Ein Kuckuck erobert Salems Kinderherzen

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SALEM - "Kuckuck lustig": Ursprünglich stammt dieses Märchen aus der Feder von Astrid Lindgren. Georg A. Weth, Leiter der Deutschen Kammerschauspiele, hat daraus ein lustiges Kindertheaterstück gemacht, mit dem die fünfköpfige Theatergruppe ihr junges Publikum am Samstag im Prinz Max begeisterte. Die Akteure überzeugten mit viel Herzenswärme, Energie, Gesang und Tanz.

Von unserer Mitarbeiterin Katharina Raab

Der Saal im "Prinz Max" ist bis zum Bersten gefüllt. Einige Kinder sitzen sogar auf dem Boden vor der Bühne, um dem Geschehen möglichst nahe zu sein. Doch noch ist dort nichts zu sehen außer einer überdimensionalen Kuckucksuhr. Dann: Das Licht wird gedimmt, die Türen der Kuckucksuhr werden geöffnet und geben den Blick frei auf ein Kinderzimmer. "Paapaaa? Glaubst du, dass ich immer noch Fieber habe?", "Maamaaa, liest du mir ein Märchen vor?", "Wieviel Uhr ist es überhaupt, Papa?" Gunnar und Gunnilla liegen krank in ihren Betten und langweilen sich furchtbar. Sie nerven ihre Eltern so sehr, dass diese sich irgendwann dazu entschließen, ihnen eine echte Schwarzwälder Kuckucksuhr zu schenken. "Damit ihr uns nicht immer nach der Uhrzeit fragen müsst", so ihre Begründung. Und damit beginnt das Abenteuer.

Szenenwechsel: Die Riesen-Kuckucksuhr wird einmal um ihre Achse gedreht, und schon befindet man sich im Inneren, im Mechanismus der Uhr, dem Wohnort von "Kuckuck lustig". Der Kuckuck ist alles andere als mechanisch: "Ich bin schon viel in der Welt herumgekommen, bin von Stockholm bis nach Salem gereist." Er lenkt Gunnar und Gunnilla mit seinen Späßen und Geschichten von ihrer Krankheit und Langeweile ab.

"Gell, das sind erwachsene Leute auf der Bühne, die die Kinder spielen?", flüstert ein kleiner Zuschauer seiner Mutter zu. Ja, das sind sie wohl. Doch machen Matthias Burger und Claudia Dushold alias Gunnar und Gunnilla ihre Sache so gut, dass man sie durchaus für echte Kinder halten könnte. Es ist ein wahres Vergnügen, sie kichernd, und nur mit Nachthemd und Pyjama bekleidet, auf der Bühne umherhüpfen zu sehen. Die naiv- freudige Mimik, die tapsigen Bewegungen, die trotzige, kindliche Stimmfärbung - alles stimmt. Auch Michaela Egloff geht voll und ganz in der Rolle der Mutter auf, ist herzlich, liebe- und verständnisvoll, eine Mutter, die ihre Kinder morgens mit klarer Stimme aus dem Schlaf singt. Mario Verkerk als Vater ist zwar streng, aber trotzdem immer wieder zu Scherzen aufgelegt und bringt den Saal mit seiner Doktorparodie zum Lachen.

Doch allein Benita Brunnert, als "Kuckuck lustig" erobert die Herzen der kleinen Zuschauer im Sturm. Mit grazilen Bewegungen tänzelt "Kuckuck lustig" über die Bühne und singt dabei sein kleines Liedchen. Dann wiederum balanciert er auf einem imaginären, hauchdünnen Seil, schließlich war er ja mal "Seiltanzkuckuck" in einem Zirkus. Die Kinder sind begeistert, fiebern mit und helfen dem Kuckuck, wo sie nur können. Das Happy-end ist natürlich vorprogrammiert. "Das Leben dreht sich gleich der Uhr. Warum? Das weiß der Kuckuck nur", singen die fünf Schauspieler am Ende und verabschieden sich von ihren kleinen Fans persönlich.

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