Wie die Klinik aus den roten Zahlen kam

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DIETENBRONN - Eine hoch verschuldete Klinik auf Vordermann zu bringen: Diese Aufgabe erwartete Friedrich Wiedemann, als er 1989 als Geschäftsführer der Fachklinik für Neurologie Dietenbronn antrat. Heute steht die Klinik gut da: ein Erweiterungsbau, moderne Medizintechnik, mehr Patienten. Ende Juni ist Wiedemann in den Ruhestand gegangen.

Von unserer Redakteurin Birgit van Laak

Friedrich Wiedemann ist nicht der Mensch, der sich ins gemachte Nest setzt. Sonst hätte er die Stelle an der Fachklinik für Neurologie Dietenbronn 1989 nicht angetreten. Denn was der Diplom-Kaufmann an Ausgangsbedingungen vorfand, war alles andere als der Traum eines Finanzfachmanns. Die Klinik des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes war hoch verschuldet und baulich veraltet.

Mit dem Landkreis, der Multiple-Sklerose-Selbsthilfe "Amsel" und den Sana Kliniken waren jedoch neue weitere Gesellschafter eingestiegen. Auf der Grundlage eines neuen baulichen und medizinischen Konzepts investierte das Land kräftig. Und so warteten auf den neuen Geschäftsführer, der zuvor an der Uniklinik Ulm tätig war, zwei große Aufgaben: den Neubau und die Sanierung des Altbaus zu überwachen und die Klinik so umzustrukturieren, dass sie wieder wirtschaftlich arbeitet.

"Es war eine Herausforderung, aber eine mit Zukunftsaussichten", sagt der 60-Jährige. Sechs Jahre dauerten die Neu- und Umbauarbeiten auf dem Klinikgelände. "Wir stockten die Betten von 73 auf 100 auf, weil sich die Klinik damit wirtschaftlicher betreiben ließ", berichtet Wiedemann. Statt der einst 1700 Patienten weist die Jahresstatistik heute rund 2100 Patienten auf. Die Hälfte aller Multiple-Sklerose-Kranken in Baden-Württemberg kommt nach Dietenbronn, das sich auf die Diagnose und Behandlung dieser Erkrankung spezialisiert hat. Aus dem Ländle, aber auch aus ganz Deutschland sowie dem Ausland reisen die Patienten an, um sich von den Dietenbronner Medizinern behandeln zu lassen.

Nicht nur baulich, auch technisch wurde die Klinik auf modernen Stand gebracht. 1993 erhielt sie erstmals einen Kernspintomographen, außerdem wurde in die Labors investiert, so dass auch Gehirnwasseruntersuchungen möglich wurden. Die Klinik verfügt damit über die beiden wichtigsten Diagnosemittel für MS.

Die Mitarbeiterzahl stieg von 130 auf rund 170. "Wir haben eine sehr gute Mannschaft, Fluktuation gibt es bei uns so gut wie nicht", erzählt Wiedemann. Die Klinik ist aus den roten Zahlen. "Wir machen keine großen Gewinne, aber am Jahresende steht eine schwarze Null", berichtet der scheidende Geschäftsführer.

Neben der Umstrukturierung hat ihn in den vergangenen 15 Jahren vor allem die Flut von neuen Gesetzen im Gesundheitswesen beschäftigt. Dabei hatte Wiedemann stets die Devise: lieber agieren als reagieren. Und so war die Fachklinik für Neurologie Dietenbronn die erste Klinik in Baden-Württemberg, die das Abrechnungssystem nach Fallpauschalen einführte. "Herausforderungen muss man annehmen", sagt Wiedemann.}

Friedrich Wiedemann an seinem Schreibtisch: Ende Juni ist der Geschäftsführer der Fachklinik Dietenbronn in den Ruhestand gegangen. Foto: bvl

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