Ärzte als Mörder - Menschenversuche in KZs

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Deutsche Presse-Agentur

Bei medizinischen Menschenversuchen wurden während der Nazi-Herrschaft in vielen Konzentrationslagern Häftlinge gequält. Zehntausende wurden dabei ermordet. Die Ärzte für die unterschiedlichsten Experimente kamen von SS, Wehrmacht oder Universitäten.

Manche Versuche sollten angeblich „kriegswichtige“ Fragen klären, andere waren als Bausteine für wissenschaftliche Karrieren gedacht. Alle Experimente waren nur im KZ möglich, wo der Forschung keine Schranken gesetzt wurden. Die meisten Versuche waren bewusst auf den Tod der Opfer ausgerichtet. Bevorzugt wählten die Mediziner nach der Nazi-Ideologie als „lebensunwert“ eingestufte Häftlinge, wie zum Beispiel Roma- und Sinti-Zwillinge, jüdische Kinder oder russische Kriegsgefangene.

Rund 350 Ärzte waren an medizinischen Versuchen in KZs beteiligt. Nur ein kleiner Teil von ihnen musste sich nach dem Krieg vor Gericht verantworten, viele arbeiteten auch nach 1945 als Mediziner. Im Nürnberger „Ärzteprozess“ 1946/47 wurden von 23 Angeklagten sieben zum Tode verurteilt und sieben freigesprochen, die übrigen erhielten Haftstrafen.

Josef Mengele gilt als einer der skrupellosesten Ärzte. Im Vernichtungslager Auschwitz tötete er bei Versuchen zahlreiche Menschen. Zu seinen Spezialgebieten gehörten Versuche, eineiige Zwillinge mit Typhusbakterien zu infizieren. Er amputierte ihnen Glieder, schnitt ihnen Organe aus dem Körper oder erschoss sie, um Krankheitsherde besser beobachten zu können. Mengele wurde nie vor Gericht gestellt. Er konnte sich nach Südamerika absetzen, wo er 1979 starb. Der als „Doktor Tod“ berüchtigte Aribert Heim quälte als KZ-Arzt in Sachsenhausen, Buchenwald und Mauthausen Menschen. In Mauthausen soll er Hunderte mit Injektionen ins Herz umgebracht haben. Nach dem Krieg arbeitete der gebürtige Österreicher als Frauenarzt in Baden-Baden und ist seit 1962 auf der Flucht.

Weil man für die Marine wissen wollte, wie lange ein Mensch in kaltem Wasser überleben kann, ließ KZ-Arzt Sigmund Rascher in Dachau Menschen in Eisbecken liegen, bis sie tot waren. Um Informationen für die Luftfahrt zu erhalten, wurden Häftlinge in Unterdruckkammern gesteckt, bis sie an der Höhenkrankheit starben. Der Tropenmediziner Claus Schilling betrieb in Dachau eine Malaria-Versuchsstation, bei der etwa 1100 Menschen infiziert wurden - Hunderte starben. Professor Karl Gebhardt ließ Häftlingen in Ravensbrück unter anderem Gasbrand- und Tetanuserreger injizieren, um die Wirkung von Medikamenten zu erproben.

Der Gynäkologe Carl Clauberg experimentierte in Auschwitz an Massensterilisationen ohne Operation und ließ dazu Frauen ohne Betäubung ätzende Substanzen in die Gebärmutter spritzen. In Sachsenhausen wurden jüdische Kinder mit Hepatitis infiziert, bei anderen Gefangenen wurden Versuche mit den Giftgasen Lost und Phosgen gemacht. In Buchenwald gab es Versuchsreihen mit bis zu 800 künstlich infizierten Russen, an denen Fleckfieberimpfstoffe erprobt wurden.

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