Jugend forsch: Deniz Yilmaz und die "Jung-Spatzen" fliegen hoch

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Die A-Junioren des SSV Ulm 1846 haben beim "SBC-Cup" beste Werbung in eigener Sache betrieben. Die "Jung-Spatzen" bewiesen mit ihrem vierten Platz und dem nur knapp verpassten Finale, dass auch der Nachwuchs in der Region Spitzenfußball zu bieten hat.

"Ist eure Nummer 11 noch zu haben? Auch euer 4er und 21er sind nicht schlecht." Peter Knäbel, Jugendkoordinator beim FC Basel, hatte offensichtlich Gefallen am Auftritt der "Jung-Spatzen" gefunden, ehe er deren Trainer Hermann Badstuber am Samstagabend mit seinen Erkenntnissen konfrontierte. Die Frage konnte Badstuber schnell beantworten: "Nein, Deniz Yilmaz ist nicht mehr zu haben. Er wechselt im Sommer zur A-Jugend des FC Bayern."

Der SSV Ulm 1846 machte beim Osterturnier von sich reden, und ganz besonders der türkische Jugendnationalspieler. Nicht nur wegen seiner blonden Irokesen-Strähne stach Yilmaz hervor, der 17-Jährige war mit seiner Spielweise auch Symbol für einen forschen Auftritt des Junioren-Bundesligisten aus der Donaustadt. "Ganz klar - wir wollen dieses Turnier gewinnen", sagte Deniz Yilmaz mit jener Zielstrebigkeit, die den Vollblut-Stürmer auch auf dem Spielfeld und in seinen Zukunftsplänen auszeichnet. "Er hat diesen Instinkt und unbändigen Willen, den Ball aus jeder Lage ins Tor zu schießen - so schnell wie möglich", sagt Trainer Hermann Badstuber über seinen Schützling, der "Profi werden und einmal bei einer Weltmeisterschaft spielen" möchte. Für welches Land, das weiß der in Illerkirchberg geborene und aufgewachsene Türke noch nicht. "Bis 21 kann ich ja noch überlegen, ob für Deutschland oder die Türkei." Zunächst hat er sich für die Türkei entschieden. "Aus dem Herzen heraus."

Stolz ist Deniz Yilmaz darauf, dass er bislang jedes seiner sportlichen Ziele erreicht hat. Dazu zählen auch das vorzeitige Aufrücken zu den A-Junioren, das der noch B-Jugendliche Yilmaz selbst gewollt hat ("Das bringt mich weiter"), und der Zwei-Jahres-Vertrag bei den A-Junioren des FC Bayern München. Dort wird er am 1. Juli ein vom Verein zur Verfügung gestelltes Appartement beziehen und, nach dem Abschluss der Mittleren Reife in diesem Frühjahr, ganz auf die Karte Fußball setzen.

Badstuber lobt ganzes Team

Deniz Yilmaz hat zusammen mit dem ebenfalls im Spätherbst von der B- zur A-Jugend gestoßenen deutschen Junioren-Nationalspieler Stephano Celozzi großen Anteil am jüngsten Aufschwung der "Jung-Spatzen", die nach schlechtem Saisonstart inzwischen auf den drittletzten Platz in Reichweite zu den Nichtabstiegsplätzen geklettert sind. Doch Trainer Hermann Badstuber betont, dass diese Steigerung das Verdienst der ganzen Mannschaft ist. "Sie hat sich im Verlauf der Saison enorm entwickelt. Man darf nicht vergessen, dass nur noch zwei Spieler von der letztjährigen Bundesligamannschaft dabei waren und der Rest aus der A 2 und B 1 aufgerückt ist. Die mussten sich erstmal an die höhere Spielklasse gewöhnen", sagt Badstuber.

"Lokalmatador" Rafael Mayer aus Bühl zum Beispiel spielte vergangene Saison noch in der A 2, zuvor beim FV Biberach und FV Olympia Laupheim. "Er ist ein wichtiger Stabilisator in der Vierer-Abwehrkette", sagt Badstuber über den Verteidiger, für den die Teilnahme am "SBC-Cup" direkt vor der Haustür "schon etwas ganz Besonderes" ist. Kapitän der Mannschat ist der Blaubeurer Oliver Klingenstein. Er kam vor einem Jahr von der B-Jugend des VfB Stuttgart, wo ihm eine Verletzung die Chance auf den Sprung in die A-Jugend verbaute. Der Ulmer Bundesliga-Aufstieg war die Gelegenheit, weiterhin erstklassig zu spielen - und das im doppelten Sinne. "Oliver ist ebenfalls ein wichtiger Spieler in oder neuerdings auch vor der Abwehr."

Beide - Mayer und Klingenstein - haben wie alle anderen Mannschaftskollegen das Ziel, in den bezahlten Fußball aufzurücken. "Aber wir planen zweigleisig", sagt Klingenstein, der wie Mayer das Abitur macht, um für den Fall gewappnet zu sein, dass aus der Profikarriere nichts wird. Denn für viele wird schon der Sprung in die Ulmer Oberligamannschaft nicht klappen. Badstuber bescheinigt Spielern wie Klingenstein und Mayer aber zumindest "die Option, in den Oberligakader reinzurutschen, wenn sie in der Leistung weiterhin konstant bleiben", zumal Trainer Marcus Sorg auf "junge, ehrgeizige Spieler" setze, die "mit Hingabe Fußball spielen".

Und das tun die "Jung-Spatzen" allemal. Auch vom schlechten Start haben sie sich nicht beirren lassen, knieten sich im vier- bis fünfmal wöchentlichen Training rein, lernten in "Mental-Übungen", dass man mit entsprechenden Willen sogar Eisenstangen verbiegen kann. "Es stört mich nicht, dass man für solche Aktionen von manchen belächelt wird. Ich weiß, dass es etwas bewirken kann", sagt der anfangs leise in die Kritik geratene, inzwischen aber vor der Vertragsverlängerung stehende Badstuber.

Yilmaz als Unglücksschütze

Die Spieler - nicht nur Deniz Yilmaz - strotzen inzwischen fast vor Selbstbewusstsein. "Zurzeit läuft's gut, ich bin sicher, wir packen den Klassenerhalt", sagt Oliver Klingenstein. Badstuber hofft, dass der starke Auftritt beim Osterturnier das Selbstvertrauen zusätzlich gestärkt hat. Daran ändert auch die beiden unglücklichen Niederlagen im Elfmeterschießen nichts. Ausgerechnet Deniz Yilmaz vergab den entscheidenden Elfer im Halbfinale gegen Schalke. Er kann sich trösten: 1983 verpasste der FC Schalke 04 den Turniersieg wegen eines vergebenen Elfmeters. Aus dem Unglücksschützen wurde trotzdem ein Großer. Sein Name: Olaf Thon.

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