Stadt gedenkt Ehrenbürger Schelle

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Am Sonntag jährt sich zum 75. Mal der Todestag von Christian Reinhold Schelle, Ehrenbürger der Stadt Biberach. Der Biberacher Kaufmann rettete das Wieland-Gartenhaus vor dem Abriss und gründete das Wieland-Museum. In dritter Generation engagiert sich die Familie Schelle noch immer für das Museum.

Im Jahre 1905 gründete Reinhold Schelle das Wieland-Museum als eine Gedenkstätte für Christoph Martin Wieland (1733-1813). Erinnerungsstücke, Bilder und Bücher vermitteln noch heute im historischen Gartenhaus die heitere Welt des Dichters aus Oberschwaben.

Reinhold Schelle wurde am 31.12.1845 in Biberach geboren als Sohn von Sofie Augusta, geb. Blassneck, und Christian Raimund August Schelle, dessen Posamentenfabrik Schelle-Blassnek Mitte des 19. Jahrhunderts zu den bedeutenden sieben Fabrikbetrieben der Stadt gehörte.

Bereits um die Jahrhundertwende beschäftigte sich Reinhold Schelle neben seinen Firmengeschäften, die er 1910 an seinen Sohn Eugen Schelle übergab, mit der Geschichte Biberachs.

"Um den bedeutendsten Sohn der einstigen Reichsstadt, den Dichter Christoph Martin Wieland, in der Sammlung vertreten zu sehen", schreibt er rückblickend im Jahr 1918, "wendete ich mich am 3. August 1901 erstmals brieflich an den Ur-Enkel des Dichters: Herrn Doctor jur. Carl Peucer, damals Oberlandesgerichtsrath in Colmar im Elsaß."

Die freundliche Antwort bewog Reinhold Schelle, "am 17. November 1901 in der Ausschusssitzung des Kunst- und Altertums-Vereins eine besondere Ehrung für unseren großen Mitbürger, den Dichter Christoph Martin Wieland vorzuschlagen." Schelle war zu der Zeit bereits als Gründungsmitglied im erweiterten Ausschuss des Biberacher Kunst- und Altertums-Vereins (der heutigen Gesellschaft für Heimatpflege Biberach e.V.) und gehörte seit 1905 dem Vorstand an.

Wieland-Gartenhaus erworben

Reinhold Schelles Kontakte zum Ur-Enkel Wielands der bereits bei der Einweihung des ersten Wieland-Denkmals in Biberach 1881 weilte, und zu seiner Schwester, Elisabeth Hecht-Peucer, (beide im Jahr 1919 zu Ehrenbürgern der Stadt Biberach ernannt), sicherten ihm die nötige finanzielle Unterstützung, so dass er im März 1905 das Wieland-Gartenhaus mit Nebengebäude in der Saudengasse vor dem bevorstehenden Abriss erwerben und retten konnte.

Im Dezember wurde das Grundstück mit den beiden Häuschen dem Kunst- und Altertumsverein als Eigentümer ins Grundbuch eingetragen, und zwei Jahre später, am 3. September 1907, wurde das Wieland-Museum im Obergeschoss des Gartenhauses eröffnet.

Dass das Gartenhaus in der Saudengasse zur Heimat des Wieland-Museums werden sollte, war von Anfang an für Reinhold Schelle "unstreitig der richtige Ort". In diesem Gartenhaus hatte der Dichter während seiner Biberacher Jahre als Kanzleiverwalter die Sommermonaten der Jahre 1766 bis 1769 dichtend zugebracht.

Unermüdlich hat Reinhold Schelle in den folgenden Jahrzehnten für den weiteren Ausbau der Sammlungen sowie für das Wohl des Museums gewirkt. Die Stadt Biberach hat Reinhold Schelle, in Anerkennung seiner Bemühungen um das Wieland-Museum, die Ehrenbürgerschaft der Stadt am 22. Oktober 1920 verliehen.

Reinhold Schelle starb im hohen Alter von 84 Jahren am 4. September 1930. Die Stadt gedenkt ihres Ehrenbürgers und legt auf seinem Grab auf dem Alten Evangelischen Friedhof einen Kranz nieder.

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