Dr. Mabuse auf dem Dampfer

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Kein anderer Sigmarszeller Bürger hat den Namen der Gemeinde so nachhaltig in die Welt hinausgetragen wie Norbert Jacques. Er war Weltenbummler, Verfasser von Drehbüchern und der Erfinder des dämonischen Spielers Dr. Mabuse. Heute jährt sich der Tod des Schriftstellers zum 50. Mal.

Zwischen Norbert Jacques' Geburt am 6. Juni 1880 in Luxemburg als Spross einer wohlhabenden Familie und seinem Tod auf der Fahrt zu einem Weinfest am 15. Mai 1954 in der Nähe von Koblenz liegt ein bewegtes Leben. Annähernd die Hälfte davon verbrachte er auf dem nach einer seiner Töchter benannten, vor einigen Jahren jedoch abgebrochenen Adelinenhof im Sigmarszeller Ortsteil Thumen. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Sigmarszeller Friedhof, wo eine Gedenktafel an der Kirche St. Gallus noch heute an Jacques erinnert, der nach dem Krieg vorübergehend sogar als Bürgermeister der Gemeinde amtierte, eingesetzt von der französischen Besatzungsmacht. Auch eine Straße ist nach ihm benannt.

Nachdem der Pennäler das Gymnasium als "Heimsuchung der Hölle" empfunden hatte und zu der Überzeugung gelangt war, dass er und die Universität einander nichts zu sagen hätten, wandte sich Norbert Jacques dem Journalismus zu. Geplagt von Fernweh und Reisefieber ließ er sich von der Hamburg-Amerika-Linie anheuern, um auf einem Ozeanriesen die Bordzeitung unter seine Fittiche zu nehmen. Jetzt packte ihn die Globetrotter-Leidenschaft, die ihn nie ganz losließ.

Die ersten großen literarischen Meriten heimste Norbert Jacques 1917 für den utopischen Roman "Piraths Insel" mit seinen etwa 90 Auflagen ein. Diese Marke wurde nur noch von "Dr. Mabuse der Spieler" übertroffen, jener aufwühlenden Story, die ihrem Erfinder Weltruhm einbrachte. Ganz besonders, als der große Berliner Regisseur Fritz Lang den dämonischen Herrenmenschen und exakt kalkulierenden Großverbrecher Mabuse zu einem der berüchtigtsten Kino-Verbrecher werden ließ. Auf einer Dampferfahrt von Lindau nach Konstanz hatte sich Jacques bei einem an der Reling lehnenden Finsterling die Anregung für den Mabuse geholt.

"Mit Lust gelebt"

Neben unzähligen Zeitungs- und Zeitschriftenbeiträgen erschienen aus seiner Feder sieben Romane, drei exotische Reiseromane und Novellen. 1939 folgte der bedeutende Schiller-Roman "Leidenschaft" und 1950 die Autobiografie "Mit Lust gelebt". Der saarländische Professor Dr. Günter Scholdt, der über Jacques promoviert hat, hat eine Neuerscheinung der Autobiografie auf den Markt gebracht.

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