400 Patenschaften in Sri Lanka vermittelt

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 Baubeginn des „Hauses Nethuli“ am 24. August.
Baubeginn des „Hauses Nethuli“ am 24. August. (Foto: Verein)
Schwäbische Zeitung

Salem (sz) - Der Hikkaduwa-Verein e.V., Salem, freut sich über die Vermittlung der „Patenschaft Nr. 400“ in Sri Lanka. Seit Jahresbeginn ist die Liste um 16 Patenkinder gewachsen, deren Schulausbildung mit den Spenden ihrer Paten nachhaltig gefördert wird.

Der Hikkaduwa-Verein vermittelt Patenschaften „von privat an privat“ an Einzelpersonen, Familien, Schulklassen, Unternehmen oder sonstige Institutionen, die für ein soziales Engagement offen sind. Alle Patenbeiträge werden laut Pressemitteilung des Vereins ohne Verwaltungs- oder sonstige Gebühren zu 100 Prozent an die Kinder in Sri Lanka transferiert. Die Vereinsmitglieder sind ehrenamtlich tätig und das vereinseigene Konto vor Ort in Sri Lanka wird ebenfalls kostenfrei geführt. Viele Paten, so schreibt der Verein weiter, hätten sich durch rege Korrespondenz mit ihrem Patenkind oder auch durch Besuche vor Ort davon überzeugen können „, dass ihre Beiträge ausnahmslos bedürftigen Kindern zugutekommen und für eine überdurchschnittliche Schulausbildung genutzt werden“.

Viele Schulabgänger sind heute in Berufen tätig, die sie ohne fremde Hilfe nicht erreicht hätten, zum Beispiel Lehrer oder IT-Ingenieure. Fünf Patenkinder – inzwischen junge Erwachsene – haben nach der Schule im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes ein freiwilliges soziales Jahre in Deutschland absolviert und daran anschließend eine Ausbildung als Hotelfachkraft, Hotelkoch oder Heilerziehungspfleger durchlaufen – durchweg Berufe, die ihnen in ihrem Heimatland beste Chancen eröffnen.

Die Corona-Krise hat auch die Patenkinder und deren Familien in Sri Lanka voll im Griff, schreibt der Hikkaduwa-Verein weiter. Der Verein sei in ständigem Kontakt mit den Vertrauenspersonen und Vereinsmitgliedern vor Ort, um sich über die Situation in Sri Lanka auf dem Laufenden zu halten. Seit März gelte eine absolute Ausgangssperre, deren strikte Durchsetzung das Land bisher von hohen Infektionszahlen verschont habe. Wer allerdings wegen der Ausgangssperre nicht zur Arbeit gehen kann, verdient auch nichts. Sehr viele Sri Lanker seien Tagelöhner, sie verdienen seit Monaten kein Geld mehr und können sich deshalb nicht einmal mit Grundnahrungsmitteln versorgen.

Mehrere Paten haben deshalb „außer der Reihe“ Geldbeträge für die Familien ihrer Patenkinder bereitgestellt, damit zumindest die nötigsten Lebensmittel beschafft werden können. 50 Euro (das sind rund 10 000 Sri-Lanka-Rupien) reichen laut Pressemitteilung aus, um einer vier- bis fünfköpfigen Familie zwei Monate lang die Beschaffung von Grundnahrungsmitteln zu ermöglichen. Mit einigen „unverhofften“ Spenden von Freunden des Vereins konnte weiteren Familien mit Lebensmitteln geholfen werden. Der Hikkaduwa-Verein habe von vielen Kindern und deren Familien ein „Dankeschön“ erhalten.

Im Januar/Februar 2020, unmittelbar vor Ausbruch der Corona-Pandemie, war Horst Gerland, Vorsitzender des Hikkaduwa-Vereins, zu einem weiteren Routinebesuch in Sri Lanka. Auf Wunsch der Vertrauenspersonen vor Ort hat er nicht nur rund 130 Patenkinder in den Schulen getroffen, sondern 25 besonders bedürftige Familien zu Hause besucht, um deren Lebensumstände und Wohnsituationen kennen zu lernen. Mehrere Familien hat er in Wohnverhältnissen angetroffen, die selbst für die Gegebenheiten in Sri Lanka unzumutbar und schwer erträglich sind. Daraus ist nicht nur die 400. Patenschaft entstanden, sondern auch ein Katalog von Maßnahmen, um zumindest die Wohnungsnot der bedürftigsten Familien zu lindern.

