Verschenkmärkte schonen Geldbeutel und Umwelt

Lesedauer: 4 Min

Wohltäter von heute schenken per Internet. Immer mehr Websites bieten die Möglichkeit, Ausgemustertes, das zu schade für den Mülleimer ist, Menschen zu geben, die dafür noch Verwendung finden.

„Ein ausgesprochen schicker, kleiner, kompakter Staubsauger. Bloß, so einen hatte ich schon. Also, kaum gebraucht und funktioniert prima. Abzuholen in Oberursel“, schreibt eine Dame aus der Nähe von Frankfurt. Nicht ums Verkaufen, sondern um das Verschenken geht es unter www.de.freecycle.org, einer der größten so genannten Verschenkplattformen. Mehr als 60 solcher losen Zusammenschlüsse von Gebenden und Nehmenden gibt es bundesweit.

„Freecycle ist ideal für diejenigen, die sich den Aufwand des Verkaufs oder Entsorgens sparen wollen“, erklärt Thomas Pradel, Initiator des deutschen Ablegers und Moderator der Frankfurter Gruppe. Auf einem virtuellen schwarzen Brett wird Ausrangiertes zum Nulltarif feilgeboten - nahe genug, damit es persönlich abgeholt werden kann. Selten Ramsch, häufig sogar Wertvolles wie Kühlschränke oder Fernseher mit lediglich kleineren Mängeln sind darunter.

Gibt es mehrere Interessenten, entscheidet der Anbieter, wer den Zuschlag bekommt. Pradel selbst hat schon ein Bügelbrett abgestaubt. Als ein Sammler 1,5 Kilogramm Schokolade von Überraschungseiern spendieren wollte, kam er „leider“ zu spät. Selbst ein Auto habe bei freecycle schon den Besitzer gewechselt - nicht mehr fahrtüchtig, aber immerhin. Als ein älterer Herr allerdings sein „Herz verschenken“ wollte, legte Pradel sein Veto ein. Unzulässiges wird wie bei allen Verschenkmärkten gestrichen. Auch illegale und kommerzielle Angebote haben keine Chance.

„Verschenken macht Spaß“ lautet auch das Motto bei www.alles-und-umsonst.de. Hausrat, Elektronik oder Kindersachen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wechseln hier den Besitzer. Hinter der Seite stehen die beiden Berliner Uwe Friedrich und Stefan Zimmermann. Ihr Ziel sei es, „die Solidarität der Menschen untereinander zu fördern und dabei gleichzeitig einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten.“

„Wir leben in einer Überflussgesellschaft, wo manche viel zu viel haben und andere zu wenig“, sagt Vera Sühling von Medea Software in Bonn, die das Portal www.0teuro.de betreibt. Die Inserate sind nach Postleitzahlen geordnet, Interessenten antworten per Online-Formular. Noch dominiert dort offenbar der Wunsch, etwas geschenkt zu bekommen: Die Gesuche übersteigen die Angebote.

Auf der Seite www.abfallberatung.de verweisen Links zu rund 30 Online-Börsen, die von kommunalen Entsorgern angeboten werden. Der Fachdienst Abfall des Kreises Pinneberg (Schleswig-Holstein) hat einen der ersten virtuellen Verschenkmärkte ins Netz gestellt, 30 000 Menschen greifen monatlich auf die Website zu. Sprecher Marco Hoffmann hebt die zwischenmenschlichen Vorteile hervor. „Es ist vorgekommen, dass jemand Gehwegplatten an einen Nachbarn verschenkt hat, der drei Häuser weiter wohnt. Ohne die Gebrauchtbörse wären sie nicht zusammen gekommen.“

www.de.freecycle.org

www.alles-und-umsonst.de

www.abfallberatung.de

www.0teuro.de

Kommentare werden geladen