Bushido: «Staatsfeind Nr. 1»?

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Viele seiner Songs sind als jugendgefährdend auf dem Index gelandet, er selbst landete nach einer Verwicklung in eine Schlägerei in Linz in Untersuchungshaft, aus der er erst nach 15 Tagen gegen 100 000 Euro Kaution wieder entlassen wurde: Bushido - „Staatsfeind Nr. 1“?

Keine Frage, im neuen Deutsch-Rap geht es derb und vulgär zur Sache. Sexuelle Gewalt, Verherrlichung von Drogen, perverse Herabwürdigung von Frauen und offener Rassismus sollen provozieren. Mit seinen prolligen Hardcore-Texten über das hässliche Leben hat sich der Berliner Bushido ganz nach oben gerappt.

Wie viel Ernst, Spiel, Attitüde, Image oder Koketterie dabei ist, darüber wurde schon hitzig gestritten und ordentlich feuilletoniert. Dabei hat sich der 27-Jährige irgendwo zwischen Rap-Hoffnung und Totengräber des deutschen Raps positioniert - und sich unabhängig davon als großer und anstößiger Grenzverletzter bewiesen.

Auch auf seinem neuen Album „Staatsfeind Nr. 1“ gibt Bushido den aggressiven Getto-Rapper, der u.a. mit der Unterstützung von Eko Fresh und Saad in seinen albtraumhaften „Hymnen der Straße“ als „Stimme der Nation“ über Bomben, Busen und harte Brocken in einem Klima des Größenwahns und der Verachtung schwadroniert - und sich dabei immer noch erklären muss. In einem von „HipHop.de“ publizierten Interview stellt er aber klar: „Ich bin definitiv kein Nazi, kein Judenhasser, kein Schwulenhasser und kein Frauenfeind.“ „Ich bin ein guter Junge“, meint Bushido in „Untergrund“.

Aber Bushido ist nicht nur der abgebrühte Brachial-Rapper, der unverblümt tief in den Niederungen watet, denn auf „Staatsfeind Nr. 1“ zeigt er auch eine ganz andere - ungewohnt weiche - Seite. In dem Track „Engel“ rührt er gar zu Tränen: „Ich bin der Engel, der über die Kinder wacht/Der Engel, der immer da ist in der Nacht/Der Engel, der wenn du willst auf deiner Schulter sitzt/Gib mir die Hand und du siehst , dass du nicht schuld dran bist.“

Und „Ab 18“ ist durch einen süßer Mädchenchor („Jungs wir woll'n euch nackt sehn“) ganz niedlich und geradezu fast komisch geraten. Gibt es also einen soften Bushido, der übrigens am 11. November seine „Gegen Kaution auf Tour 2005“ startet, schon bald „ab 16“?

11.11. Berlin Franz 12.11. Hamburg Knust 13.11. Zwickau BPM Club 14.11. Köln Prime Club 15.11. München Backstage

www.kingbushido.de

www.urban.de/bushido

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