Norbert Kruse forschte für

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Hochschule und Region

WEINGARTEN (wel) - Professor Dr. Norbert Kruse hat nicht nur im Elfenbeinturm geforscht und gelehrt, sondern sich als Sprachwissenschaftler und Kenner mittelalterlicher Handschriften in der Region und darüber hinaus einen Namen gemacht. Nach 32 Jahren geht der Germanistikprofessor an der PH nun in den Ruhestand.

Hat Kruse sich im Gedächtnis seiner Studenten in nicht weniger als 67 Semestern in der Hauptsache als engagierter Sprachdidaktiker und Grammatiker eingegraben, und das bevorzugt vermittels "Konvoluten", so ist sein Name in der Region untrennbar mit dem Heilig-Blut verbunden. Führten doch seine Reliquienforschungen im Tandem mit dem Historiker Prof. Hans-Ulrich Rudolf zu den vielbeachteten Ausstellungen 1994 beziehungsweise 2004 auf dem Martinsberg und im Schlössle, anlässlich 900-Jahre Heilig-Blut-Verehrung und der 1200-Jahrfeier der Auffindung der kostbaren Reliquie in Mantua. Eine fächerübergreifende Forschung, die der Partnerschaft mit der oberitalienischen Stadt erst den Boden bereitete.

Ferner gehört zu seinen außeruniversitären Aktivitäten der Vorsitz im Volkshochschulbeirat und die Mitarbeit bei der Zeitschrift "Oberland", womit er in vielfältiger Weise die Pädagogische Hochschule mit der Stadt und der Region vernetzt.

Das weite Feld seines Schaffens wurde am Mittwochabend bei der Verabschiedung im Festsaal der PH im Beisein seiner Familie, Freunde, Weggefährten und Kollegen gebührend gewürdigt. Doch zuvor referierte Kruse über seine in Fachkreisen als sensationell gehandelte Entdeckung eines althochdeutschen Textfragments im Isnyer Archiv. Es handelt sich um einen astronomischen Lehrtext Notker's des Deutschen über die kalendarische Berechnung von Ostern. Bei diesem Vortrag wurde noch einmal Kruses Begeisterung für Sprachgeschichte deutlich.

Nach der Begrüßung durch Dekan, Prof. Dr. Werner Knapp, ging Prorektor Dr. Harald Pfaff auf Kruses Vita ein. Geboren im schlesischen Neiße, wuchs Kruse in Krefeld auf. Studierte in Bonn Germanistik, katholische Theologie, Philosophie und Pädagogik. Und kam 1974, nach einem kurzen Gastspiel an der PH Schwäbisch Gmünd, auf den Martinsberg, wo er 7 Jahre lang Prorektor war. Prof. Dr. Klaus Berg, der Kruse in Weingarten berufliche Starthilfe leistete, ging in seiner Laudatio auf die Grundzüge seines Lehrens, "das Ferne und Fremdgewordene nahe zu bringen" ein. Hob des weiteren seinen sprachgeschichtlichen Spürsinn hervor, sei es bei alten Texten oder bei Flur- und Ortsnamen der Region.

Über den Horizont geblickt

Oberbürgermeister Gerd Gerber dankte Kruse für seinen wissenschaftlichen Beitrag zu Stadt- und Klostergeschichte und sein ehrenamtliches Engagement. Und der Rektor Professor Dr. Jakob Ossner würdigte Kruse als einen weit über seinen Horizont hinausblickenden Gelehrten mit einer "Neugierde auf das Wissen als solches". Für Auflockerung sorgte Kerstin Hillegeist's phonetische Abhandlung über "summ, summ, summ" und die fast schwäbische Grammatiklektion seiner Studenten.

Schließlich machte Jörg Turowsky am Flügel die Verabschiedung zum Fest. Um mit Norbert Kruse zu reden, "gäbe es noch viel zu sagen". Was der 63-jährige Hochschullehrer a. D. jetzt ja in aller Ruhe tun kann. }

Viel Applaus bekam der Pianist Jörg Turowsky bei der Verabschiedung von Prof. Dr. Norbert Kruse, links neben seiner Frau im Festsaal der PH. Links von Kruse: Dekan Werner Knapp, Rektor Jakob Ossner, Oberbürgermeister Gerd Gerber und Laudator Professor Klaus Berg. Foto: Margret Welsch

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