Schülerin von Corinth und Kollwitz: Sella Hasse neu entdeckt

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Sie war Schülerin von Lovis Corinth und Käthe Kollwitz, wurde bei der Berliner Secession 1902 als „erfreuliche Ausnahme“ begrüßt und geriet als Malerin dennoch weitgehend in Vergessenheit. Jetzt zeichnet sich für Sella Hasse (1878-1963) ein Comeback ab.

Mit einer ersten großen Gemälde-Ausstellung sorgte vor einigen Monaten das Stadtgeschichtliche Museum in Wismar für Aufsehen. Seit Freitag nun sind sieben ihrer Bilder in der Ausstellung „Femme Flaneur“ des August-Macke-Hauses in Bonn zu sehen. Vier davon sind Leihgaben aus Wismar.

Das Museum in Wismar bewahrt 78 Ölbilder und etwa 250 Aquarelle der Malerin auf, die 20 Jahre ihres Lebens in der Hansestadt an der Ostsee verbrachte. Ihr Mann Robert war an die dortige Ingenieur-Akademie berufen worden. Sella Hasse gab ihre Arbeit als Pressezeichnerin in Hamburg auf und zog mit.

Es sind impressionistische Gemälde von überraschender Leichtigkeit; Landschaften, Stillleben und eindrucksvolle Porträts - ein kleiner Schatz, den das Wismarer Museum besitzt. Zur Ausstellung wurde erstmals ein Bestandskatalog für die Ölbilder vorgelegt. Auch überregional wächst das Interesse.

In der Ausstellung „Femme Flaneur“, die bis zum 12. Dezember zu sehen ist, befindet sich Hasse in der Gesellschaft etwa von Gerta Overbeck und Elfriede Lohse-Wächtler. Die Wismarer Museumsdirektorin Beatrice Busjan schickte die „St. Pauli Mädchen“ und die „Chansonetten von St. Pauli“ aus dem Jahr 1906 sowie die Arbeiten „Bei den 28 Bildschönen im Conzerthaus Altona“ und „Nach einem Gedicht von Paul Zech“ nach Bonn.

Warum wurde Hasse als Malerin bislang so wenig beachtet? „In der DDR war Sella Hasse durchaus bekannt, allerdings für ihre Grafiken aus der Welt der Arbeit“, sagt Busjan. „Das mag auch daran liegen, dass Sella Hasse, die seit 1902 mit Käthe Kollwitz befreundet war, als Kollwitz-Schülerin etikettiert wurde und im Vergleich beider Künstlerinnen stets die Grafik betrachtet wurde.“

Für Busjan ist Sella Hasse auch als Zeitzeugin interessant. Sie erfuhr die Benachteiligung von Frauen an der Wende zum 20. Jahrhundert am eigenen Leib - was vielleicht ein Grund dafür war, sich später in der Frauenbewegung zu engagieren. Die Akademie der Künste war bis 1919 weiblichen Studenten verschlossen. So musste sich die junge Sella Hasse privat Zeichenlehrer suchen - zunächst Walter Leistikow und von 1901 an Lovis Corinth.

„Wie viele Bilder Sella Hasse insgesamt gemalt hat, weiß niemand“, sagt die Direktorin. Sie hofft, dass sich Besitzer auf Grund des Katalogs oder der Ausstellungen melden. Im übernächsten Jahr will das Wismarer Museum mit den Aquarellen einen weiteren bislang unbeachteten Teil des Werks von Sella Hasse vorstellen.

www.schabbellhaus.de

www.august-macke-haus.de

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