150 Jahre Familienbetrieb: Bayerischer Hof lädt zum Tag der offenen Tür

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Ein echtes Stück Lindau feiert 150. Geburtstag: Im Frühjahr 1854 ist das Hotel Bayerischer Hof in Betrieb genommen worden. Georg Wilhelm Spaeth hat damals zwischen Bahnhof und Seehafen ein Hotel errichtet, das bis heute eine der ersten Adressen ist - auch weit über die Bodenseeregion hinaus.

Zwar ist es vor allem die Hafeneinfahrt mit bayerischem Löwen und Leuchtturm, die den Touristen in Lindau den Fotoapparat zücken lässt. Doch was wäre der Lindauer Hafen zwischen Bahnhof und Römerschanze ohne das Ensemble Bayerischer Hof, Seegarten und Reutemann. Dabei ist der Bayerische Hof 1854 nicht zufällig entstanden. Georg Wilhelm Spaeth erkannte die Bedeutung der Bahnlinie nach Lindau und legte damals wahrscheinlich nicht nur den Grundstein für sein neues Hotel, sondern auch für den modernen Tourismus in der Inselstadt schlechthin. Als noch nicht feststand, ob der Bahnhof auf dem Festland oder auf der Insel etabliert würde, hatte er schon vorgesorgt und sich Optionen für Grundstücke an beiden möglichen Standorten zugelegt.

Schließlich fiel die Entscheidung für die Insel. Und ohne den Bahnhof auf der Insel gäbe es heute vielleicht nicht die Optik, wie man Lindau rund um die Welt kennt, mit der Hafeneinfahrt und dem Ensemble Bayerischer Hof. Und ohne den Bahnhof und den Bayerischen Hof gäbe es sicher auch nicht die Hafeneinfahrt mit Löwe und Leuchtturm, an denen erst zwei Jahre nach dem Bayerischen Hof das Richtfest gefeiert wurde.

Bis heute ist das Unternehmen Stolze-Spaeth im Familienbesitz. Zu den Spaeths trat 1922 Schwiegersohn Walter Stolze in der vierten Generation in die Geschäftsleitung ein. Im Jahr zuvor hatte seine Schwiegermutter Marie Spaeth das benachbarte Hotel Seegarten erworben. 1929 kaufte Walter Stolze das Hotel Reutemann dazu und kreierte das weithin bekannte Tanzlokal "Zum lieben Augustin".

Den Bayerischen Hof, so wie man ihn mit Seegarten und Reutemann heute kennt, prägte dann Dr. Richard Stolze, der ab 1951 das Geschick des Familienunternehmens bestimmte. Ab 1994 unterstützt von Sohn Dr. Robert Stolze - er leitet das Unternehmen seit 1998 -, hat der Bayerische Hof nicht nur seinen Platz als eines der führenden Häuser behauptet, sondern ist zum modernen "Vorzeigehotel" gewachsen.

Eigene Dusche statt Etagenbad

150 Jahre ist der Bayerische Hof nun alt, aber beileibe kein altes Hotel. Nach dem zweiten Weltkrieg, nachdem die französischen Besatzer das Haus freigegeben hatten und es im Winter 1955/56 wieder in eigener Regie übernommen wurde, hat sich sehr viel getan. Der Bau eines neuen Flügels mit dem "Kursaal" wurde angegangen, und alle Zimmer erhielten Bäder oder Duschen, als ein Etagenbad selbst in guten Häusern noch Usus war. Im Winter 1975/76 entstand an der Seepromenade, eingerahmt vom Hotelgarten, das geheizte Schwimmbad. Der neue Nordflügel wurde 1981 eingeweiht, und durch bauliche Erweiterungen wurden die drei Häuser - Bayerischer Hof, Seegarten und Reutemann - im Inneren miteinander verbunden.

1990 ging ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung: der Ausbau des vierten Stockwerks im Haupthaus. Nur ein Jahr später konnten - nach zähen Verhandlungen - die ersten Gäste ihre Autos in der Tiefgarage abstellen. Gäste des Bayerischen Hofs müssen ihren Wagen nicht auf der Straße parken. 91 Parkplätze im abgeschlossenen Innenhof, auf dem Parkdeck, in Einzelgaragen und in der Tiefgarage stehen zur Verfügung.

Wiederum nur ein Jahr später öffnete der voll klimatisierte Kongress-Saal mit 300 Plätzen. Die Kapazität für Tagungen umfasst inzwischen neun Räume mit einem Fassungsvermögen von zehn bis 300 Teilnehmern.

Doch der Bayerische Hof ist nicht nur ein Vorzeigeobjekt der Gastronomie, sondern für Lindau auch ein Wirtschaftsfaktor. 76 Dauerbeschäftigte stehen das ganze Jahr über auf der Gehaltsliste, während der Saison sind bis zu 120 Mitarbeiter beschäftigt. 161 Zimmer mit 306 Betten weisen die drei Häuser auf. Sie tragen mit rund 50  000 Übernachtungen pro Jahr nicht unwesentlich zur Lindauer Fremdenverkehrsbilanz bei.

Dabei ist der Bayerische Hof auch ein Faktor für Lindaus Infrastruktur. Ein Beispiel: Wenn jeder Gast zum Frühstück nur eine Semmel verzehrt, so sind das 50  000 Semmeln, die heimische Bäcker formen. Aber da gibt es natürlich noch vieles andere am Frühstücksbüfett aus heimischer Produktion. Hinzu kommt die Küche, die nicht nur von Hausgästen sondern auch von Einheimischen angenommen wird; ebenso wie die Bars und vieles mehr. Der moderne, heute unabdingbare Wellnessbereich eines Fünf-Sterne-Hotels bietet zwei Saunen, ein Dampfbad, Solarium, Caldarium, Fitness- und Massageräume.

Kein Problem hat die Stolze--Spaeth KG mit der heiß diskutierten Ausbildungsabgabe, der Zwangsabgabe für Betriebe, die nicht ausbilden. 24 Auszubildende - weit mehr als der Durchschnitt - erwerben derzeit am Seehafen Kenntnisse in den Bereichen der Gastronomie und Hotellerie. Unter den Azubis sind eine Reihe von Töchtern und Söhnen aus renommierten, einschlägigen Unternehmen. Denn wer ein Lehrzeugnis des Bayerischen Hofs vorweisen kann, hat bei späteren Bewerbungen, egal wo, immer einen Vorteil.}

Ein prägendes Gebäude zwischen Bahnhof und Seehafen: das Hotel Bayerischer Hof. LZ-Fotos: Flemming}

Die Herren des Hotels: Dr. Richard Stolze (l.) und sein Sohn Robert.}

Am Samstag, 17. April, von 12 bis 18 Uhr können sich Lindauer und Gäste der Inselstadt beim Tag der offenen Tür selbst ein Bild vom "Bayerischen Hof" machen.

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