Egon Hoegen: Die Stimme mit dem 7. Sinn bei Harald Schmidt

Lesedauer: 5 Min

Wenn die Umsicht im Straßenverkehr einen Namen hätte, sie würde Egon Hoegen heißen. Dies zumindest schrieb die „F.A.Z.“ einmal über den Mann, der seit fast 40 Jahren deutschen Autofahrern per Fernsehen ins Gewissen redet.

Immer schön anschnallen, nicht zu dicht auffahren, bei Gelb vom Gas gehen. Bis heute versieht der 74-Jährige die Verkehrs-Ratschläge in „Der 7. Sinn“ mit seiner Stimme, die mit ihrer nüchternen Klarheit zum Inbegriff der Seriosität wurde. Welch humorvoller Mann hinter den strengen Ermahnungen steckt, zeigt Hoegen neuerdings auch als Sprecher in der ARD-Sendung von Harald Schmidt.

Lyrik über schwule Schildkröten und satirische Einspielfilme vertont der gelernte Schauspieler jetzt ebenso hingebungsvoll wie bisher Hinweise zur Gurtpflicht oder Zungenbrecher-Namen ausländischer Korrespondenten im „Internationalen Frühschoppen“, den Hoegen 30 Jahre lang jeden Sonntag an- und abmoderierte. „Die Arbeit mit Harald Schmidt macht mir richtig Spaß. Ich bin an sich ein sehr lustiger Mensch“, sagt Hoegen und lacht. Das tut er oft, laut und ausdauernd.

Nur gab sein Beruf ihm kaum Gelegenheiten, das auch am Mikrofon zu tun. So ernst wie es für die ersten Rundfunksprecher nach dem Krieg geboten war, verlas er die Weltnachrichten live im Radio, vertonte Dokumentationen und moderierte Konzerte. Seine Markenzeichen: Die perfekte Betonung und eine minimale Fehlerquote.

Ein Journalist verpasste ihm vor Jahrzehnten sogar den Stempel: „Der Mann, der sich nie verspricht.“ Darüber war Hoegen dann doch ein wenig erstaunt: „Das hing mir sehr lange an“, sagt er. Hoegen bereitet sich trotz seiner immensen Erfahrung noch immer gewissenhaft auf jeden Text vor, den er spricht. Auf Grund der vielen Betonungs- und Pausenzeichen, die er dabei in die Texte malt, verglich schon so mancher Hoegens Manuskripte mit Schuberts Notenblättern.

Anders als seine überaus korrekte Sprechweise erwarten lassen könnte ist Hoegen ein sehr geselliger Mensch. Unentwegt mit einer Marlboro in der Hand kann er stundenlang fröhlich Anekdoten erzählen, dabei meist verträumt in die Ferne blickend. Gerne schildert er zum Beispiel, wie er nach dem Besuch der Schauspielschule in Bonn von Gustaf Gründgens höchst persönlich die Bühnenreife attestiert bekam. „Sie machen ihren Weg, mit ihrem Kopf und ihrer Stimme“, erinnert sich Hoegen an das Urteil von Gründgens.

Nach drei Spielzeiten am städtischen Theater in Münster, wo er meist Naturburschen mimte und seine Frau Dorka sowie seinen engen Freund, den Kinostar Gert Fröbe, kennen lernte, zog es ihn nach Köln. Dort endete die Bühnenkarriere nach kurzer Zeit abrupt, als ihn der damalige Nordwestdeutsche Rundfunk Mitte der 50er Jahre zunächst zum Hörspiel- und sehr bald zum Nachrichtensprecher machte.

Die Röhre, also die kraftvolle Stimme, diente Hoegen dabei als Türöffner in den Rundfunk. Als „ein Geschenk Gottes“ bezeichnet er sein wichtigstes Werkzeug, aber auch als „das Ergebnis harten Trainings“. Macht er seine obligatorischen Stimmübungen, dann füllt sich der Raum mit einer unsichtbaren Kraft und es vibriert im Bauch des Zuhörers. Sein Geheimnis: „Man muss hinter den Zähnen sprechen.“

Kommentare werden geladen