"Magier" Vlado Stenzel wird 70

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Die Bilder vom „König von Kopenhagen“ gingen um die Welt. Als Handball-Bundestrainer Vlado Stenzel mit der deutschen Nationalmannschaft am 5. Februar 1978 gegen die Sowjetunion sensationell Weltmeister wurde, ließ er sich eine goldene Papierkrone zum Zeichen des Triumphs aufsetzen.

Der Mythos vom „Magier“ Stenzel war geboren. Sechs Jahre nach dem Olympiasieg 1972 in München mit Jugoslawien war der kauzige Coach in Dänemark auf dem Höhepunkt seiner Karriere angekommen.

Am 23. Juli wird der inzwischen in Wiesbaden lebende Stenzel 70 Jahre alt. Aber der Mythos ist so jung geblieben, wie sich der Senior nach der Odyssee durch Europas Handball-Welten immer noch fühlt: „Mir geht es prächtig. Natürlich gibt es so kleine Alterserscheinungen, aber darüber redet man nicht.“

„Ich kenne keinen, der in allen Lebenslagen Handball so lebt wie Vlado“, sagte der Großwallstädter Kurt Klühspies über Stenzel, der mit seinen ungewöhnlichen Methoden die heutige Trainingslehre auf den Kopf stellen würde. „Er war eine Mischung aus Kompetenz, Diktatur, Fachkenntnis gewesen, und der vor allem ein Händchen für passende Charaktere gehabt hat.“

„Die Mannschaft hat damals einfach an ihn geglaubt, bis er die Bodenhaftung verlor“, erklärte Heinz Jacobsen den späteren Absturz des Mannes, den der damals verantwortliche Männerspielwart gegen den Widerstand im DHB verpflichtete. Wie kein anderer konnte Stenzel Kämpfernaturen wie Klühspies, Heiner Brand, Kapitän Horst Spengler, Erhard Wunderlich, den 1979 schwer verunglückten Jochen Deckarm oder Torwart-Legende Manfred Hofmann motivieren.

„Vlado hat dem Handball in Deutschland zum Durchbruch verholfen“, lobte der derzeitige Bundestrainer und 78er-Weltmeister Heiner Brand seinen ehemaligen Trainer, der 1982 nach dem 7. Platz bei der WM in Dortmund aber den Hut nehmen musste. Denn der „Magier“ unterlag auch den Verlockungen des Ruhms und setzte seinen Ruf mit öffentlichen Auftritten als Koch, Wurstproduzent und Extravaganzen bei seinen Engagements als Bundesliga-Trainer aufs Spiel.

Die Haare des zottelbärtigen Stenzels sind lichter geworden, aber die Strahlkraft seiner wachen Augen ist geblieben. Der Enthusiasmus für den Handball treibt Stenzel weiter an, der voller Pläne ist und immer noch mit Ideen und Anstößen die Sportart in seinem Sinne modernisieren will. „Mein Lieblingsverein Wallau- Massenheim spielt bei mir vor der Tür. Ich könnte im Jugendbereich noch was bewegen“, sagte Stenzel, bevor er auf den Weg zum Feiern auf seine Lieblingsinsel Hvar vor der kroatischen Adria-Küste aufbrach.

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