3300 Menschen arbeiten heute in früheren Dornier-Werken

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3300 Menschen arbeiten auf dem ehemaligen Dornier-Gelände in Immen-staad. Raumfahrer,Satellitenbauer,Sicherheits- und Verteidigungsspezialisten im Werk 1 "Seewerk" südlich der B 31 - Logistiker, Netzwerkspezialisten und Antennenbauer im Werk 2 nördlich der B 31. Verwaltet wird das Areal von der EADS Real Estate GmbH in München.

Die EADS (European Aeronautic Defence and Space Company) ist eines der weltweit größten Luft- und Raumfahrt- sowie Verteidigungsunternehmen. Immenstaad ist der südlichste in Deutschland gelegene EADS-Standort. Hier sind zwei wichtige Unternehmensbereiche der EADS - die Raumfahrt und die Verteidigungstechnik - vertreten. Rund 2300 EADS-Mitarbeiter entwickeln und fertigen in diesen beiden Sparten High-Tech-Produkte.

Die Verteidungsaktivitäten am Standort sind in der EADS-Division Defence & Security Systems mit rund 1500 Mitarbeitern zusammengefasst. Hier werden Lösungen für die Aufgaben der Streitkräfte in den Bereichen Aufklärung und Überwachung, Sensorik und Avionik, Mobile Systems sowie Führungs- und Kommunikationssysteme und unbemannte Aufklärungsflugzeuge erarbeitet. Zu den herausragenden technischen Produkten, die in Immenstaad entwickelt und gebaut werden, zählen unter anderem das Hubschrauber-Hinderniswarnsystem Hellas, das sogar Leitungen in Flugrichtung erkennen kann. Spezialisten entwickeln derzeit ein Zentralrechnerkonzept, das im Airbus A400M-Transportflugzeug sowie bei Tiger- und NH 90-Hubschraubern eingesetzt wird. Außerdem arbeitet EADS an neuen Techniken zur präziseren Einsatzvorbereitung und Verringerung der Gefährdung von Besatzungen. Einen besonderen Ruf haben sich die Mitarbeiter auf dem Gebiet der SAR (Synthetic Aperture Radar)-Technologie erworben. SAR-Systeme ermöglichen es, Abbildungen von der Erdoberfläche zu allen Tageszeiten und bei jeder Witterung zu erhalten.

Raumfahrt gibt's seit 40 Jahren

Der Raumfahrtbereich ist durch die EADS-Konzerngesellschaft Astrium in Immenstaad seit mehr als vier Jahrzehnten vertreten. Astrium ist Dreh- und Angelpunkt für die Entwicklung und den Bau von Satelliten und Instrumenten zur Erforschung des Weltalls, der Erdbeobachtung und der Meteorologie. Darüber hinaus entstehen bei Astrium auch Experimentieranlagen für die Forschung unter Schwerelosigkeit und Lebenserhaltungssysteme für die bemannte Raumfahrt.

Bei Astrium sind knapp 800 Mesnchen beschäftigt. Alle großen Satelliten, die im Auftrag der Europäischen Weltraumorganisation ESA für Erdbeobachtungsaufgaben entwickelt wurden, sind unter der industriellen Führung von EADS Astrium in Immenstaad entstanden. Mit dem Satelliten-Quartett Cluster, dem Röntgenteleskop XMM-Newton und dem Kometen-Jäger Rosetta entstanden drei von vier wissenschaftlichen Großmissionen der Europäer am Bodensee. Über die Tochtergesellschaft Infoterra ist die EADS Astrium auch im Bereich der Geo-Informationsdienste aktiv. EADS hat ihre Wurzeln in Unternehmen mit zum Teil langer Tradition. Eines dieser traditionsreichen Unternehmen ist die Dornier GmbH. Die Anfänge des Unternehmens gehen zurück auf die Ära des Luftschiffbau Zeppelin, aus dem zahlreiche Industrieunternehmen am Bodensee hervorgegangen sind. Das Wirken des Ingenieurs Claude Dornier, anfänglich in Diensten Graf Zeppelins und ab 1914 mit eigener Unternehmung, umspannte ein halbes Jahrhundert, in dem weltbekannte Flugzeuge an diesem traditionsträchtigen Standort entstanden sind.

Um den EADS-Standortes für die Zukunft auszurichten, wurde im Rahmen eines Standortentwicklungsprogramms durch die Eigentümerin die Chance wahrgenommen, den Werksteil 2 nördlich der B 31 durch Beseitigung der Sicherheitsanlagen öffentlich zu machen und als High-Tech-Gewerbestandort zu nutzen. Somit hat die EADS die Möglichkeit einerseits Flächen für hohe Sicherheitsansprüche im gesicherten Bereich und andererseits Gewerbeflächen ohne spezielle Sicherheitsanforderungen im offenen Bereich anbieten zu können. Im Rahmen dieses Standortkonzeptes der EADS Immenstaad - Friedrichshafen wurden die Gewerbeflächen durch Umzugskonzepte optimiert und EADS-Einheiten umgesiedelt und im Werksteil Seewerk (Werk 1) konzentriert. Zur Wahrung des High-Tech-Charakters des Standortes wurden entsprechende Branchencluster geschaffen. Die Kantine wurde für sämtliche Bestandsmieter öffentlich zugänglich gestaltet.

Die 2005 in Werk 2 entstandenen Leerflächen konnten reduziert werden; somit ist ein öffentlicher Gewerbepark mit nahezu 100 Prozent Vermietungsstatus: die bodensee business base (bbb). Hier haben sich Unternehmen aus den Bereichen High-Tech, Logistik, Entwicklung, Forschung sowie Kommunikation etabliert. Die Firma Matrium GmbH konzentriert ihr Logistikzentrum in der Halle 11 des bbb. Die ND SatCom AG wurde durch neue Projekte in Partnerschaft mit der EADS Space Services im weiteren Flächenbedarf bestärkt. Die Zeppelin University hat Interimsflächen angemietet.

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