne Pfeife mit ihren charakteristischen Eigenschaften wie Ein- und Ausschwingvorgang, Lautstärken- und Tonhöhenschwankungen von den Originalorgeln in langwieriger Arbeit aufgenommen und in einem eigens entwickelten Programm gespeichert. Die Auswahl der entsprechenden Orgel erfolgt über eine auf einer ausziehbaren Platte angebrachten Tastatur, die Registrierung über zwei links und rechts eingebaute 15-Zoll- Bildschirme, sogenannte Touchscreens, deren Anordnung der Züge dem Original entsprechen.

Weitere Orgeln kommen hinzu

Zurzeit sind insgesamt neun bekannte Orgeln aus Deutschland, Frankreich und Italien programmiert und spielbar. Weitere Orgeln sollen hinzukommen. Diese können über ein DVD-Laufwerk oder über USB-Anschluss eingespielt werden.

Vor Weihnachten belieferte Harald Rapp seinen ersten Kunden auf der Insel Oléron vor der französischen Atlantikküste mit einer fünfmanualigen Orgel dieser neuen Art.

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