Alter Baum ist nicht zu retten

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Die 1100 Jahre alte weithin sichtbare Steinlishoflinde, fast 20 Meter hoch, einer der ältesten Bäume in Süddeutschland, ist nicht mehr zu retten. Der Baum, in früheren Zeiten auch Hinrichtungsstätte, wird nun selbst "gerichtet", sprich in den nächsten Wochen gefällt.

Das teilte Manfred Miller vom Landratsamt Lindau mit. "Den von der Steinlishoflinde zwischenzeitlich ausgehenden Gefahren muss baldmöglichst durch einen massiven Rückschnitt des Baumes entgegengewirkt werden", schreibt er in einer Presseerklärung. "Wir werden jedoch versuchen, ein drei bis vier Meter hohes Relikt zu erhalten, welches die ursprüngliche Bedeutung dieses ältesten Baumes im Landkreis Lindau noch erkennen lässt", versichert er. Ob das möglich sein wird, lasse sich erst während des Rückschnitts in einigen Wochen endgültig feststellen.

Bei einer Untersuchung des Baumes - "Brustumfang" elf Meter - vor genau zehn Jahren sei festgestellt worden, dass der Baum "stark vitalitätsgemindert" war und nur noch einen geringen Zuwachs aufwies. Die damalige Prognose: "Der Abgang des Baumes ist nicht aufzuhalten." Dennoch wurde versucht, den Baum, der rund 400 Generationen überlebt hat, zu retten. So wurde beispielsweise die Krone entlastet und durch Seile stabilisiert. Trotzdem kann die weiter vermorschende "Rohrwandung" des Hauptstammes das Eigengewicht der Krone nicht mehr tragen. Die Rinde, der äußere Schutz, platzt ab, so dass sich Pilze einnisten können.

Hohlräume werden größer

Der tote Holzkörper in mehreren Teilstämmen deute "das statische Versagen des Hauptstammes" unübersehbar an. Die Hohlräume werden ständig größer. Durch Druck verursachte Rissbildungen im Holzkörper, ins morsche Holz einschneidende Seile und herunterbrechende Kronenteile "lassen eine weitere Erhaltung des Baumes insbesondere unter Berücksichtigung der Verkehrssicherungsanforderungen nicht zu", stellt der behördliche Naturschützer Miller fest.

Bei Erhaltungsmaßnahmen ist man mit dem Latein am Ende. Es fehlt ganz einfach an tragfähiger Holzsubstanz. "Die Stabilität hat sich in wenigen Monaten dramatisch verschlechtert", hat Miller beobachtet. Deswegen kann und will er "die Erhaltung des Baumes in der derzeitigen Größe nicht verantworten. Das Landratsamt holt schon die Angebote von Baumchirurgen ein.}

Das Bild täuscht: Die Linde auf der Ludwigshöhe zwischen Maierhöfen und

Isny stirbt. Der Sage nach soll dieser Baum zur Zeit Karls des Großen gepflanzt worden sein. Er wäre demnach über 1000 Jahre alt. Foto: Rau

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