Eher provokant als dogmatisch - Lars von Trier wird 50

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Im eigenen Land hat sich Filmemacher Lars von Trier vor seinem 50. Geburtstag an diesem Sonntag eher politisch als mit neuen Werken in Erinnerung gebracht.

Den von ihm als nationalistisch empfundenen „Kulturkanon“ der Kopenhagener Regierung kommentierte von Trier, indem er im Fernsehen Dänemarks rotweiße Nationalflagge vor der Kamera zerschnibbelte und als rein rote Fahne zu den Klängen der Internationale wieder zusammennähte. Gegen die harte Ausländerpolitik im eigenen Land hat er ganzseitige Zeitungsanzeigen geschaltet.

Der am 30. April 1956 in Kopenhagen als Lars Holbæk Trier geborene Skandinavier hat sich seit seinem ersten Spiefilm „The Element of Crime“ als einer der ideen- und einflussreichsten Filmregisseure Europas etabliert. Mit immer neuen Stilwechseln vom wild-experimentellen „Europa“ (1991) über große, tragische Kinogeschichten wie „Breaking The Waves“ (1996), den in vielerlei Hinsicht nackten Purismus des „Dogma“-Films „Idioten“ (1998) bis hin zu dem von Brecht inspirierten „Dogville“ (2003) mit Nicole Kidman konnte von Trier immer wieder Kritiker wie Publikum überraschen und überzeugen.

2000 brachte ihm das mit „Dancer in The Dark“ und der Isländerin Björk (39) als Hauptdarstellerin eine Goldene Palme in Cannes ein. Von Trier, der sich seinen „Adelstitel“ einfach selbst gegeben hat, übernahm danach die Inszenierung des Bayreuther Ring des Nibelungen für dieses Jahr. Und gab die prestigeträchtige Aufgabe 2004 mit der Begründung zurück, dass sie seine Kräfte ganz eindeutig übersteige.

Nach begeisterten Kritiken und einem recht ordentlichen Publikumserfolg mit „Dogville“ wurde der Nachfolgefilm „Manderlay“ ohne den eigentlich eingeplanten Weltstar Nicole Kidman als zweiter Teil einer geplanten USA-Trilogie zum Kinoflop. Offen ist, ob Kidman ihre Ankündigung wahr macht, beim geplanten Abschluss der Trilogie in „Washington“ wieder dabei zu sein.

Vorerst werkelt der Däne mit einem erneut überraschenden Genrewechsel an einer klassischen dänischen Volkskomödie unter dem Titel „Direktor für das Ganze“. Bei der Entscheidung dafür könnten nicht zuletzt kommerzielle Überlegungen für die eigene Produktionsgesellschaft Zentropa ausschlaggebend gewesen sein. Ganz und gar nicht aktuell sind dabei die von Trier zusammen mit drei anderen Dänen entwickelten Regeln „Dogma 95“ für ein von technischem Firlefanz und Bild- wie Tonmanipulationen freien Kino. Lars von Trier liebt eben die Abwechslung und das klare Wort über sich selbst: „Ich bin nichts weiter als ein ganz einfacher Masturbator in Sachen Leinwand.“

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