Sorge ums Detail: ZDF-Teamchef Gruschwitz will virtuelle Abseitslinie

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Beim Aufstellungspoker hält es Dieter Gruschwitz mit Jürgen Klinsmann. Seine Reporterriege für die Fußball-WM 2006 will der ZDF-Teamchef nicht zu früh benennen. Johannes B. Kerner gilt als Moderator gesetzt.

Thomas Wark, Bela Rethy und Wolf-Dieter Poschmann sind die Anwärter auf einen Platz am Mikrofon. „Es kann aber noch die eine oder andere personelle Überraschung geben“, sagt Gruschwitz. Wie alle anderen WM-Macher wartet er gespannt auf die Auslosung am 9. Dezember in Leipzig. Wenn die Gruppeneinteilung feststeht, kann der TV-Mann das Programm-Konzept und die Logistik im Detail aufbauen.

„Unser Konzept basiert auf den Erfahrungen des Confederations Cups“, berichtet Gruschwitz. „Kaiser“ Franz Beckenbauer ist weiterhin das Aushängeschild des Zweiten. Das neue Experten-Duo mit dem Mainzer Bundesliga-Trainer Jürgen Klopp und dem Schweizer Ex-Schiedsrichter Urs Meier soll neue Akzente setzen und einen Gegenpol zum Ersten bilden. In Sachen Technik und Produktion arbeiten ARD und ZDF wie bei anderen Top-Events eng zusammen. „Ich tausche mich regelmäßig mit meinem ARD-Pendant Heribert Faßbender aus“, sagt Gruschwitz. Kontakte zu den Kollegen von RTL oder Premiere, die ebenfalls WM-Spiele live übertragen, sind dagegen selten.

Der frühere Judoka gilt als innovationsfreudiger Teamspieler, der im Hintergrund die Fäden zieht. Seit dem 1. Februar 2005 leitet Gruschwitz die ZDF-Sportredaktion in Mainz, wo er das „Aktuelle Sportstudio“ mit der Rückkehr zum alten Namen und mit neuen Inhalten aufpeppen will. Erste Erfolge haben sich eingestellt. Zuletzt sahen nach dem Türkei-Länderspiel mehr als vier Millionen die Kultsendung live aus Istanbul. Als Teamchef bei WM-Turnieren und anderen Sport- Großereignissen ist Gruschwitz ein „alter Hase“. Bereits 1998 in Frankreich und 2002 in Japan/Südkorea führte der 51-Jährige die ZDF- Crew an.

Der Kampf um die Gunst des Fernsehpublikums wird im nächsten Jahr so hart wie nie. Neben dem Ringen um Exklusivität, neue Rubriken und prominente Gäste sitzen aber alle TV-Sender bei den Live-Bildern von den WM-Spielen in einem Boot. Das internationale Signal wird vom so genannten Hostbroadcaster HBS produziert. Das Tochterunternehmen des FIFA-Partners Infront hat alle Fernsehmacher für den 11. Dezember zu einem internationalen Treffen nach München eingeladen.

„Ein Punkt ist die virtuelle Abseitslinie bei strittigen Entscheidungen. Beim Confed-Cup fehlte im HBS-Signal dieser Service für die Zuschauer ebenso wie der Entfernungsmesser bei Freistößen. Das ist mittlerweile Standard. Dahinter sollten wir nicht zurückfallen“, sagt Gruschwitz. Details sind für ihn ebenso wichtig wie das große Ganze. Dazu zählt auch das 16:9-Format, in dem HBS das WM-Turnier produziert. „Wir wollen nicht nur die Spiele, sondern auch Beigeschichten in diesem Format zeigen. Deshalb muss unser Archivmaterial vom herkömmlichen 4:3-Format in 16:9 umgewandelt werden“, erläutert Gruschwitz ein spezielles Problem.

Mit der technischen Umwandlung soll im Januar 2006 begonnen werden, wenn auch die Gruppengegner der deutschen Mannschaft bekannt sind. Anfang Mai zieht die WM-Redaktion des ZDF in das Sony-Center nach Berlin um. Dann kehrt der gebürtige Rheinländer Gruschwitz in jene Stadt zurück, in der 1979 beim Sender Freies Berlin seine sportjournalistische Laufbahn begann. Bis dahin steht auch die endgültige Aufteilung von 56 WM-Spielen zwischen ARD, ZDF und RTL fest - Premiere zeigte alle 64 Begegnungen - und welche TV-Reporter das Eröffnungsspiel (ZDF) und das WM-Finale (ARD) kommentieren.

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