Jarvis Walker glänzt in der ersten Liga

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Die Ulmer Basketballer haben den Aufstieg in die Bundesliga geschafft. Zum zweiten Mal nach 1988. Heute ist (fast) nichts mehr, wie es damals war. Nur die Kuhberghalle ist geblieben und die Erinnerung an schöne Zeiten im Basketball-Oberhaus --aber natürlich auch an den Abstieg 2001 nach 13 Jahren Bundesliga.

Am heutigen Samstag steigt zumindest für ein Jahr das letzte Zweitliga-Basketballspiel in Ulm. Es geht hoch in die Eliteliga. Grund genug, ein wenig in den Geschichtsbüchern zu kramen und sich an die früheren Zeiten in der ersten Liga zu erinnern. An die Zeiten, als noch Spieler wie Keith Gray, Dennis Wucherer, Gunther Behnke, Michael Koch oder Henning Harnisch zu den Topakteuren im Oberhaus zählten. Oder Jarvis Walker, Mike Knörr, Calvin Oldham, Jens Kujawa, Adrian Autry, Tim Nees, Stephen Arigbabu, Bo Dukes oder Dreier-Spezialist Gary von Waaden, die allesamt für die Ulmer Truppe Körbe warfen.

Spiridon musste gehen

In die Bundesliga geführt hatte die Ulmer Mannschaft damals Marian Spiridon, heute Basketball-Rentner. Den Erfolg auskosten durfte er nicht. Als angestellter Basketballtrainer des Stadtverbands für Leibesübungen musste er sich um die Jugend kümmern. Das Profiteam übernahm Rainer Braun, der aber bald von Jim Kelly abgelöst wurde. Immerhin: Das Ulmer Team schaffte im ersten Jahr Rang zehn und damit den Klassenerhalt. Spieler in dieser Ära waren beispielsweise Tom Norwood, Thomas Andres, Klaudius Fragstein, Horst Wester oder Publikumsliebling Bernie Peat.

Es ist nicht zu beweisen, aber höchst wahrscheinlich: Würde der Ulmer Bundesliga-Aufsteiger von 1988 heute gegen den Bundesliga-Aufsteiger von 2006 antreten können, ohne dass die Spieler von damals auch nur einen Tag älter geworden wären, würde das 88er-Team deutlich verlieren. Nicht, dass die Jungs damals nicht gut Basketball gespielt hätten, aber heutzutage sind die Spieler viel athletischer, besser ausgebildet und auch medizinisch viel besser betreut.

Die größten Erfolge hatten die Ulmer Basketballer in den Jahren 1990 bis 1999. Unter der Führung von Trainer Brad Dean und Spielmacher Jarvis Walker, Ulms Bundesliga-Rekordspieler mit 407 Einsätzen, der im Übrigen in Deutschland für keinen anderen Verein spielte. Da gab es in der Bundesliga Spitzenplätze, den Gewinn des DBB-Pokals 1996 in Berlin (Trainer: Brad Dean), die deutsche Vizemeisterschaft 1998 (Trainer: Peter Krüsmann) und auf europäischer Ebene Teilnahmen an Korac- und Saportacup.

Brad Dean als Erfolgstrainer

Kein Zufall dabei, dass die Trainer, die mit dem Ulmer Team die größten Erfolge feierten, auch am längsten im Amt waren: Der Amerikaner Brad Dean von 1990 bis 1996 (239 Spiele) und der aus Hagen gekommene Lehrer Peter Krüsmann von 1997 bis 1999 (95 Spiele). Als Krüsmann seinen Trainerjob in Ulm aufgab, begann der Anfang vom Ende. Petar Juric (heute Frauentrainer in Freiburg) wurde als Coach verpflichtet und nach nur fünf Spielen wieder geschasst.

Es folgte Scott Fields (17 Spiele). Er war erfolglos und wurde durch Charles Brigham abgelöst. Unter ihm stieg Ulm sportlich in die zweite Liga ab. Da TuS Lichterfelde auf die Bundesliga verzichtete und Ulm die Lizenz "kaufte", konnten Jarvis Walker und Co ein weiteres Jahr oben spielen. Doch dann folgte wieder ein sportlicher Abstieg unter den Trainern Jarvis Walker und Tom Ludwig. Endgültig. Das Team war zu schwach, da konnten auch die Trainer nichts ausrichten. Es folgten fünf Jahre zweite Liga unter neuer Führung. Nun ist Ratiopharm Ulm wieder oben. Es folgt ein neues Kapitel Bundesliga-Geschichte. Wie lang wird es werden?

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