Fürstin: "Für mich lebt er einfach weiter"

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KREIS RAVENSBURG - Seit über sieben Jahren ist Fürstin Elisabeth Witwe. Vieles in ihrem Leben hat sich seither verändert. Ebenfalls sieben Jahre lebte sie davor an der Seite des Fürsten Max Willibald zu Waldburg-Wolfegg und Waldsee. Für beide war es die zweite Ehe. Am 5. September 1998 starb der Wolfegger Schlossherr im Alter von 74 Jahren.

Von unserem Mitarbeiter Johann Melzner

Durch die beiden Terrassentüren geht der Blick gegen die tief stehende Sonne weit hinaus in eine stille Winterlandschaft. Von der Wand schaut mit mildem Lächeln der Fürst auf den Besucher herab - ein Porträt des renommierten oberschwäbischen Künstlers Manfred Scharpf. Es ist nicht das einzige Bildnis des Verstorbenen. In den repräsentativen, geschmackvoll eingerichteten Räumen des stattlichen Hauses im Bad Waldseer Teilort Gaisbeuren ist er allgegenwärtig. "Mein Fürst", nennt ihn die Witwe in liebevoller Ehrerbietung. Und in großer Dankbarkeit. "Ohne ihn wär' ich gar nichts", bekennt die salopp in Pulli und Jeans gekleidete Frau in dem sehr offenen Gespräch. Fürst Max Willibald ist so anwesend, als säße er mit am Tisch: "Für mich lebt er einfach weiter. Er wohnt halt jetzt nur woanders."

Dass den "sieben wunderschönen Jahren mit einem gütigen und humorvollen und sehr spirituellen Menschen" dennoch sieben schwere Jahre gefolgt sind, daran lässt die gebürtige Engländerin keinen Zweifel. Doch habe sie in diesen sieben schweren Jahren den Wert von Freundschaft und menschlicher Nähe schätzen gelernt. Aber auch den Wert der Stille, der Zurückgezogenheit. Dann hört sie am liebsten Musik, liest spirituelle und religiöse Literatur, Biographien.

Aber Fürstin Elisabeth hat sich nicht etwa in ein komfortables Schneckenhaus zurückgezogen. Als Vorsitzende der Stiftung "Jugend dritte Welt" trat sie vor sieben Jahren in die Fußstapfen ihres verstorbenen Mannes. Die Stiftung, die sich die Hilfe für Straßenkinder auf die Fahnen geschrieben hat und dabei eng mit den Salesianern Don Bosco zusammenarbeitet, verfolgt derzeit als konkretes Projekt den Bau einer Schule im indischen Süden. Geschäftsführer der Stiftung ist der frühere Wolfegger Bürgermeister Manfred Konnes, ein enger Freund der fürstlichen Familie. 2004 war die Mutter von fünf erwachsenen Kindern aus erster Ehe Mitveranstalterin der viel beachteten 1. Waldseer Kinderolympiade.

"Ich bin da, wenn ich gebraucht werde", umschreibt sie ihren Willen, kranken Menschen beizustehen, Menschen in Lebenskrisen zu helfen. "Wir müssen die Menschen glücklich machen" - diesen Leitspruch ihrer Namenspatronin, der heiligen Elisabeth, hat auch sie sich zu eigen gemacht. Sehr engen und freundschaftlichen Kontakt pflegt die in der Schweiz aufgewachsene und in ihrem Glauben durch ihre Jahre an Internat (in Bregenz) und Ordensschule (französische Schweiz) tief geprägte Tochter des ungarischen Diplomaten Dr. Georg von Merey zu den Franziskanerinnen im Kloster Reute. Dort veranstaltet sie immer wieder Gesprächskreise und Meditationen. "Dort gibt es wundervolle Menschen", schwärmt sie in gepflegtem Hochdeutsch. Aber auch ein ganz passables Schwäbisch und ein perfektes Schwyzerdütsch gehen der Fürstin im Bedarfsfall leicht über die Lippen.

In der Schweiz aufgewachsen

1948 im Sternbild Löwe in Hartfield in der englischen Grafschaft Sussex geboren, kam sie schon im Alter von drei Monaten in die Schweiz. Dort, in Bern, hatte der Vater bis 1944 an der ungarischen Botschaft gearbeitet. Das Mädchen, durch Geburt englische Staatsbürgerin, wuchs unter anderem in Davos und Luzern auf, wollte eigentlich Medizin studieren, brach dann eine Ausbildung zur Krankenschwester ab, arbeitete bei einer Bank, im Sekretariat einer Privatschule und - während der Vorbereitungen auf die Olympischen Spiele - als Städtebau-Hostess in München. Die 1972 geschlossene erste Ehe scheitert.

1987 große Trauer auf Schloss Wolfegg. Gräfin Ida, die Frau des Fürsten, erliegt einer schweren Krankheit. 1991 heiratet er zum zweiten Mal. Die Trauung findet nicht in Wolfegg statt, sondern in Stuttgart-Degerloch, dem damaligen Wohnort seiner fast 25 Jahre jüngeren Frau. Wann sich die beiden kennen gelernt haben, mag die Witwe nicht an einem bestimmten Datum festmachen. Über Jahre hinweg sei man sich halt immer wieder auf "gesellschaftlicher Ebene" begegnet. Sieben Jahre später, am 5. September 1998, stirbt der Fürst. "Wir waren bereit, diesen Weg zu akzeptieren; er starb sehr friedlich", erinnert sich die Witwe an die schweren Stunden des Abschieds. Und warum lebt Elisabeth nicht mehr auf Schloss Wolfegg sondern in der Idylle von Gaisbeuren? Die Antwort darauf ist knapp aber bestimmt: "Ich liebe meine Freiheit. Ich bin dankbar und zufrieden mit meiner jetzigen Situation."}

Fürstin Elisabeth hat sich nach dem Tod des Fürsten Max Willibald zu Waldburg-Wolfegg und Waldsee nicht im Schneckenhaus verkrochen. Als Vorsitzende der Stiftung "Jugend dritte Welt" trat sie vor sieben Jahren in die Fußstapfen ihres verstorbenen Mannes. Foto: Johann Melzner

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