Gefällig, freudig, flüssig, melodiös

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MARKDORF/SALEM - Freudig-feierliche Klänge am Samstagabend in der katholischen Kirche in Neufrach: Der Chor der Musikfreunde Markdorf, die Chor- und Instrumentalmusik der Dornier BSG und die Markdorfer Sinfonietta haben eine glänzende Aufführung des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach geboten. Die für die erkrankte Sängerin Dorothea Randecker kurzfristig eingesprungene Sopranistin Astrid Bernius hat ihren Solopart bestens gemeistert.

Von unserem Mitarbeiter Hartmut Rieble

Ein schönes, aber solides Können erforderndes Werk: das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach, das im Jahr 1734 uraufgeführt wurde. Ein Oratorium ist auf geistlichem - aber nicht liturgischem - Gebiet das Gegenstück zur Oper: Wie dort gibt es im Oratorium die gleichen musikalischen Formen: Rezitativ, Arie und Choral. Auch die Besetzung ist mit Solisten, Orchester und Chor gleich. Der Unterschied liegt darin, dass eine mehr epische (nicht dramatische) Anlage des religiösen oder weltlichen Textes vorliegt und die Chorpartien vorherrschen.

Zur Aufführung kamen die Kantaten eins, drei, fünf und sechs des umfangreichen sechsteiligen Werks. Mit den Gesangssolisten hat sich der musikalische Leiter Uli Vollmer hochkarätige Sängerinnen und Sänger auf die Bühne geholt: Für die erkrankte Sopranistin Dorothea Randecker wurde nur wenige Stunden vor Beginn Astrid Bernius verpflichtet, die in Stuttgart als Stimmbildnerin tätig ist und noch nicht lange am Bodensee wohnt.

Ebenso sind Altistin Marga Schiml, Tenor Holger Marks wie auch Bariton und Bassist Marco Vassalli Musiker von hohem Rang. Bekannt aus dem "Aglaia-Trio" sind Konzertmeisterin Anne Erdmann, Violine, und Katharina Buschhaus, Cello. Den dankbaren Continuopart übernahm Karl Bernhard Meyer am Cembalo.

Den Chor und die Streicher- und Bläserensembles zu einer großen, rundum gut intonierenden Einheit zusammenzuführen ist Uli Vollmer bestens gelungen: Ein ausgeglichenes, differenziertes und dichtes Klangbild, dazu die sonoren, kirchenraumfüllenden Stimmen der Solisten - ein eindrucksvolles Musikereignis für die vielen Mitwirkenden und die zahlreichen Zuhörer.

Gefällig, freudig, flüssig und melodiös kam das Oratorium zumeist daher, nicht ohne auch sehr feierlich-ernste Töne anzuschlagen. Erzählt wird die Weihnachtsgeschichte: die Geburt Christi, die Furcht der Hirten vor den Engeln, die Ankunft der Heiligen Drei Könige und die Verfolgung durch Herodes. Die Zuhörer zeigten sich sehr diszipliniert und lauschten mucksmäuschenstill.

Nach dem feierlichen Schlusschoral brauchte es einige Sekunden, bis das Publikum sich getraute, zu klatschen. Doch dann hörte der Beifall nicht so schnell wieder auf und kam spürbar von Herzen. Am frühen Sonntagabend wurde das Weihnachtsoratorium in der Markdorfer Sankt-Nikolauskirche nochmals aufgeführt.

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