"Zehntscheuer" ziert als Sandsteinrelief das Rathaus

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Genau vor 36 Jahren wurde das Wahrzeichen von Schura, die Zehntscheuer, abgerissen. Zuvor war die Wand zur Hauptstraße hin einfach eingebrochen. Das Gebäude, das vermutlich aus dem Jahr 1739 stammt, stand nicht unter Denkmalschutz.

Der damalige Gemeinderat stimmte nur ungern dem Abriss zu, doch eine Sanierung des alten Gebäudes wäre finanziell für Schura nicht machbar gewesen. Der Wappenstein über dem großen Scheunentor mit der Jahreszahl 1739 sollte aber auf jeden Fall erhalten bleiben. Dieses steinerne Zeugnis wurde dann später an der Außenwand des Turmes der evangelischen Kirche angebracht.

Wappen mit lateinischer Schrift

Der Stein zeigt das Wappen des damaligen Bischofs Johann Franz Schenk von Stauffenberg und die nur noch teilweise leserliche lateinische Inschrift: S: CAM: AUL: PRI: CONST. Was soviel bedeutet wie: Signum camerae aulicae principalis Constantiensis, zu deutsch: Wappen der fürstlich konstanzischen Hofkammer.

Doch wie kam es überhaupt dazu, dass die Zehntscheuer zum Wahrzeichen von Schura wurde? Die Baar galt jahrhundertelang als eine Kornkammer des Südwestens, auch in Schura wurde aufgrund des sehr fruchtbaren Bodens viel Getreide angebaut und die Bauern mussten einen Teil des Ertrages abliefern, beispielsweise an diejenigen, in deren Eigentum der Hof oder ein Stück Ackerland stand. In Schura selbst hatte der Fürstbischof von Konstanz- viele solcher Naturalabgaben zu beanspruchen, den so genannten "Zehnten".

Deshalb ließ im Jahre 1739 die für den Einzug zuständige bischöfliche Finanzverwaltung, die Hofkammer, in Schura ein Gebäude zur Aufbewahrung des Getreides errichten. So wurde diese "Zehntscheuer" das Wahrzeichen von Schura.

Privatbesitz seit 1850

Bis ins 19. Jahrhundert hinein mussten die "Schuremer" ihren "Zehnten" abliefern, der in der Zehntscheuer gesammelt wurde. Seit 1850 war die Scheuer in Privatbesitz, wurde zuletzt als Einstellplatz für landwirtschaftliche Maschinen genutzt, während das Obergeschoss in der Nachkriegszeit wegen der damaligen Raumnot bis Anfang der 1960-er Jahre als Wohnung genutzt wurde. Über dem Eingang des Schuraer Rathaus wurde die Zehntscheuer als das-Wahrzeichen von Schura angebracht. Es ist als rotes Sandsteinrelief angebracht. Somit soll auch die nachkommende Generationen von Schura an dieses historische Gebäude erinnert werden. }

Die Zehntscheuer, das Wahrzeichen von Schura, wurde als Sandsteinrelief über dem Eingang des Schuraer Rathauses angebracht. Foto: Ingrid Kohler

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