Musikfreunde Markdorf feiern Mozart mit der ergänzten c-Moll-Messe

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FRIEDRICHSHAFEN - Zeitgleich mit der schweizerischen Erstaufführung im nahen St. Gallen haben die Musikfreunde Markdorf in Friedrichshafen an Mozarts 250. Geburtstag dessen unvollendete c-Moll-Messe in der vervollständigten Fassung von Robert D. Levin aufgeführt. Im voll besetzten Graf-Zeppelin-Haus wurde das große Ereignis begeistert gefeiert.

Von unserer Mitarbeiterin Christel Voith

Nach dem Besuch der europäischen Erstaufführung in Baden-Baden im März 2005 stand für die Musikfreunde Markdorf und Chordirektor Uli Vollmer fest: Sie würden zum Mozartjubiläum die große Messe c-Moll KV 427 ebenfalls in der ergänzten Fassung des amerikanischen Konzertpianisten und Musikwissenschaftlers Robert D. Levin aufführen. Für die gewaltige Aufgabe hat der Experte für historische Aufführungspraxis sich intensiv in Mozarts Schaffensprozess und seine Musiksprache vertieft.

Neueste Forschungserkenntnisse beim Vergleich der jeweils vier oder fünf übereinander liegenden Tintenfarben ließen Mozarts schichtweise Arbeitsweise erkennen, vom Beginn mit der Hauptstimme bis zum abschließenden Kolorit, so dass sich tatsächlich mit vorgefundenen Skizzen "improvisieren" ließ. Papieranalysen bestätigten, dass das Konvolut zum Opernfragment "L'Oca di Cairo" Skizzen zur Vervollständigung der Messe enthält. Das Fragment einer achtstimmigen Doppelfuge hat Levin für das "Crucifixus" benutzt, eine andere Fugenexposition zum "Dona nobis pacem" eingefügt. Auch aus dem "Davide penitente" hat er Material entnommen. Sind die Ergänzungen nun Mozartsche oder Levinsche Musik? Die Glaubenskämpfe sind noch im Gange. Lassen wir also die Musikexperten streiten und genießen wir die festliche Musik des gereiften Meisters und die "mozartische" Musik seines stilsicheren Ergänzers.

In intensiver Probenarbeit hat Uli Vollmer mit seinen Sängern und Musikern eine großartige Aufführung vorbereitet. Feierlich intoniert der mit dem Dornier BSG-Chor auf 80 Stimmen erweiterte Chor die gewaltigen Harmonien, ebenso präzise in den einzelnen Stimmen wie dynamisch auf die Klangabstufungen des Dirigenten eingehend. Gewaltig die Doppelchorwirkung im "Qui tollis", eindrucksvoll, wie das "Miserere" aus den verschiedenen Stimmen aufsteigt, sich fortpflanzt. Prägnant treten die Männerstimmen im "Quoniam" hervor, schön der Wechsel von Frauen- und Männerstimmen. Und welch schwingende Feierlichkeit entfaltet der Chor im "Sanctus", wie kraftvoll leuchtet er im "Benedictus". Hört man das jubelnde Finale im ergänzten "Dona nobis pacem" fällt die beschwingte Tonsprache auf, die das große Werk abrundet.

In der Kammerphilharmonie Bodensee-Oberschwaben hat Vollmer einen stilsicheren musikalischen Partner mit geschmeidigem Klang gefunden. Sicher und klangschön treten die Bläser in Dialog mit den Solisten, besonders zu genießen der Schalmeienklang der Flöte, der Oboe und des Fagotts im "Et incarnatus est".

Kultivierter Sopran

Gerade hier, in den idyllisch fließenden Koloraturen des originalen Kernstücks des Credos, blüht Annemarie Kiuntkes kultivierter, modulationsfähiger Sopran besonders auf, ergreifend in seiner innigen Interpretation. Ebenso glockenrein, wenngleich noch nicht ganz so ausgereift, singt die junge Sopranistin Imke Reinacher das "Laudamus te" und fügt sich im "Domine" harmonisch ins Duett der Soprane. Tenor Ulrich Köberle überzeugt weniger in den Koloraturen des "In spiritum sanctum", dafür umso mehr im kunstvollen Miteinander des Solistenquartetts beim "Benedictus", in dem endlich auch Hermann Lochers kraftvolle Bassstimme zum Einsatz kommt. }

Mozart über alles: Ein Ereignis war die Aufführung von Mozarts c-Moll-Messe im Graf-Zeppelin-Haus. Foto: Voith

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