Pariser Petit Palais in neuem Licht

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Mehr als 72 Millionen Euro waren notwendig, um aus dem Pariser Petit Palais wieder eines der architektonischen Schmuckstücke von Paris zu machen. Das neobarocke, im Stil der Belle Époque errichtete Kunstmuseum wurde in fünf Jahren grundlegend renoviert.

Ab kommenden Samstag können die Cézannes, Courbets und Rodins wieder bewundert werden - in einem Haus, das nicht nur mit seinen reichen Deckenmalereien und seinem vergoldeten schmiedeeisernen Eingangstor in neuem Glanz erscheint, sondern auch um 7000 Quadratmetern vergrößert wurde. Seit 1902 beherbergt es die wertvollen Kunstsammlungen der Stadt Paris.

Der Petit Palais wurde im Jahr 1900 anlässlich der Weltausstellung gebaut. Zwischen der Seine und den Champs-Élysées entstanden zwei Ausstellungsgebäude, die heute als Grand Palais und Petit Palais international bekannt sind. Während der Grand Palais, der ebenfalls vor kurzem nach mehr als zehnjährigen Umbauarbeiten wieder eröffnet wurde, große Salons, Messen und Kulturereignisse unter seiner riesigen Kuppel veranstaltet, kann sich der Petit Palais rühmen, die Gemälde und Skulpturen auszustellen, die seit 1870 von Paris gekauft oder in Auftrag gegeben wurden.

Charles Girault, der Architekt des zwischen 1897 und 1900 errichteten Museums hat mit Licht nicht gespart. Überall sah er große Fensterflächen vor, die jedoch im Laufe der Jahrzehnte Holztrennwänden und Betonmauern weichen mussten. Man wollte die Meisterwerke vor dem einfallenden Licht schützen und so wurde der Petit Palais bald zu einem dunklen und engen Museum.

„Girault hatte seine Galerien gut konzipiert. Er hatte aus dem Gebäude eine außergewöhnliche Lichtmaschine gemacht“, sagt der Architekt Philippe Chaix. Da hinter den eingezogen und falschen Wänden die ursprüngliche Struktur völlig intakt war, konnte Chaix aus dem Petit Palais wieder das machen, was es einmal war - eine Hymne an das Licht.

Von allen Seiten strömt Licht in das halbrunde Gebäude. Die Fassaden bestehen fast nur aus Fenstern, die einen herrlichen Blick auf den Grand Palais, die Champs-Élysées oder den Invaliden-Dom frei geben. Vom Saal Ludwig VI. aus, in dem kostbare Keramiken und Möbel stehen, blickt man auf die Pariser Prachtstraße. Schlendert man durch die Säle der Kunst vom Beginn des 20. Jahrhunderts entdeckt man die vergoldete Brücke Alexandre III.

Neu sind auch die Ausstellungssäle im Untergeschoss, in denen sich unter anderem die unzähligen Porträts und Büsten des Malers und Bildhauers Jean-Baptiste Carpeaux befinden. Früher war hier ein Teil der Verwaltungsräume untergebracht, die in den ersten Stock verlegt wurden. Auf diese Art und Weise konnte das Museum von 15 000 auf 22 000 Quadratmeter erweitert werden.

Auch durch den Innenhof kommt Licht ins Haus: Denn die Fenster der Ausstellungsräume gehen fast alle auf den Patio hinaus. So kann der Besucher in der Abteilung „Courbet und der Realismus“ nicht nur das großformatige Courbet-Ölgemälde „Feuerwehrmänner eilen zu einem Brand“ bewundern, sondern gleichzeitig die Wasseranlagen und Palmen des neu renovierten Museums, das zurecht als „Lichtmaschine“ bezeichnet wird.

www.petitpalais.paris.fr

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