Abschied in Schwarz

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Draußen weinte der Himmel, drinnen trugen etliche Gäste demonstrativ Schwarz: Die gestrige Abschiedsfeier anlässlich der Schließung des Laupheimer Amtsgerichts war eine durchaus traurige Angelegenheit.

Justitia sagt Lebewohl: Zum 1. April wird die Zweigstelle Laupheim aufgelöst und in das Amtsgericht Biberach eingegliedert. Die sechs Mitarbeiter ziehen um. So will es, gegen alle Widerstände vor Ort, die baden-württembergische Justizministerin Corinna Werwigk-Hertneck (FDP).

In der Stadt sei man gar nicht glücklich über den neuerlichen Verlust einer Behörde, betonte Bürgermeisterin Monika Sitter beim gestrigen Empfang im Schloss Kleinlaupheim. "Ich muss mich wirklich fragen, was hier gespart wird", meinte sie kopfschüttelnd. "Diese Auskunft konnte mir niemand geben." Während andernorts Geld für mehr Bürgernähe ausgegeben werde, schraube man sie in Laupheim zurück - "sehr ärgerlich!" Übel nimmt Sitter es zudem der Justizministerin, dass diese nicht zu einem Ortstermin zu bewegen war.

Die Stadt erleide ohne Zweifel einen Prestigeverlust, doch in ihrer weiteren Entwicklung sei sie auf "diese kleine Zweigstelle" beileibe nicht angewiesen, beschwichtigte Amtsgerichtsdirektor Dr. Ruppert Höhne. Er erinnerte an das Gesetz über die Neuordnung der Amtsgerichtsbezirke von 1974, das den Fortbestand der Laupheimer Gerichtsbarkeit bereits grundsätzlich verwehrt habe; nur vorübergehend sollte eine Zweigstelle noch möglich sein.

Landgerichtspräsident Dr. Franz Stein-le verwies auf Sparzwänge, die eine Eingliederung der Laupheimer Dependance nach Biberach nahe legten; die räumlichen und sachlichen Voraussetzungen seien gegeben. Nicht zuletzt mit Blick auf die knappen personellen Ressourcen wolle man künftig Synergieeffekte nutzen. Die zu Recht hohen Ansprüche an die Gerichtsbarkeit seien stets erfüllt worden, würdigte Steinle die von der Zweigstelle Laup-heim geleistete Arbeit. Bei einem kleinen historischen Exkurs schilderte er den Schmerz des Barons Karl von Welden, als dieser anno 1840 Schloss Kleinlaupheim an den württembergischen Staat verkaufen musste: "Éein Schluchzen erschütterte die Gemüter der Umstehenden".

Ganz so schlimm war es gestern nicht. Zum "Leichenschmaus" spendierte Justitia Fassbier und Bratwürste.}

"Ozopft is!" Standesbeamter Rainer Ganser stellte gestern bei der Abschiedsfeier im Schloss Kleinlaupheim sicher, dass die Gäste nicht auf dem Trockenen saßen. Foto: Ray

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