Leser fragen immer wieder, warum Schwäbische.de und Schwäbische Zeitung auf manchen Fotos Menschen oder zum Beispiel Fahrzeuge klar erkennbar abbilden, während solche Details auf anderen Fotos mittels Bildbearbeitung unkenntlich gemacht werden.

Solche Veränderungen von Fotos geschehen niemals willkürlich, sondern anhand von Regeln und sorgfältiger journalistischer Abwägung.

Beispiel Verkehrsunfälle: Wir berichten regelmäßig über schwere Verkehrsunfälle in der Region - oft auch mit Toten oder Verletzten. Dabei ist die Würde der Unfallopfer und Ihrer Angehörigen ein hohes Gut und muss geschützt werden. Deshalb machen wir Autokennzeichen oder auch bestimmte Beschriftungen von Fahrzeugen unkenntlich.

Damit wollen wir erreichen, dass keine konkreten Rückschlüsse auf Besitzer oder Insassen von Autos, Motorrädern oder Lastwagen gezogen werden können. Bei besonders schweren Unfällen warten wir auch einige Stunden, bis wir überhaupt Fotos davon zeigen - so kann die Polizei erst Angehörige benachrichtigen, die nicht durch Pressefotos von einem schweren Unfall Nahestehender erfahren sollen. Außerdem zeigen wir niemals Fotos von Unfallopfern, sondern immer nur Fahrzeuge, Rettungsfahrzeuge, Einsatzkräfte oder den Ort des Geschehens. Auch Gaffer am Unfallort dürfen nicht erkennbar abgebildet werden. Die Verfolgung möglicher Rechtsverstöße ist schließlich Aufgabe der Behörden, nicht der Presse.

Beispiel gesuchte Personen: Immer wieder fahndet die Polizei öffentlich nach bestimmten Personen. Entflohene Gefangene oder Räuber nach einem Überfall, die von einer Kamera aufgezeichnet wurden, sind übrigens die wenigsten davon. In weitaus mehr Fällen werden zum Beispiel alte oder kranke Menschen gesucht, die sich in einer Lage der Hilflosigkeit oder in Gefahr befinden könnten.

Solange eine konkrete Gefahr für diese Menschen oder für die Öffentlichkeit besteht, wird Schwäbische.de solche Fahndungsfotos unverpixelt zeigen. Sobald die gesuchten Menschen aber gefasst oder gefunden sind, werden Fahndungsfotos entfernt oder unkenntlich gemacht. Ab diesem Moment wiegt das Persönlichkeitsrecht der Gesuchten in aller Regel schwerer als der Wunsch der Öffentlichkeit nach einem Foto.

Beispiel Gerichtsverhandlungen: Nur bei besonders schweren Straftaten ist es in Deutschland zulässig, Täter mit Foto abzubilden. Journalisten müssen dies mit besonderer Sorgfalt prüfen. Schwäbische.de und Schwäbische Zeitung zeigen daher nur in seltensten Fällen Fotos von Angeklagten oder verurteilten Tätern. Bei Personen, die aber aufgrund eines Terroranschlags mit schweren Folgen angeklagt sind, könnte dieser Fall eintreten - deshalb wurde zum Beispiel der Attentäter vom Berliner Breitscheidplatz, Anis Amri, unverpixelt gezeigt. Keinesfalls würden wir dagegen den Beschuldigten eines Diebstahl-Strafverfahrens in der Region im Bild zeigen oder deren Namen bekanntgeben.

Ausnahmen von der Regel gibt es auch dann, wenn der Angeklagte grundsätzlich eine Person des öffentlichen Interesses ist. Das könnte zum Beispiel der Manager eines großen Unternehmens sein, der Steuern hinterzogen hat -  der Fall Uli Hoeneß wäre dafür ein Beispiel. Hier wiegt das öffentliche Informationsinteresse schwerer als das Persönlichkeitsrecht.

Neben den genannten Beispielen gibt es viele weitere mögliche Fälle, in denen Fotos oder Teile davon verpixelt werden müssen. Immer gilt dabei: Es ist Aufgabe der Journalisten, die geltenden Regeln zu kennen und immer aufs Neue abzuwägen, ob eine Veröffentlichung zulässig und auch sinnvoll ist. Dabei halten sich Schwäbische Zeitung und Schwäbische.de immer auch an die Regelungen des Pressekodex, den Sie hier nachlesen können.

Haben Sie vielleicht selbst Fragen, die unsere Arbeit betreffen, mit denen wir uns in einem Blogeintrag beschäftigen sollten? Schreiben Sie uns eine Mail an einsichten@schwaebische.de.