Die Resonanz bei den Mitgliedern, Paten und Freunden des Hikkaduwa-Vereins war überwältigend und so nicht zu erwarten. Mit großzügigen Spenden konnten bisher die drei vordringlichen Projekte erfolgreich abgeschlossen oder in Angriff genommen werden. Die fünfköpfige Familie des Patenkindes Hirudini in Galle lebt in einem unfertigen Haus ohne Dach, ohne Türen und Fenster und ohne Mobiliar. Der Familienvater ist Angestellter im Hauptpostamt von Galle. In Sri Lanka gehört ein Arbeitsplatz bei der Post zu den am schlechtesten bezahlten Jobs. Mit dem sehr geringen Einkommen von 15 000 Rupees je Monat (circa 75 Euro) muss der Lebensunterhalt der fünfköpfigen Familie bestritten werden und die Familie habe keine Chance, mit eigenen Mitteln Verbesserungen am Haus oder der Einrichtung vorzunehmen, schreibt der Hikkaduwa-Vereins, Mit den Spenden von Mitgliedern und Freunden des Vereins wurde das Haus überdacht sowie innen und außen verputzt. Der Lehmfußboden wurde durch Beton ersetzt und es wurden Türen und Fenster eingebaut. Die Familie ist „happy“ und Hirudini und ihre Schwester haben ein „trockenes Zimmer“ für ihre Schulaufgaben.

Kaveesha lebt mit seinen Eltern und zwei jüngeren Brüdern in einer maroden Behausung mit undichtem Asbestdach in Negombo. Sie besteht aus zwei kleinen Schlafräumen aus Ziegelstein, von denen einer fensterlos ist. Wohnraum, Küche, Toilette und Dusche bestehen aus regendurchlässigen und einsturzgefährdeten Bretter- und Wellblechverschlägen oder weisen gar keine Wände auf. Der Familienvater ist „helper in a food shop“ mit sehr geringem und unregelmäßigem Verdienst und kann keine Eigenmittel aufbringen, um die Wohnverhältnisse zu verbessern. Da eine Sanierung der Behausung nicht sinnvoll war, haben die Paten den vollen Betrag für den Abriss und kompletten Neubau gespendet. Die Familie konnte im August in ihr neues Heim einziehen.

Nethuli lebt mit ihren Eltern, der Oma und zwei Geschwistern in einem kleinen alten Haus in Kalutara zur Miete. Das Haus ist teilweise baufällig. Der Vermieter will es sanieren und selbst nutzen, so dass die Familie ausziehen muss. Der Vater besitzt neben dem Haus seines Bruders ein kleines Grundstück, auf dem er sofort bauen könnte. Er ist Tuk-Tuk-Fahrer mit sehr geringem und unregelmäßigem Einkommen und kann deshalb finanziell kaum zu einem Neubau beitragen. Mit Spenden von Mitgliedern und Freunden des Vereins wurde im August mit einem Neubau begonnen. Um einen Bau-Stillstand zu vermeiden, wurde der derzeitige Fehlbetrag von 2000 Euro aus Vereinsrücklagen vorfinanziert. Der Verein bemüht sich weitere um Spenden, um die Finanzierungslücke zu schließen. Die beiden Brüder erbringen Eigenleistungen, um die Projektkosten so gering wie möglich zu halten.

Mit dem Einzug in ihr neues Heim beginnt für alle drei Familien eine „neue Zeit.“ Voraussetzung für die Durchführung der Projekte war die notarielle Eigentumsübertragung von Haus und Grundstück auf die Patenkinder und die notariell beglaubigte Erklärung, Haus und/oder Grundstück nicht ohne Zustimmung des Hikkaduwa-Vereins zu verkaufen. Die Dokumente liegen vor und bieten die Gewissheit, dass mit den Spenden kein Missbrauch getrieben wird, berichtet der Hikkaduwa-Vereins .

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