Springreiter Beerbaum deutscher Fahnenträger

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Springreiter Ludger Beerbaum wird die deutsche Mannschaft bei der Eröffnungsfeier der XXVIII. Olympischen Spiele in Athen anführen, gab die Teamleitung bekannt.

„Ich freue mich riesig. Das ist absolut etwas ganz Besonderes“, reagierte der 40 Jahre alte Springreiter aus Riesenbeck auf die Nachricht von seiner Nominierung durch die Delegationsleitung in Athen. Der viermalige Goldmedaillengewinner reiht sich ein in die Liste von Athleten, denen diese große Ehre bereits zuteil wurde.

„Das sind Ludger Beerbaums fünfte Olympische Spiele und er hat bereits vier Mal Gold gewonnen. Er ist schon immer ein exzellenter Athlet gewesen“, begründete Klaus Steinbach, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) und Chef de Mission, das einstimmige Votum für den Routinier. Beerbaum hatte seine Anreise ursprünglich erst für den 17. August geplant, doch die einmalige Chance wollte er sich nicht entgehen lassen. „Ich wäre die letzten Kilometer auch zu Fuß gegangen. Das wird schließlich nicht jedem zu Teil“, meinte Beerbaum begeistert. Nach seinem Kurztrip kehrt er in die Heimat zurück.

Für den Reiter ist es die vorläufige Krönung seiner beispiellosen olympischen Karriere. Vier Starts, vier Goldmedaillen - bei den Spielen von 1988 bis 2000 immer eine. Der Einmarsch soll aber nur der Beginn einer erfolgreichen Olympiade sein. Denn wenn es gut läuft, kommt ein fünftes Goldstück hinzu. Oder sogar ein sechstes. Der seit Jahren erfolgreichste Springreiter der Welt gehört sowohl im Einzel als auch mit der Mannschaft zum engsten Favoritenkreis. „Es kann aber auch furchtbar in die Hose gehen“, warnte Beerbaum vor zu hohen Erwartungen.

„Beim Reiten gehört auch immer viel Glück dazu“, sagte Beerbaum. Er weiß, wovon er spricht. So erlebte er vor vier Jahren beim Mannschaftsspringen „einen meiner schwärzesten Tage“ und lieferte in beiden Umläufen das Streichergebnis. Die drei Kollegen sicherten ihm aber das Gold.

Die Stunden vor dem entscheidenden Anruf waren dem Westfalen wie eine Ewigkeit vorgekommen. „Die Anfrage und die möglichen Flugzeiten waren schon da, aber noch keine endgültige Zusage“, berichtete der achtmalige deutsche Meister erleichtert.

An dem Spektakel zur Eröffnung werden wie üblich nicht alle deutsche Sportler teilnehmen. Einige reisen erst später an, andere wollen eine Unterbrechung ihrer Wettkampfvorbereitung vermeiden. „Wir lassen das jedem einzelnen offen“, sagte der deutsche Team-Sprecher Peter Schmitt. Die Prozedur für die Sportler wird sich über acht Stunden hinziehen, da diese lange vor Beginn der Feier das Athletendorf verlassen müssen.

Vor vier Jahren in Sydney hatte Kanutin Birgit Fischer die Fahne getragen. Die inzwischen siebenmalige Olympiasiegerin zählt auch in diesem Jahr zu den großen Medaillenhoffnungen des deutschen Teams. „Sie ist in vielerlei Hinsicht ein Jahrhunderttalent und wird die deutsche Mannschaft stärken“, sagte Steinbach. Erster Fahnenträger des gesamtdeutschen Teams nach dem Mauerfall war 1992 in Barcelona der Ruderer Manfred Klein. 1996 in Atlanta ging der Fechter Arnd Schmitt im Olympiastadion vorneweg.

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