Puppenstuben wecken Kindheitserinnerungen

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HETTINGEN - Ein Besuch im Puppenmuseum Hettingen hat manchen "SZ"-Leser an die eigene Kindheit erinnert. Viele Besucher bestaunten die Vielfalt des Puppenmuseums, das kürzlich zusammen mit der "SZ" zu einer Führung eingeladen hatte.

Von unserem Mitarbeiter Christoph Klawitter

"D as ist sehr interessant." Jürgen Mors aus Oberschmeien war nicht der Einzige, der sich über die reichhaltige Museumsausstattung wunderte. Auf zwei Stockwerken verteilt, stehen Puppenstuben, Krämerläden, Puppenwagen und 550 Künstlerpuppen aus den Jahren 1860 bis 1960.

Das Puppenmuseum hat bereits eine bewegte Geschichte hinter sich. Brigitte Lohrmann und ihr Lebensgefährte Henry Römling sammelten rund vierzig Jahre lang leidenschaftlich Puppen. In Hamburg eröffneten die beiden mit den gesammelten Exponaten in den 90er-Jahren ein Puppenmuseum, für die Römlings ging damit ein Lebenstraum in Erfüllung. Wegen hoher Unterhaltskosten schloss das Museum nach dreijährigem Bestehen und die Puppen und Krämerläden landeten in Hettingen. Brigitte Lohrmanns Sohn Peter Lohrmann und dessen Frau Jadi Lohrmann gründeten im Jahr 2000 das heutige Museum in Hettingen und führen es noch heute. Eineinviertel Jahre habe man benötigt, um das Museum aufzubauen, so Peter Lohrmann. Für Jadi Lohrmann war damals das im Entstehen begriffene Puppenmuseum Neuland: Sie habe sich vorher nicht mit solchen Künstlerpuppen beschäftigt. Erst mit dem Museum habe sie ihre Leidenschaft für die Puppen entdeckt.

"In so einem Puppenwagen bin ich auch einmal gelegen." Oft höre er solche Aussagen, wenn er Besucher durch das Museum führe, erzählt Peter Lohrmann. Vor allem Landfrauen kämen gerne zum Museum. Die teilweise 140 Jahre alten Puppenstuben spiegeln die jeweilige Zeit wider. Interessanterweise werden in den Puppenstuben nur Wohn-, Ess- und Küchenräume dargestellt. Das Schlafzimmer war seinerzeit "Tabu", wie Peter Lohrmann schmunzelnd seinem Publikum erklärt. Die teils prächtig ausgestatteten Puppenstuben waren stets als Prestigeobjekte der Besitzer gedacht. Folglich wurden sie damals von keiner Kinderhand berührt.

Für Werbung fehlt das Geld

Von außen ist dem unscheinbar wirkenden Museum nicht anzusehen, welche Schätze es birgt. Unter den 550 Künstlerpuppen ist manches sehr wertvolle Exemplar zu finden. Nur ein Holzschild in Hettingen weist durchfahrende Autofahrer auf das Puppenmuseum hin. Für Werbung habe man leider kein Geld übrig, bedauert Peter Lohrmann. Werbebroschüren seien einfach zu teuer. Das Museum lebe von "Mund-zu-Mund-Propaganda."

Trotzdem kann das Museum existieren, die Lohrmanns planen sogar eine größere Erweiterung, die bereits im Gange ist. Im Fundus befinden sich noch zahlreiche Puppen. Für diese sind zwei weitere Räume vorgesehen. Zufrieden gingen die Besucher heim, solch eine Vielfalt an Puppen und Krämerläden hatte man nicht erwartet. }

Maria Schweikart aus Pfullendorf betrachtet interessiert die große Vielfalt der Puppenstuben. SZ- Foto: Klawitter}

Das Puppenmusuem Hettingen hat von April bis Dezember geöffnet, und zwar von Montag bis Freitag zwischen 10 und 16 Uhr. Sonn- und Feiertags ist von 14 bis 17 Uhr eine Besichtigung möglich. Auf Anfrage gibt es auch Sonderführungen für Gruppen. Informationen unter Telefon (07574) 93 39 0.

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