Zivilcourage ist seine Stärke

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"Winne" nannten ihn seine Freunde in der Schule, eine Kurzform für Winnetou, Karl Mays Apachenhäuptling: Heinz Brenner, der jetzt seinen 81. Geburtstag gefeiert hat, war der Kopf jener Ulmer Schülergruppe, die in der NS-Zeit der Widerstandsgruppe "Weiße Rose" nahe stand.

Die Dauerausstellung "Wir wollten das Andere" im Einstein-Haus portraitiert Heinz Brenner; dennoch ist sein Name eher weniger bekannt als der seiner Mitschüler Hans Hirzel, Heiner Guter und Franz Josef Müller. Vielleicht liegt das daran, dass Brenner im Gegensatz zu ihnen nie von der Gestapo geschnappt wurde.

Eine Kindheit in der Weimarer Republik: Als besonders faszinierend empfand er die Demonstrationszüge auf den Straßen, schreibt Heinz Brenner in seinen Lebenserinnerungen "Dagegen". Schon der erzwungene Eintritt ins Jungvolk war dem Elfjährigen unangenehm "Mir waren Gruppierungen völlig fremd und entsprachen nicht meinem Wesen", notierte er später. Im Herbst 1941 war Heinz Brenner über Pater Adolf Eisele, der antinationalsozialistisch eingestellt war, in Kontakt gekommen mit den gegen die NS-Euthanasie gerichteten Predigten des Münsteraner Bischofs Clemens August von Galen und mit einem Protestschreiben von Galens an die Reichskanzlei.

Brenner schrieb diese "heißen" Texte ab und vervielfältigte sie in Oberelchingen im Haus der Familie Konstantin Vidals mit einem Opalographen, einem Gerät aus einer Opalplatte, Holzwalzen und Wachsmatritzen. Eines dieser Flugblätter erreichte auch die Familie Scholl und brachte wohl Hans Scholl auf die Idee, ebenfalls Flugblätter zu schreiben. Heinz Brenner vervielfältigte und verteilte diese Flugblätter stets mit Freunden, aber immer mit verschiedenen, was wohl einer der Gründe war, warum er nie von der Gestapo geschnappt wurde. Verbotenerweise nahmen Brenner und sein Freund Walter Hetzel Kontakt zu Zwangsarbeitern auf, was ihnen tiefere Einblicke in die Vorgehensweise des NS-Regimes gab.

Immer wieder versuchte Brenner, Gruppen gegen die Nazis zu organisieren. "Dagegen sein, unter allen Umständen dagegen sein", schrieb er später. Diese Haltung gab ihm den Mut zur Zivilcourage. Heinz Brenner wurde zum Reichsarbeitsdienst eingezogen, später zur Wehrmacht, von der er im Oktober 1944 desertierte. Danach schlug sich der damals 20-Jährige bis zum Kriegsende durch. Nach 1945 engagierte er sich für Ulms Oberbürgermeister Robert Scholl, den Vater der hinngerichteten Hans und Sophie Scholl. 1947 wurde er in die Schweiz eingeladen, wo er studierte und arbeitete. Heute lebt zurückgezogen in der Schweiz.

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