55 Jahre gelebte Freundschaft

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 Brice Rabaste (mit Schreibstift) und Oberbürgermeister Gerhard Ecker (stehend links) erneuern mit ihren Unterschriften den Freu
Brice Rabaste (mit Schreibstift) und Oberbürgermeister Gerhard Ecker (stehend links) erneuern mit ihren Unterschriften den Freundschaftpakt und setzen ihn damit fort. (Foto: isa)
Isabel Kubeth de Placido

Lindau – 55 Jahre lang gibt es die Städtepartnerschaft zwischen Lindau und Chelles schon. Was mit dem Willen zur Versöhnung begonnen hat, hat sich längst zu einer Freundschaft entwickelt. In einem offiziellen Festakt haben Lindauer und Cheller diese über ein halbes Jahrhundert andauernde freundschaftliche Partnerschaft sowohl gefeiert als auch bekräftigt.

55 Jahre Lindau und Chelles, das sind 55 Jahre, in denen sich eine Städtepartnerschaft zu einer Städtefreundschaft entwickelt hat. Das wurde bei der festlichen und von verschiedenen Gruppen der Musikschule mit französischen Liedern und Chancons musikalisch begleiteten Jubiläumsfeier deutlich, zu der zahlreiche Gäste und Honoratioren ins Alte Rathaus gekommen waren.

In seiner Rede betonte Oberbürgermeister Gerhard Ecker, dass diese Freundschaft 55 Jahre währende Freundschaft eine „große Leistung“ sei. Schon allein deswegen, weil sie nicht aus „staatsmännischen Gesten und wohlfeilen Sonntagsreden“ bestehe. „Unsere Freundschaft wird von den Bürgerinnen und Bürgern beider Städte gelebt und tief empfunden.“ Was sich dadurch zeige, dass Lindauer wie Cheller Vereine, Schulen, Feuerwehren, Stadtverwaltungen als auch die Bürger diese Freundschaft pflegten. So, wie es keine Selbstverständlichkeit sei, dass die Ehe zwischen der Chellerin Martine und dem Lindauer Helmar Brandl 51 Jahre und damit bis heute gehalten habe, sei auch die 55 währende Freundschaft beider Städte keine Selbstverständlichkeit, gab Ecker zu bedenken. Möglich sei dies nur, „weil wir es geschafft haben, uns ohne Vorurteile, mit aufrichtiger Sympathie zu begegnen.“ Darüber hinaus nahm der Oberbürgermeister auch Bezug auf das neue Stadtmagazin, das den Frieden in den Mittelpunkt rückt, wie auch die Friedenstagung „Religions for Peace“, die im August mehr als 700 Teilnehmer nach Lindau bringen wird. „Wahrer Friede ist ohne Frieden mit den Nachbarn und ohne wirkliche Freundschaften nicht möglich“, war er überzeugt und sagte: „Deshalb wird die Beziehung zu Chelles stets unsere wichtigste Friedensbemühung bleiben.“ Für Ecker ein Zeichen, dass auch kleinere Städte „Dinge von großer Bedeutung bewirken können, wenn ihre Bürgerinnen und Bürger dies mittragen“. Ein Engagement, das auch die Jungen weiterführen, wie sich bei der Veranstaltung „Engel der Kulturen“ gezeigt habe. Jugendliche und Künstler hatten bei dem Friedensfest einen Teil einer Skulptur geschaffen, die in Jerusalem für Frieden werben wird. Eine Kopie des Lindauer Teils übergab Ecker seinem Cheller Kollegen Brice Rabaste als Geschenk.

Als Anerkennung für sein Engagement und seine Bemühungen zugunsten der Partnerschaft ehrte Ecker Brice Rabast sowie Jean-Paul Agletiner, Vorsitzender des Cheller Partnerschaftskomitees, in Abwesenheit, mit der Bürgermedaille.

Emotionaler Besuch

Brice Rabaste bedankte sich in seiner Rede noch einmal dafür, dass eine Lindauer Delegation extra zu den Feierlichkeiten zum 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges nach Chelles gekommen war. Ein Besuch, der die Cheller sehr gerührt habe. Das gemeinsame Gedächtnis aller Verstorbenen dieses Krieges wertete Rabaste als „Beweis der deutsch-französischen Freundschaft, die wir heute feiern.“ Auch er sah diese Freundschaft keineswegs als Selbstverständlichkeit an, sondern, angesichts der drei letzten Kriege zwischen beiden Nationen, zumindest zu Beginn, als eine „echte Herausforderung“. Eine Herausforderung, die die beiden Staaten dank Konrad Adenauer und Charles de Gaulles gemeistert hätten. Und die beiden Städte Lindau und Chelles, dank der damaligen Bürgermeister Josef Steuer und Guy Rabourdin, die 1964 den Freundschaftspackt unterzeichnet hatten. Umso mehr freute es Rabaste diesen nun mit seiner Unterschrift fortzusetzen. „Er soll noch viele Jahre weiterleben“, wünschte er sich und sah im alljährlich stattfindenden Jugendaustausch die nötige Basis dafür. Denn, so betonte Rabaste: „Das Ermöglichen dieser Verbindungen ist wesentlich, weil Freundschaft nicht verordnet werden kann.“ Seine Rede beendete er mit dem Ausruf: „Es lebe Lindau! Es lebe Chelles!“

Auch Jean-Paul Agletiners Rede, die Rabaste vortrug und in der der Erkrankte die Partnerschaft als eine „aus dem Herzen kommende Freundschaft“ bezeichnete, endete mit dem zwar abgewandelten, aber nicht weniger verbindenden Zitat J.F. Kennedys: „Nous sommes toutes Lindauer, wir sind alle Lindauer.“

Nach dem gemeinsamen Singen der französischen und der deutschen Nationalhymne sowie der Europahymne setzten beide Bürgermeister ihre Unterschrift unter die Erneuerungsurkunde. Zudem trugen sich Rabaste und die Mitglieder der Cheller Delegation in das goldene Buch der Stadt ein und übergaben den Lindauern eine in einem barocken Rahmen aus dem 18. Jahrhundert gefasste Luftbildfotografie der Cheller Stadtverwaltung.

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