Ein Ulmer Rechtsanwalt spielt die erste Geige

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ULM - Heute (20 Uhr) gastiert die noch junge Blutenburg Kammerphilharmonie München im Ulmer Kornhaus. Es ist ein Konzert zum Schumann-Jahr - der Hochromantiker starb vor 150 Jahren. Ansonsten spielt ein junger Ulmer als Konzertmeister die erste Geige: der 30-jährige Rechtsanwalt Stefan Schüz.

Als er die Oktave auf dem Fortepiano im elterlichen Wohnzimmer noch nicht greifen konnte, fragte Stefan Schüz seine Mutter bei einem Besuch im Musikhaus, wann er denn ein Instrument lernen solle. 1982 wurde der Bub unter die Fittiche von Sadao Nishiyama gegeben, Stimmführer der zweiten Geige bei den Ulmer Philharmonikern. Dann hieß es 13 Jahre lang: üben, üben, üben, täglich mindestens eine Stunde.

Schüz rückte zum Wehrdienst ein, wurde dem Stabsmusikkorps zugeteilt. Als Geiger saß er im Kammerorchester. Beim Großen Zapfenstreich freilich marschierten die Streicher als Trommler oder Pfeifer. Das Musizieren in Reih und Glied hat Stefan Schüz gelernt. Er war Mitglied des Humboldt-Orchesters schon als 15-Jähriger. Beim Orchesterverein Ulm/Neu-Ulm unter Kreso Pascuttini spielte er sieben Jahre die zweite Geige; immer eingedenk einer Erfahrung des britischen Komponisten Benjamin Britten: "Musik erzeugt erst dann freudige Erregung, wenn sie vorgetragen wird."

Nach dem Jurastudium an der Universität Passau und dem Referendariat vornehmlich in Bayern und in Italien, folgte die zweite juristische Staatsprüfung. Im vergangenen Jahr die Zulassung als Rechtsanwalt. Die Kanzlei befindet sich in der Ulmer Heimstraße, gleich beim Gericht um die Ecke.

Der Geiger hat Organisationstalent. 1997 bis 2004 war er Manager des Passauer Studentenorchesters, fünf Jahre lang auch Konzertmeister. Es muss vor vier Jahren gewesen sein, als er in München Jörg Bierhance kennen lernte. Nach dreijähriger Funkstille, im April vergangenen Jahres, fragte er in einer E-mail an: "Willst Du als Konzertmeister mittun?" Blutenburg war geboren.

Stefan Schüz wurde Orchestermanager der Blutenburg. Junge Profis aus ganz Süddeutschland stießen zum Orchester. Der Kader besteht nun aus 38 Aktiven in ständigem Wechsel. Für das morgige Konzert im Kornhaus ist ein Ensemble mit 54 Musikern zusammengestellt worden. Stefan Christof Schüz wird den Ton angeben und dem Orchester zulächeln: "Musik muss Spaß machen."

Aus der Dramatik der schwarzen Romantik der "Manfred"-Ouvertüre in es-Moll wird das Publikum dann erlöst von Tamas Füzesi, Konzertmeister des Philharmonischen Orchesters Ulm, als Gastsolist im Konzert für Violine und Orchester e-Moll von Felix-Mendelssohn-Bartholdy.

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