Lindau verlor Sonderstatus

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LINDAU (sz) - Der 1. September ist für Kreis und Stadt Lindau ein denkwürdiger Tag: Heute vor 50 Jahren trat das Gesetz in Kraft, mit dem Lindau wieder in den Freistaat eingliedert wurde. Damit endete ein einzigartiger Sonderstatus, der Lindau den Charakter eines Bundeslandes ohne Parlament gegeben hatte.

Einen Festakt plant die Stadt fürs kommende Frühjahr. Denn dann gibt es ein Doppeljubiläum: Im März 1806 kam Lindau zum Königreich Bayern, und im März 1956 endete die Übergangsfrist, die für die Wiedervereinigung in den Freistaat Bayern gegolten hatte.

Das Gesetz dazu war am 1. September 1955 in Kraft getreten und beendete einen einzigartigen Sonderstatus, der als Kind der Nachkriegszeit entstanden war. Lindau war der einzige rechtsrheinische Abschnitt in Bayern, der von den Franzosen besetzt war. An der Spitze von "Französisch Bayern" stand der Kreispräsident: Zunächst Oskar Groll und nach dessen Tod im Jahr 1946 Anton Zwisler.

Dass er nicht nur den Spitznamen "Anton der Sanftmütige" trug, sondern auch "König Anton I. von Lindavien" hieß, hängt mit seiner großen Machtfülle zusammen. Der "Bayerische Landkreis Lindau", wie er offiziell hieß, hatte den Charakter eines Landes, ohne als solches anerkannt zu sein. Der Kreispräsident hatte weitaus mehr Kompetenzen als ein Landrat. Ausdrücklich war der Kreispräsident den Ministerpräsidenten der Länder der französischen Zone gleichgestellt. Er ließ aber viele staatliche Aufgaben zunächst von Württemberg-Hohenzollern und danach von Bayern wahrnehmen. Weil es im Kreis Lindau kein Parlament gab, stand Zwisler sowohl an der Spitze der Exekutive als auch der Legislative, was dem Prinzip der Gewaltenteilung widerspricht.

Dank der Sonderstellung kamen die Lindauer gut über die Notjahre der Nachkriegszeit. Lindau war autonom im Hinblick auf die Versorgung mit Nahrungsmitteln und entschied selbst über die Verteilung des in den 50er-Jahren hohen Steueraufkommens.

Nachdem es keine Rechtsgrundlage mehr für diesen Sonderstatus gab, beschloss der bayerische Landtag die Rückgliederung Lindaus nach Bayern. Es gab zwar Bedenken gegen dieses Verfahren, zumal die Lindauer nicht selbst in dieser Frage abstimmen durften. Aufzuhalten aber war die Wiedervereinigung nicht mehr.}

Eigentlich Badener: Der Lindauer Löwe, das Wahrzeichen der Stadt, ist badisches Eigentum. Die Stadtwerke Konstanz übernahmen im Mai 2003 die Bodensee-Schiffsbetriebe und damit auch den Lindauer Hafen. Archiv-Foto

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