Die Nacht, in der A- und B-Babys geboren werden

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ELLWANGEN  --Morgen um 3 Uhr wird die Uhr um eine Stunde zurückgestellt. Die Sommerzeit geht mit einer Doppelstunde zu Ende: Die Zeit zwischen 2 und 3 Uhr wird zweimal gezählt. Das ist Routine, seit die Sommerzeit 1980 eingeführt wurde. Trotz 24-jähriger Übung gibt es ein paar Kuriositäten. Zum Beispiel A- und B-Babys.

Von unserem Redaktionsmitglied Verena Schiegl

Mit Geburten haben die Schwestern auf der Entbindungsstation der St. Anna-Klinik täglich zu tun. Doch was in der Geburtsurkunde eines Säuglings steht, der punkt 3 Uhr Sommerzeit oder, anders formuliert, punkt 2 Uhr Winterzeit das Licht der Welt erblickt, bringt auch sie ins Grübeln.

Was wäre wenn? Schwester Martina musste dieses Problem zum Glück noch nie lösen. Zwar gab es in der St. Anna-Klinik schon einige Geburten in der letzten Nacht der Sommerzeit, aber in den kritischen zwei Stunden, konnte sich bisher noch kein Baby entschließen, zum ersten Mal ins Licht der Welt zu blinzeln.

A steht für Sommerzeit

Falls es aber mal so käme, weiß Maria Paulik vom Standesamt in Ellwangen Rat. Dann gibt es A- und B-Babys. "Der Vermerk A steht für die Sommerzeit, die Winterzeit wird mit dem Buchstaben B gekennzeichnet", erklärt sie. Diese Angabe der doppelt erscheinenden Stunde am Ende der Sommerzeit, also A für die erste und B für die zweite Stunde, ist in der Sommerzeitverordnung festgelegt. Die gleiche Regelung gilt für Sterbefälle.

Doch was steht bei Kindern, die am Sonntag punkt 3 Uhr zur Welt kommen. 3 A oder 2 B?. "3 A", lüftet Paulik das Geheimnis. Ab 3.01 Uhr Sommerzeit wird aus 3.01 A ein 2.01 B.

Müssen die jungen Mütter bei der Verkündung der freudigen Botschaft noch überlegen, ob sie ein A oder B Kind zur Welt gebracht haben, bleibt die Zeitumstellung für die Autofahrer ohne Auswirkungen. "Die Ampeln sind nachts ohnehin ausgestellt und werden morgens wieder eingeschaltet", sagt der Leiter des Ordnungsamts Harry Irtenkauf. Dann laufen sie mit der gültige Winterzeit weiter -- ohne Chaos zur falschen Hauptverkehrszeit.

Eine Stunde länger arbeiten

Freuen sich die einen auf eine Stunde mehr Schlaf, müssen die anderen eine Stunde länger arbeiten. So etwa die Schwestern und Ärzte in der Virngrund-Klinik. Statt zehn Stunden müssen sie am Sonntag eine Stunde länger Dienst schieben. Gutgeschrieben bekommen sie diese nicht. Es gibt auch nicht mehr Gehalt. Die gleiche Mannschaft als Ausgleich bei der Umstellung auf die Sommerzeit einzuteilen und sie so für die Mehrarbeit zu entschädigen, sei, so der Pflegedirektor Berthold Vaas, organisatorisch nicht möglich.

Kirchturmuhren ticken richtig

Während sich die meisten am Sonntag nur um ihre privaten Uhren kümmern müssen, gibt es andere, die dafür sorgen, dass auch die öffentliche Uhren ab morgen richtig ticken. Zu ihnen gehört zum Beispiel der der Mesner der Ellwanger Basilika, Josef Abele.

Die Zeiten, in denen die Mesner jedoch in schwindelerregende Höhen klettern mussten, um die Kirchturmuhr umzustellen und aufzuziehen, sind aber längst vorbei. Kirchen wie die Basilika oder die Wolfgangskirche sind heute auf dem neuesten technischen Stand und mit Funkuhren ausgestattet. Nur in der Marienkirche muss Abele noch selbst Hand anlegen. Damit die Kirchturmuhr ab morgen um 3 Uhr die richtige Stunde schlägt, genügen ein paar Handgriffe, die Abele von der Sakristei aus tätigen kann.

Dorthin macht sich der gebürtige Aufhausener und Wahl-Ellenberger heute Abend um 19 Uhr auf den Weg. Das Umstellen von der Sommer- auf die Winterzeit und umgekehrt ist für den 48-Jährigen Routine . Der Vorgang ist eher unspektakulär. Abele entfernt das Holzgehäuse, hält das Uhrenpendel an und bringt es nach einer Stunde wieder zum Laufen.

Seelenruhig schlafen

Im Juweliergeschäft Hunke ist der Uhrmacher der einzige Leidtragende der Zeitumstellung. Wenn er am Montag den Laden betritt, warten an seinem Arbeitsplatz etwa 40 Armbanduhren und 20 Wanduhren darauf, richtig gestellt zu werden. "Die Uhren im Laden werden erst auf die Winterzeit umgestellt, wenn sie verkauft werden", erzählt der Besitzer Andreas Hunke. Zudem hat Hunke viele Uhren im Sortiment, die sich selbst einstellen. Auch die Außenuhr des Ladens ist funkgesteuert. "Insofern können wir alle seelenruhig schlafen."}

Der Mesner der Ellwanger Basilika, Josef Abele, muss schauen, dass die Uhren der Basilika ab Sonntag die richtige Zeit anzeigen. In schwindelerregende Höhen muss er sich dazu aber nicht bewegen. Eine Umstellung der Zentraluhr reicht. Foto: Schiegl

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