Bittersüße Schokolade

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Ein sinnlicher Themenabend steht bei Arte an diesem Sonntag auf dem Programm. „Gaumenfreuden - Die Lust am Geschmack“ widmet sich der Wiederentdeckung vergessener und verschwundener Aromen. In einem Spielfilm und zwei Dokumentationen berichtet der Themenabend von Menschen, die sich der Uniformierung des Geschmacks mit Liebe und Engagement vehement widersetzen.

Zum Auftakt wird um 20:40 Uhr „Bittersüße Schokolade“ (1992) gezeigt, der vielfach preisgekrönte Spielfilm von Alfonso Arau nach einem Drehbuch von Laura Esquivel, die ihren eigenen Romas für den Film adaptierte. Im Mittelpunkt steht die junge Mexikanerin Tita. Sie ist verliebt, doch ihre Mutter hat festgelegt: Tita soll als jüngste Tochter der Mutter bis an deren Lebensende unverheiratet zur Seite stehen. So heiratet Titas Geliebter Pedro ihre Schwester Rosaura. Tita sublimiert ihre Leidenschaft und Liebe, aber auch ihren Zorn und Hass in fabelhafter Kochkunst. Als Köchin des Hauses besinnt sie sich auf die Geheimnisse der traditionellen mexikanischen Kochkunst, die sie mit all der Liebe und Leidenschaft zubereitet, die sie für Pedro empfindet. Und ihre Gerichte besitzen magische Kräfte, das spürt nicht nur Pedro.

Um 22.35 Uhr schließt sich als Erstausstrahlung der Dokumentarfilm „Geschmacksparadiese“ an. Darin stellt die Marion Schmidt zwei begeisterte Pflanzenköche und einen Botaniker vor. Marc Veyrat, der Pflanzen-Magier aus den Alpen, wurde mit seinen hocharomatischen Kreationen zu Frankreichs Küchenstar. Zuletzt haben die Tester des „Gault Millau“ ihn mit 20 von 20 Punkten ausgezeichnet. Eher ein Geheimtipp ist dagegen Jean-Marie Dumaine in Sinzig, einer kleinen Stadt bei Bonn. Die Lektüre seiner Speisekarte gleicht einem Spaziergang durch die heimische Botanik: Labkraut-Tempura, gefüllte Beinwellblätter, Ente mit Kamillenblüten, Löwenzahn-Tiramisu. Bei Streifzügen durch die Natur stöberte sein Terriermischling Max an der Ahr völlig überraschend Trüffel auf. Der Dritte im Bunde ist der Ethnobotaniker François Couplan, der Köchen wie Veyrat und Dumaine als „Wildpflanzenpapst“ gilt.

In ihrem Film „Der Kaiser der Paradeiser“ um 23.35 Uhr, der ebenfalls zum ersten Mal gezeigt wird, folgt Monika Kirschner dem Landwirt Erich Stekovics auf der detektivischen Suche nach der „perfekten“ Frucht und dem authentischen Geschmack. Der Burgenländer brach 1999 sein Theologiestudium ab, um den Gemüseanbaubetrieb seines Vaters weiterzuführen. Inzwischen wachsen jährlich über 3000 Sorten Tomaten, in Österreich Paradeiser genannt, auf seinen Feldern, genauso wie eine große Vielfalt von Paprika, Erdbeeren, Gurken und Knoblauch. Stekovics setzt seine Pflanzen unter freiem Himmel aus und überlässt sie dem Lauf der Natur, ohne Blick auf Ertrag und Aussehen der Früchte. Geerntet wird zum Zeitpunkt der Vollreife.

(Arte, 20.40 Uhr: Bittersüße Schokolade, Mexiko 1992, 115 Min., Regie: Alfonso Arau, mit Lumi Cavazos, Marco Leonardi)

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