Volksbank hat Talsohle durchschritten

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TUTTLINGEN - Die Sanierung der Volksbank Donau-Neckar läuft schleppend aber stetig. "Der Punkt ist erreicht, ab dem wir wieder aufbauen werden", sagte gestern Vorstandsvorsitzender Jürgen Findeklee bei der Bilanzpressekonferenz. Kredit- und Depotvolumen waren zwar rückläufig, dafür steigt der Gewinn wieder an.

Von unserem Redakteur Sven Kauffelt

"Vor dem schwierigen Hintergrund haben wir 2005 eine durchaus erfreuliche Entwicklung gemacht", sagte Hans-Joachim König, Vorsitzender des Aufsichtsrates. In den letzten Jahren war die Volksbank in eine Schieflage geraten und steht nach wie vor als Sanierungsbank unter Beobachtung der Sanierungsbehörde. Eine Unterdeckung von 33 Millionen Euro in 2003 konnte so zum Abschluss des Geschäftsjahres 2005 auf elf Millionen Euro reduziert werden.

Dabei sind die Kennzahlen der Geschäftstätigkeit durchweg rückläufig. Das betreute Anlagevolumen betrug mit 1,306 Milliarden Euro rund 10,5 Millionen weniger als 2004. Das Kreditvolumen umfasste 747,3 Millionen Euro nach 800,4 Millionen im Vorjahr. "Das ist auch ein Ausdruck von weniger Risiko", sagte König, "und es zeigt, dass unser Keller aufgeräumt ist." Dass auch die Depotwerte mit jetzt 270,7 Millionen Euro um rund 18 Millionen unter denen von 2004 lagen, begründet der Vorstand mit "Abgängen von Beratern in Schwenningen".

Vermögensberater tritt Dienst an

An dieser Stelle soll Klaus Engesser Abhilfe schaffen. Der bisherige Leiter der Dresdner Bank in Tuttlingen wird am 1. Juli neuer Vermögensberater der Volksbank in Schwenningen. Dort hatte die Volksbank insbesondere Geschäftseinbußen zu verzeichnen. "Das dokumentiert auch, dass wir sehr bemüht sind, in Schwenningen wieder das komplette Kompetenzspektrum abzudecken", sagte Vorstandsvorsitzender Jürgen Findeklee.

Dass trotzdem unterm Strich für 2005 mit 1,5 Millionen Euro ein höherer Gewinn steht als 2004 (1,1 Millionen) hängt vor allem mit Einsparungen beim Verwaltungsaufwand zusammen. "Allerdings haben wir kein Personal entlassen", sagte Findeklee. Nach wie vor seien bei der Volksbank in 26 Filialen 275 Angestellte beschäftigt. "Das wäre das falsche Signal, denn wir wollen schließlich wieder wachsen", so Findeklee.

Noch ist allerdings nicht entschieden, ob weitere Filialen dem Rotstift zum Opfer fallen. Bei der Vertreterversammlung am 22. Mai soll die Entscheidung fallen. Gestern wollten Aufsichtsrat und Vorstand nicht verraten, welche Filialen dafür in Frage kämen.

Die Konsolidierungsphase glauben die Banker nun weitgehend abgeschlossen zu haben. Nun wollen sie sich wieder darum kümmern, Marktanteile zu erschließen. Vor allem im Firmenkundenbereich sehen sie dabei Potenzial. "Wenn wir es geschickt machen, haben wir gute Chancen, bei den Firmen zweiter Partner zu sein", sagte Aufsichtsratschef Hans-Joachim König. Anders als früher scheut die Volksbank jetzt also nicht mehr davor zurück, neben der Sparkasse zweite Bank der Firmen zu sein. "Das ist ein Teil des Lernprozesses", sagte Vorstand Winfried Baumann.

Für 2006 sehen Vorstand und Aufsichtsrat eine positive Tendenz. "Der Jahresauftakt war super", sagte Findeklee", "vor allem durch die Baufinanzierung und das Wertpapiergeschäft." Auch bei den Privatkunden habe es bereits "deutliche Zuwächse" gegeben. "Jetzt wollen wir wachsen und zwar in allen Geschäftsfeldern", kündigte Hans-Joachim König an.

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