Deutsche Verlags-Anstalt feiert 175-jähriges Jubiläum

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Goethe hatte noch ein knappes Jahr zu leben, da nahm die Deutsche Verlags-Anstalt (DVA) am 1. Juni 1831 ihren Anfang. Und auch wenn inzwischen die Hochzeit des klassischen Bildungsbürgertums längst vorbei ist, so spricht der Verlag mit seinem anspruchsvollen Programm nach wie vor besonders diese Zielgruppe an.

Das Ungewöhnliche des Verlages, der mit seinen 175 Jahren zu den Großvätern der Branche gehört, sieht der Presseleiter der DVA, Markus Desaga, in seiner Heterogenität: „Fast seit Beginn ist die Deutsche Verlags-Anstalt durch drei gleich starke Bereiche geprägt: Belletristik, Politik und Zeitgeschichte sowie Architektur und Gartenbau.“

Mit Hermann Fürst von Pückler-Muskau gehörte auch der führende Landschaftsarchitekt seiner Zeit zu den Autoren der ersten Stunde. Hallberger'sche Verlagshandlung hieß damals noch das von Louis Hallberger in Stuttgart gegründete Unternehmen. Sein Sohn Eduard startete im Revolutionsjahr 1848 mit einem eigenen Verlag, der sich in der Folgezeit vor allem mit Illustrierten wie „Über Land und Meer“ hervortat. Diese gehörte mehr als ein halbes Jahrhundert lang zu den erfolgreichsten deutschen Zeitschriften.

1881 wurden die beiden Verlage zu der Aktiengesellschaft „Deutschen Verlags-Anstalt“, und eine Erfolgsgeschichte nahm ihren Lauf: Zeitungen und weitere Zeitschriften wie die Berliner „Illustrirte Zeitung“ kamen hinzu, die Zahl der Buchtitel stieg beträchtlich, und repräsentative Bauten entstanden in Stuttgart. Um die Jahrhundertwende zählte das Unternehmen mehr als tausend Mitarbeiter.

Mit Gustav Kilpper als Verlagschef begann 1910 die zweite Blütenzeit: 1912 erschien das erfolgreichste Buch der ganzen DVA- Geschichte: „Die Biene Maja und ihre Abenteuer“ von Waldemar Bonsels. Kilpper zog auch neue Autoren an. War schon zuvor Richarda Huch im Boot, so kamen nun Ina Seidel und später auch Erich Kästner dazu, selbst Thomas Mann veröffentlichte 1923 seinen „Felix Krull“ bei der DVA. Belletristisch stand die DVA in dieser Zeit im Schatten des glanzvollen S. Fischer Verlags, im Bereich der politischen Biografien und Memoiren von bedeutenden Politikern wurde sie aber führend. Diese Tradition setzte sich nach dem Zweiten Weltkrieg fort: Von Konrad Adenauer bis Angela Merkel veröffentlichten hier einige Bundeskanzler Werke - daher wird die DVA auch als „Kanzler-Verlag“ bezeichnet.

Nach 1933 bewahrte Kilpper mit seiner liberalkonservativen Haltung den Verlag zunächst davor, zu einem Sprachrohr der Nationalsozialisten zu werden. Während des Krieges wurde die DVA dann aber schließlich in einen NSDAP-Verlag eingegliedert.

Nach 1945 begann für die DVA zügig der Wiederaufbau. Einen genialen Coup landete sie 1952 mit dem Gedichtband „Mohn und Gedächtnis“ des damals noch unbekannten Paul Celan. Überhaupt galt der Lyrik bei der DVA immer ein besonderes Augenmerk: Mit Sarah Kirsch und Ulla Hahn, die zuletzt mehr durch ihre Romane hervorgetreten ist, hat sie auch heute noch zwei bedeutende Dichterinnen im Programm.

Ein starkes Zugpferd besitzt die DVA seit den 1970er Jahren zudem mit Marcel Reich-Ranicki. Seine 1999 erschienene Autobiografie „Mein Leben“ erreichte bisher eine Gesamtauflage von 1,2 Millionen Exemplaren. Unter den Sachbuchautoren sorgten vor allem Peter Scholl- Latour („Tod im Reisfeld“), Frederic Vester („Denken, lernen, vergessen“) und zuletzt Ian Kershaw mit seiner zweibändigen Hitler- Biografie für Aufsehen.

1999 zog die DVA nach München und die Zeitschriftensparte wurde bald danach verkauft. Seit dem vergangenen Jahr gehört der Traditionsverlag zur Verlagsgruppe Random House. Die DVA wird auch in dem Großkonzern „ein edles Schmuckstück“ bleiben, meint zumindest Markus Desaga: „Wir werden unsere drei Hauptbereiche fortführen und das Niveau nicht absenken. In Zukunft wollen wir aber über das Bildungsbürgertum hinaus auch die urbanen Intellektuellen verstärkt ansprechen.“

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