ÖDP sieht erste Folgen des Volksbegehrens

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 Zwei Schmetterlinge und eine Biene auf einer Sommerflieder-Blüte – angesichts des Insektensterbens vielerorts inzwischen ein ra
Zwei Schmetterlinge und eine Biene auf einer Sommerflieder-Blüte – angesichts des Insektensterbens vielerorts inzwischen ein rares Bild. Die ÖDP im Kreis Lindau hat mit Blick auf das aktuelle Volksbegehren den Forscher Andreas Segerer eingeladen. (Foto: dpa/Carsten Rehder)
Lindauer Zeitung

Die ÖDP sieht erste gute Folgen ihres Volksbegehrens „Rettet die Bienen“. Dass ein Landwirt auf einer Fläche eine Blühwiese plant sei ein richtiger Ansatz im Sinne des Volksbegehrens, schreibt die Lindauer ÖDP in einer Pressemitteilung.

Dass ein Lindauer Landwirt eine schwer zu bewirtschaftende Fläche zur Blumenwiese machen wolle und dafür Paten sucht, findet Zustimmung der Partei, die sich dadurch bestätigt sieht und schreibt: „Es ist doch ein gutes Zeichen, wenn Obstbauern schon anfangen umzudenken und mit Ausgleichsmaßnahmen in die richtige Richtung wirken.“

Vor dem Hintergrund des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ hat der ÖDP-Kreisverband Andreas H. Segerer, Forscher der Zoologischen Staatssammlung in München, zu einem Vortrag eingeladen. Der zeigte Lösungsmöglichkeiten auf, wie Landwirtschaft, Politik und Gesellschaft gegensteuern sollten, um die Artenvielfalt und Kulturlandschaft auch für kommende Generationen zu erhalten. Die Partei hat der LZ dazu einen Eigenbericht geschickt.

Vor unserer Haustüre spiele sich ein lautloses Drama ab: „Bienen, Schmetterlinge und viele andere Arten verschwinden in nie gekanntem Ausmaß aus unserer Landschaft – in Bayern, in Europa und weltweit“, das habe Segerer in seinem Vortrag festgestellt. „Dabei sind sie essentiell für das menschliche Leben: Sie sind Bestäuber, Honigproduzent, Landschaftsgärtner, Recycler, Regulierer und Nahrungsquelle für alle insektenfressenden Vögel und andere Tiere.“ Ihr Verschwinden zeige an, dass es um den Zustand der Umwelt erschreckend schlecht bestellt sei. Dabei seien Ursachen und Verursacher doch schon seit langem bekannt.

Segerer verweise auf die sogenannte Krefeld-Studie: Sie belege, dass die Menge der Insekten nur noch ein Viertel dessen betrage, was noch Anfang der 1990er Jahre herumschwirrte. Die „Roten Listen“ der bedrohten und aussterbenden Arten würden hingegen jedes Jahr länger. So erinnerte Segerer daran, dass die Zahl der Schmetterlinge in den vergangenen 50 Jahren um 80 bis 90 Prozent zurückgegangen sei. Da diese Tiere spürbar auf Umwelteinflüsse reagieren, hält der Forscher Schmetterlinge für gute Bio-Indikatoren.

Segerer gab zu bedenken, dass Insekten oft „Spezialisten“ und nur an einzelne Pflanzen oder Tierarten angepasst sind. Wenn durch veränderte Lebensräume diese Grundlage nicht mehr gegeben sei, etwa durch Nutzungsänderung, Nährstoffeintrag oder Versiegelung, dann verschwinden diese Tiere. Und damit auch das Futter für viele Vögel.

Erste Berichte zu einem Artensterben habe es bereits vor etwa 150 Jahren gegeben: Bereits im 19. Jahrhundert veränderten Industrie- und Agrarrevolution das kleinräumige Mosaik von Wiesen, Wäldern und Nichtkulturland. Heute würden 92 Prozent der Agrarfläche intensiv landwirtschaftlich genutzt, oft als gigantische Flächen ohne einen einzigen Baum oder Strauch. Damit habe eine „Verinselung“ der Restflächen begonnen.

Als große Gefahr betrachte Segerer Pestizide. So habe er Neonicotinoide genannt als Stoffe, die auf das Gehirn der Insekten wirken und nach seinen Worten als etwa 10 000 mal giftiger als das frühere Unkrautvernichtungsmittel DDT eingestuft werden. Honigbienen würden süchtig nach diesen Stoffen und in der Folge an „Bienen-Alzheimer“ (Orientierung), Impotenz und Bienen-Aids (sinkende Immunabwehr) erkranken. Aber auch viele andere Insektenarten würden durch den globalen Einsatz dieser Stoffe dezimiert.

Straßenverkehr und Lichtverschmutzung sieht der Forscher als weitere Ursachen für den Rückgangs der Insekten – im Gegensatz zum Klimawandel: Den stuft Segerer als „wenig bedeutend“ ein, da Insekten durch steigende Temperaturen eher positiv beeinflusst würden.

Gesunde Nahrung zum vernünftigen Preis kaufen

Um eine ökologischen Katastrophe zu verhindern, hält der Referent laut ÖDP-Bericht eine Agrarwende hin zu einer ökologischen Landwirtschaft mit entsprechend angepassten Subventionen für wichtig. Sie könne etwa Korridore zwischen den einzelnen „Inseln“ schaffen. Entgegen der landläufigen Meinung habe Segerer in seinem Vortrag nicht Klein-Landwirte und Familienbetriebe als Verursacher gesehen, sondern als „Opfer einer auf billig und Masse getrimmten Landwirtschaft“.

Segerers Konsequenz: Bei Bio- und Kleinbauern regional einkaufen und nicht Fertig- und Halbfertigprodukte im Supermarkt. Gesunde Nahrung brauche zudem einen gesunden Preis, der die Landwirte nicht in den Ruin treibe.

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