Regenerative Energie: Ulmer Stadtwerke verbessern Donaukraftwerke

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ÖPFINGEN/ERSINGEN (wh) - Nach einigen Wochen Zwangspause werden seit Dienstag die Arbeiten am Donauwehr in Öpfingen fortgesetzt. Die SWU plant noch mehr: Im Herbst beginnt der Umbau der Wehranlage Ersingen. Dann wird - vorerst für ein Jahr - der Fluss um 30 Zentimeter höher gestaut. Die Stadtwerke Ulm hoffen, bis 2004 die Genehmigung für eine Anhebung des Öpfinger Seewasserspiegels um einen Meter zu erhalten.

Die Betreiber von Flusskraftwerken sind über üppigen Wasserzufluss meist erfreut, es sei denn, sie machen den Fluss zu Baustelle, wie die SWU in Öpfingen. Seit die Stadtwerke Ulm ihre klapprige Wehranlage in Öpfingen durch ein neues Wehr ersetzen, das direkt an die Donaubrücke angebaut wird, ist ihnen die Baustelle bereits dreimal "abgesoffen", wie Peter Schmidberger salopp formuliert: Der Kanal in Richtung Öpfinger Stausee schluckte das ankommende Wasser nicht.

Den Ulmer Kraftwerksbetreibern ist dabei die Zeit davongeschwommen: Statt vor den Sommerferien soll das Wehr jetzt im Herbst fertig sein. Zudem ist der Umbau jetzt statt 2,5 Millionen Mark volle vier Millionen teuer; auch deshalb, weil der Untergrund schlechter ist als angenommen und teure Pfahlgründungen notwendig waren. Von fünf Schütze-Feldern sind drei fertig.

Derzeit dominieren den Flussabschnitt optisch gelbe Kalksteinbrocken als Uferbefestigung und der Beton der Bohrpfahlwand. Später soll die Flachwasserzone bepflanzt werden. Auf den Kalksteinen werden sich Moose und Flechten ansiedeln. Schmidberger: "In fünf Jahren ist dort alles grün".

Flussabwärts war der talseitige Damm auf einer Länge von 1,8 Kilometern abzudichten. Um dort überhaupt mit schwerem Gerät arbeiten zu können, wurden der Damm und seine Krone von zwei auf 4,5 Meter verbreitert. Der Dammkern wurde dann in einer Breite von 40 Zentimetern unterirdisch zu einer Betonmauer umgegossen. Dazu wurde der kiesige Untergrund mit Spezialgerät an Baggern, einer einem großen Bohrer ähnlichen "Schnecke", bis in einer Tiefe von fünf bis sechs Metern aufgewühlt und gewendet und gleichzeitig aus Düsen mit einem Bentonit- und Zementbrei geschlämmt, sodass der Dammkern danach zu einer wasserundurchlässigen Mauer verpappte.

Nach Abschluss der Arbeiten sind auch hier nur die großen kalkgelben Flussbausteine seeseits und die fein eingeschotterte Dammkrone zu sehen. Schmidberger streicht den naturnahen Ausbau seiner Kunstbauwerke heraus und weist auf die grobe Steinschüttung am Stauseerand hin, die den Fischen als Deckung diene.

Donauabwärts liegt das SWU-Kraftwerk Donaustetten, das über ein Stauwehr bei Ersingen mit Donauwasser versorgt wird. Für dieses Kraftwerk war 1997 die Konzession ausgelaufen. Seit Ende März liegt die neue Konzession vor, die bis 2048 gilt. Die Erlaubnis ist mit Auflagen verbunden. Statt wie bisher nur 0,7 Kubikmeter Restwasser in das ursprüngliche Donaubett abzuleiten, sollen künftig pro Sekunde 2,6 Kubikmeter den Flusscharakter des alten Betts erhalten.

Damit dieses Wasser nicht ungenutzt abfließt, baut die SWU ihr Stauwehr um. Gebaut wird ab Herbst an einem sogenannten Restwasser-Kleinkraftwerk, dessen Technik unterirdisch in den Fluss gebaut wird. Weil das Wasser dort nur drei Meter statt den 7,5 Metern wie in Donaustetten auf die Turbine fällt, ist die Stromausbeute geringer, sie reicht aber doch zur Versorgung von 130 Haushalten mit regenerativ erzeugtem Strom.

Mit der neuen Konzession verbunden ist ein Höherstau des Wassers um 30 Zentimeter. Damit erhöht sich die Leistungsfähigkeit des Kraftwerkes Donaustetten um 300 000 Kilowattstunden pro Jahr, die zur Versorgung von 95 Durchschnittshaushalten reichen. Dieser Höherstau ist vorerst als einjähriger Probebetrieb genehmigt. - In diesem Jahr soll im Zuge eines Beweissicherungsverfahrens und mit Hilfe von 13 Grundwassermesspegeln nachgewiesen werden, dass der Höherstau die Felder und Wiesen der Ersinger Landwirte nicht beeinträchtigt.

Uneinigkeit herrscht bisher noch mit einem Sägewerksbetreiber am Ortsausgang Richtung Rißtissen, der selbst ein kleines Wasserkraftwerk betreibt, das angeblich durch den Donau-Höherstau einige Zentimeter an Fallhöhe verliert. Diesen Störpunkt würde die SWU gern mit einer Entschädigungszahlung aus der Welt schaffen. Kosten des Kleinkraftwerks bei Ersingen: 1,8 Millionen Mark.

Voraussichtlich 2003/04 will die SWU mit Baugerät zurück an den Öpfinger Stausee. Vorausgesetzt, die wasserrechtliche Genehmigung des Regierungspräsidiums liegt bis dahin vor, soll dann der Wasserspiegel des Öpfinger Stausees um bis zu einem Meter angehoben werden. Dazu ist ab der Kläranlage Öpfingen einen Erhöhung des oben beschriebenen Dammes notwendig. Bekanntlich ist der Öpfinger Stausee verschlammt. In der Vergangenheit hatte dazu das Abwasser der Schwäbischen Zellstoff (heute Sappi) maßgeblich beigetragen. Deshalb hatte in den Fünfzigern die Zellstofffabrik einen Großteil der Kosten einer Entschlammung des Sees finanziert. Damals wurde der Schlick in ausgebeutete Kiesabbauseen bei Donaurieden gepumpt. Vor einem Jahrzehnt war die Wiederholung dieser Aktion angedacht. Es wurde aber davon abgesehen, weil der Schlamm an seiner Lagerstätte im See die Umwelt am vergleichsweise geringsten belastet. Weil nun der "Weg in die Tiefe" versperrt ist, will man jetzt den See anheben, um so sein Fassungsvermögen zu erhöhen.

Weil die SWU ihre Wasserkraftwerke im sogenannten Schwallbetrieb betreibt, sprich: in Zeiten des Spitzenbedarfs kurzfristig mehr Wasser durch die Turbinen schießen lässt als oben zuläuft, ist das Speichervolumen des Stausees umso wichtiger.

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