Schwäbische Zeitung

Gründungsdatum 1. Juli 1899 Anschrift Silbergasse 45 74889 Sinsheim Stadion Carl-Benz-Stadion (Mannheim) Vereinsfarben blau-weiß 1. Vorsitzender Peter Hofmann Cheftrainer Ralf Rangnick (seit 22. Juni 2006) Mitglieder 1 800 Größte Erfolge DFB-Pokal Viertelfinale 2004 Aufstieg in die 1. Bundesliga 2008 Internet www.tsg-hoffenheim.de

Nicht der FC Bayern, Werder Bremen oder der Hamburger SV waren die Mannschaft der Hinrunde, sondern ein Dorfverein mit 3000 Einwohnern: 1899 Hoffenheim. Der Aufsteiger schaffte es mit turbulentem Offensivfußball, Kritiker und Fans zu begeistern und viele Neider verstummen zu lassen. Noch nie spielte ein so kleiner Ort in der höchsten Klasse. „Hoffenheim gegen den FC Bayern - das wird sicher eine gewöhnungsbedürftige Partie“, sagte Bayerns Präsident Franz Beckenbauer zu Beginn der Saison. Das Hinspiel gewann Verfolger Bayern München zuhause gegen den Tabellenersten aus Sinsheim glücklich mit 2:1. Für den Ligaprimus aus München war das sicherlich „gewöhnungsbedürftig“.

Die inoffizielle Herbstmeisterschaft sicherte sich dennoch Neuling Hoffenheim. Mäzen Dietmar Hopp reagierte jedoch zurückhaltend: „Ein fünfter Platz am Ende der Saison wäre ein Erfolg.“ Eine Prämie für die Teilnahme am UEFA-Cup wurde deshalb bereits ausgehandelt - für die deutsche Meisterschaft nicht. Die Konkurrenz ist allerdings davon überzeugt, dass Hoffenheim in dieser Spielzeit Bayern-Rivale Nummer eins bleibt. Für die Qualität sprechen die Berufungen von Kapitän Marvin Compper und Tobias Weis in die Nationalmannschaft und der herausragende Torschütze Vedad Ibisevic, der mit 18 Toren in der Hinrunde mehr Erstliga-Treffer erzielte als Hoffenheim seit Bestehen Erstliga-Partien absolvierte.

Dennoch scheiden sich an Hoffenheim weiterhin die Geister - auch wenn der Verein in 17. Spieltagen mächtig Imagepflege betreiben konnte. Während Fußball-Legende Beckenbauer den steilen Aufstieg „phänomenal“ findet, umschreiben andere das Hoffenheimer Projekt als „Fußball-Labor“ und bezeichnen den Club als Kommerz-Verein ohne Tradition. Vereinsförderer Hopp holte seinen Heimatverein aus den Niederungen der Kreisliga. 1989 spendete der frühere Kreisliga-Kicker dem Club 10 000 Mark - nicht einmal 20 Jahre später sind die Kraichgauer in die Beletage des deutschen Fußballs vorgeprescht.

Mit seiner Prognose vor dem Bundesliga-Auftakt traf Trainer Ralf Rangnick voll ins Schwarze: „Ich glaube, dass es in den Spielen für uns nicht unbedingt viel schwerer wird. Wir wollen weiterhin unseren offensiven Stil durchsetzen und in jedem Spiel Tore schießen.“ Zunächst gehe es darum, sich von den Abstiegsrängen fernzuhalten. Schon nach der Hinrunde stellte der Coach nüchtern fest: „Mit dem Abstiegskampf haben wir es dieses Jahr wohl nicht mehr zu tun.“

Ein frühzeitiges Weihnachtsgeschenk verkündete Manager Jan Schindelmeiser dann kurz vor der Winterpause: Aus Valencia konnte Ex-Nationaltorwart Timo Hildebrand ablösefrei verpflichtet werden. „Die Art und Weise, wie Hoffenheim Fußball spielt, hat mich begeistert. Der Club spielt sehr offensiv, das kommt auch meiner Spielweise entgegen“,sagte Hildebrand, der nun „Teil dieses Modells sein will“.

Dank Hopps Millionen hat der Aufsteiger bereits in der 2. Liga auf dem Transfermarkt zuschlagen und etwa 20 Millionen in Spieler aus Afrika, Brasilien und Schweden investiert. Mit Carlos Eduardo, Demba Ba und Chinedu Obasi wurden Offensivkräfte verpflichtet, die bereits ihre Erstligareife eindrucksvoll unter Beweis stellten. Mit Abwehrtalent Andreas Beck vom VfB Stuttgart wurde im Sommer zudem der erste Wunschkandidat von 1899-Coach Rangnick verpflichtet. Der 16-malige U-21-Nationalspieler stand schon seit geraumer Zeit auf Hoffenheims-Wunschliste.

Dabei sind die vorausdenkenden Badener schneller als ihr eigener Masterplan - der sah die höchste Klasse erst für 2010 vor. Da die neue, 60 Millionen Euro teure und 30 000 Zuschauer fassende Rhein-Neckar-Arena erst für die Rückrunde fertig gestellt ist, mussten die Heimspiele in der Hinrunde im Mannheimer Carl- Benz-Stadion ausgetragen werden. Mit Erfolg: Kein Club war zu Hause stärker als der Aufsteiger mit 23 Punkten.

Das Aufgebot:

Tor: 1* Daniel Haas, 27 Ramazan Özcan, 29 Daniel Bernhardt, 30 Thorsten Kirschbaum, 0 Timo Hildebrand

Abwehr: 2 Andreas Beck, 3 Matthias Jaissle, 5 Marvin Compper, 14 Christoph Janker, 24 Per Nilsson, 25 Isaac Vorsah, 26 Andreas Ibertsberger

Mittelfeld: 10 Selim Teber, 11 Jochen Seitz, 13 Zsolt Löw, 17 Tobias Weis, 21 Luis Gustavo, 23 Sejad Salihovic, 33 Carlos Eduardo, 37 Jonas Strifler

Angriff: 9 Demba Ba, 19 Vedad Ibisevic, 20 Chinedu Obasi, 22 Francisco Copado

* Zahl ist jeweils die Rückennummer

(Stand: Dezember 2008)

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