Protestmarsch durch die Stadt fordert zur Solidarität auf

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AALEN - Die "Aktion Mensch" hat am gestrigen Himmelfahrtstag an die notwendige Einbeziehung aller Menschen in das soziale Leben erinnert. Anlass war der Europäische Protesttag zur Gleichstellung Behinderter. Dafür wurde in der Stadtkirche und bei einem Umzug durch die Fußgängerzone demonstriert.

Von unserem Mitarbeiter Herbert Kullmann

Ganz in hoffnungsvolles Grün gewandet war die Stadtkirche. "Mitten drin, statt außen vor" und "Nichts über uns ohne uns" stand auf zahlreichen Plakaten und Transparenten. Über allen war die Frage zu lesen: "Wie reformiert man Solidarität, Verantwortung und Gerechtigkeit?" Bereits vor einem Jahr habe sich das Aktionsbündnis aus Samariterstift Neresheim, Lebenshilfe Kreisverein Aalen und Körperbehindertenverein Ostwürttemberg darüber Gedanken gemacht, wie auf die Situation behinderter Menschen aufmerksam gemacht werden könne, erläuterte der evangelische Stadtpfarrer Bernhard Richter. "Behinderte Menschen gehören zu uns. Wir wollen sie mit ihrem Können an unserem Leben teilhaben lassen", so Richter in seiner Predigt. Sie dürften nicht in Wohnheime und andere Einrichtungen abgeschoben werden, sondern müssten im Alltag mitten unter den Menschen sein, sich einbringen und auf die Solidarität Nichtbehinderter bauen können. "Wir wollen euch teilhaben lassen, auch wenn ihr immer wieder auf Grenzen stoßt."

Zugleich brauche die Gesellschaft die Mahnung der Behinderten, wenn es um Benachteiligung gehe. "Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig", zitierte Pfarrer Richter den Apostel Paulus und forderte Solidarität mit Behinderten als Zeichen christlichen Glaubens.

Matthias Meyer vom Neresheimer Samariter-Stift bezeichnete die Aktion als gute Möglichkeit, auf die Situation und die Probleme behinderter Menschen aufmerksam zu machen. "Ein mühevoller Weg", räumte er allerdings ein. Doch es lohne sich. In der Sorge um Behinderte lauere zugleich die Gefahr, dass diese in soziale Einrichtungen abgeschoben würden. Um dies zu verhindern, gelte es die dezentrale Unterbringung als Aufgabe der Gesellschaft anzuerkennen.

Wie das Miteinander gestaltet werden könnte, zeigte das Aktionsbündnis im gemeinsamen Gottesdienst, den Behinderte und Nichtbehinderte mit Trommel- (Leitung Klaus Stäbler), Gitarren- (Jörg Weber) und Theaterspiel (Ulrich Ostertag, Hartmut Kambach) gestalteten. Mit dem anschließenden Umzug durch die Stadt wollte das Aktionsbündnis nochmals auf sein Anliegen aufmerksam machen. }

Im Anschluss an einen Gottesdienst in der Stadtkirche zogen Behinderte und Nichtbehinderte gemeinsam durch die Innenstadt. Trommelnd machte das Aktionsbündnis auf die Probleme Behinderter aufmerksam. Foto: kul

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