Einsteins Spur führt auf den Friedhof

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BAD BUCHAU - Einstein und Buchau: Im Jahr des 50. Todestages von Albert Einstein, der am 18. April 1955 gestorben ist, wird Charlotte Mayenberger bei ihren Stadtführungen häufig gefragt, ob es Spuren des genialen Wissenschaftlers in Buchau gibt. Dann erzählt sie die Geschichte der Einsteins, die seit dem 17. Jahrhundert in der Stadt leben.

Von unserem Redakteur Achim Zepp

"Buchaus jüdische Geschichte ist etwas ganz Besonderes", sagt Charlotte Mayenberger, die seit bald 20 Jahren Stadtführungen macht. Und zu dieser besonderen Geschichte gehöre zwingend die Familie Einstein. Im Jahr 1665 kommt Baruch Moyses Ainstein "von wangen an dem undersee" nach Buchau - so dokumentiert es ein Ratsprotokoll der Freien Reichsstadt vom 16. März 1665. Baruch war der erste Jude, der nach dem Dreißigjährigen Krieg wieder in Buchau aufgenommen wurde. Für ein so genanntes Sitzgeld von zwölf Gulden durfte Baruch in der Judengasse leben, seine jüdischen Gesetze und seine Religion ausüben. Ihm wurde gestattet, mit Pferden zu handeln und Krämerwaren "durch Rufen" zu verkaufen.

Zwischen Baruch und Albert lebten sechs Generationen der Einsteins ununterbrochen in Buchau. An einem stattlichen Haus in der Hofgartenstraße - eine Straße in der im 19. Jahrhundert elf wohlhabende Juden wohnten - - deutet Charlotte Mayenberger auf ein bronzenes Schild, das seit 1979 behauptet: "In diesem Haus lebten bis Ende 1878 die Eltern des genialen Naturwissenschaftlers Albert Einstein." "Man sollte nicht alles glauben, was erzählt wird", sagt Charlotte Mayenberger, "das hier ist eine Legende. Alberts Eltern Hermann und Pauline sind nicht erst kurz vor Alberts Geburt am 14. März 1879 umgezogen. Jedenfalls gibt es keinen Beleg dafür."

99 Einsteins sind hier begraben

Belegt sind indes die Urgroßeltern Ruppert und Rebekka, eine geborene Obernauer aus Laupheim. Urgroßmutter Rebekka liegt auf dem jüdischen Friedhof in Buchau, ein Ort, an den es Charlotte Mayenberger seit ihrer Kindheit hinzieht. Sie hat darüber eine 320-seitige Dokumentation erstellt und unter anderem herausgefunden, dass von den Tausend Toten, die dort begraben sind, 99 zur Einstein-Sippe gehören. Einer davon, Siegbert nämlich, der von 1889 bis 1968 gelebt hatte, war der Vetter von Albert Einstein.

Dieser Siegbert Einstein, der eine Nichtjüdin geheiratet hatte, wurde im Februar 1945 nach Theresienstadt deportiert. Nach der Befreiung des Konzentrationslagers, erzählt Charlotte Mayenberger, kehrte er zu seiner Frau Else nach Buchau zurück und ist bei den ersten Kommunalwahlen nach dem Krieg zum stellvertretenden Bürgermeister Buchaus gewählt worden.

Siegbert Einstein war es auch, der 1950 jenes Grundstück inmitten der Stadt kaufte, auf dem die Buchauer Synagoge stand, ehe sie 1938 von den Nationalsozialisten zerstört wurde. Diese Grünfläche, in deren Mitte heute eine mächtige, von Siegbert 1951 gepflanzte Trauerweide steht, blieb wie ein kleiner Park für die Öffentlichkeit zugänglich. Heute gehört der friedvolle Fleck Jost Einstein, dem Leiter des Naturschutzzentrums Bad Buchau. Er ist der Enkel Siegbert Einsteins.

Wenn es eine Beziehung des großen Albert Einstein zu der kleinen Stadt Buchau gibt, sagt Charlotte Mayenberger, dann sei es sein schwäbischer Dialekt: "Wir wissen, Albert Einstein hat noch auf dem Sterbebett Schwäbisch gesprochen."

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