Zehnkämpfer Hermann Lemperle

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Gestern wurden in Athen die Olympischen Sommerspiele eröffnet. "Zwei Wochen mitten unter den Olympioniken" weilt dort als Delegationsleiter der Mannschaft des Deutschen Tennis-Bunds dessen Sportwart, der Biberacher Rolf Schmid (die "Schwäbische Zeitung" berichtete). Dass schon vor mehr als einem Dreivierteljahrhundert ein anderer Biberacher sogar als Wettkämpfer bei Olympischen Spielen am Start war, daran erinnern sich nur noch die Älteren unter uns.

Hermann Lemperle, Jahrgang 1906, geboren und aufgewachsen im Haus Marktplatz 16, gehörte in den 1920er und 1930er-Jahren als Leichtathlet zur Spitzenklasse der deutschen Zehnkämpfer und wurde 1928 in die Mannschaft für die Spiele von Amsterdam berufen. Doch drei Fehlversuche beim Stabhochsprung brachten den Biberacher um alle Chancen und auf Rang 19 unter 38 Teilnehmern. Das olympische Pech blieb Hermann Lemperle treu: 1932, im Zenit seines sportlichen Könnens, musste er wegen einer Meniskusverletzung schweren Herzens auf die Nominierung für die Spiele in Los Angeles verzichten.

Am 1. August 1936 folgte Hermann Lemperles zweiter Auftritt bei Olympia: Als vorletzter Fackelläufer trug er bei den Spielen in Berlin das olympische Feuer zum Olympiastadion. Der olympische Fackellauf feierte 1936 Premiere - Fackeln hatten damals Hochkonjunktur - und sind aus dem Programm der Olympischen Spiele nicht mehr wegzudenken.

Aber nicht nur den Organisatoren des Fackellaufs von 1936, sondern auch einem der erfolgreichsten deutschen Bildhauer, nämlich Georg Kolbe, hatte es der athletisch gebaute Biberacher angetan. Jahrelang stand Hermann Lemperle dem Berliner Künstler Modell. Die Bronzeplastik "Der Zehnkämpfer", ein Ergebnis dieser Zusammenarbeit, ist seit fast 60 Jahren im Berliner Olympiastadion zu bewundern.

Die berufliche Karriere des, bis zum heutigen Tag einzigen Olympiakämpfers aus Biberach, kann sich ebenfalls sehen lassen: Zunächst Student an der Sporthochschule Köln, wechselte Hermann Lemperle 1932 an die Wilhelm-Humboldt-Universität Berlin, um Kunstgeschichte zu studieren. Nach seiner Promotion - Dissertation über "Oberschwäbische Barockklöster in ihrem Bezug zur Landschaft" - gehörte er bis Kriegsbeginn dem wissenschaftlichen Mitarbeiterstab dieser Hochschule an. Nach dem Krieg, den er als Oberleutnant der Gebirgsjäger an vielen Fronten mitgemacht hatte, fand er Anstellung am Württembergischen Landesmuseum in Stuttgart. Dort ist er 1983 verstorben.

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