Wenn er liest, entstehen Bilder im Kopf

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Weingarten - Zum 22. Mal wurde vom Kulturzentrum "Linse" die "Goldene Filmspule" vergeben - in diesem Jahr an den Synchronsprecher Christian Brückner. Bestes Kino im Kopf entstand bei seiner Lesung nach der Preisverleihung.

Gerne sei er nach Weingarten gekommen, weil dies ein "schöner Preis ist, der nicht aus einer Kungelei kommt", sagte Christian Brückner, als er jene Filmspule überreicht bekam, an der das Gold zwar nicht echt ist, aber die Funktion, die sie mal hatte. Nicht mehr zu zählen, wie viele in der Technik gelaufen seien, als er daneben einem der prominenten Stars die deutsche Stimme verlieh.

Charmanter Filmpreis

Echt auch die Leidenschaft in diesem Kulturzentrum, die vor allem jenen Filmen gilt, die mit kleinen Etats, aber großen Geschichten, großen Talenten gedreht werden. Da hat der Cineast Eugen Detzel aus dem "Linse"-Team Recht, wenn er stolz ist auf "Deutschlands kleinsten und charmantesten Filmpreis", der, wie auch in diesem Jahr, oft nicht die Regel, sondern die Ausnahme im Kino auszeichnet: Synchronisation als Kunst, als Können. "Sie muss den Geist der Stimme treffen", zitierte Thomas Dietze bei der Preisübergabe Brückner selbst. Glatt, austauschbar steril aber ist die Synchronisation leider beim Gros.

Der letztjährige Preisträger, der Filmkomponist Guenther Buchwald, hatte eine kleine persönliche Laudatio geschickt. Er hatte die Musik zu einem Fernseh-Feature geschrieben, Brückner den Kommentar gesprochen. "Einfach professionell, einfach einfach, schnörkellos", erinnerte sich Buchwald.

Und dann las Brückner Annie Proulx' "Brokeback Mountain", ohne die fabelhaften Bilder, die Ang Lee dazu gedreht hat. 80 Minuten Kino im Kopf machte Brückner daraus. Da nuschelt er für einen Moment und das genügt, Jack und Ennis den Whisky in die Stimme zu legen, die Rauhbeinigkeit der beiden abgehalfterten Typen aus Wyoming trifft er mit seinem Timbre genauso wie ihre fast wortlosen schwulen Gefühle. Eine Pause ersetzt den Schnitt, eine winzige Veränderung des Tempos und man sieht den Himmel verdunkeln über den Bergen, ein gehauchter Satz und man mag sich die unterdrückten Gefühle dieser Farmertochter Alma vorstellen, aus diesem puritanischen Rodeo-Amerika, die spürt, dass ihr Mann eine nicht aussprechbare Art Sex hat.

Wenn Christian Brückner Literatur liest, ohne manirierte Künstlichkeit, wird die menschliche Stimme zu einem eigenen Medium. Eine Nadel hätte man fallen hören, so dicht war die Stimmung. Und man begreift, warum so oft in schlechten Filmen die Stimmen ständig mit billiger Parfum-Musik zugemüllt werden.

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